Christian Henner-Fehr
Nicht alle Nachrichten, die mit Beteiligungskapital zu tun haben, sind so gut. Aber die Zahl der guten Nachrichten aus diesem Bereich nimmt zu. Kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlichte die European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) eine Studie, der zufolge in den Jahren 2000 bis 2004 eine Million Arbeitsplätze durch die Aktivitäten von Private Equity-Gesellschaften entstanden sind. Das jährliche Beschäftigungswachstum betrug in diesem Zeitraum 5,4 Prozent. Verglichen mit der Steigerungsrate von 0,7 Prozent, die die 25 EU-Mitgliedstaaten geschafft haben, ist das eine beeindruckende Zahl. Sechs Millionen Arbeitnehmer waren 2004 in Private Equity-finanzierten Unternehmen beschäftigt, für den EVCA-Vorsitzenden Sir David Cooksey ein Hinweis darauf, dass das Beteiligungsgeschäft einen positiven Einfluss auf die Beschäftigung genommen habe.
Das von Coller Capital, dem weltweit führenden Investor im Sekundärmarkt für Private Equity veröffentlichte "Global Private Equity Barometer" zeigt, dass die Investitionen auch dieses Jahr weiter zunehmen werden. Aber Vorsicht ist angesagt. Meist stecken die Investoren das Geld in Unternehmen, die sich in der Wachstumsphase befinden. So zum Beispiel in das Wiener High Tech Unternehmen ON DEMAND Microelectronics (ODM). Das als Spin-off aus der österreichischen Niederlassung von Analog Devices Inc. hervorgegangene Unternehmen bietet eine softwareprogrammierbare Vector Signal Prozessor Plattform für Anwendungen in der Consumer Elektronik Industrie an. 14 Millionen Euro hat das 2002 gegründete Unternehmen von einem internationalen Finanzierungssyndikat erhalten, um Wachstum und Entwicklung weiter finanzieren zu können.
Auch die ACP Holding GmbH mit ihrem Sitz in Wien hat mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis einen neuen Finanzpartner gefunden, der das weitere Wachstum durch gezielte Firmenzukäufe in Deutschland und der Schweiz ermöglichen soll. Und letzten Endes bekam auch Inode "frisches" Geld, um so die nächste Wachstumsphase finanzieren zu können.
Den Trend zu Investitionen in die Expansions- und Start-up-Phase bestätigt auch das aktuelle Venture Capital Barometer des international tätigen Beratungsunternehmens Deloitte. 80 Prozent der zu erwartenden Investitionen werden in Unternehmen fließen, die sich in einer der beiden Phasen befinden, so die befragten VC-Manager. Nur etwas mehr als 10 Prozent fließen in die Seed-Phase, also die Frühphase, in der die Unternehmensideen und -konzepte meist erst entwickelt werden. Die Gründer sind also in dieser Phase, so konstatieren die Verfasser des VC Barometers, auf staatliche Programme angewiesen.
RFID-Technologie zieht Investoren an
Der Seedphase entwachsen sind zwei österreichische Unternehmen, die auf die RFID (Radio Frequency Identification)-Technologie setzen. Da ist zum einen der Vorarlberger Börsekandidat Identec solutions, der als Spezialist für Intelligent Asset Management-Lösungen Produktions- und Logistikprozesse vereinfacht und mit dem von ihm entwickelten Intelligent Long Range (ILR) RFID-System Kunden wie der Deutschen Post oder Volkswagen wertvolle Echtzeitinformationen zur Verfügung stellen kann. Das Geld für die Entwicklungen und die Eroberung neuer Märkte kam unter anderem von den österreichischen Risikokapitalinvestoren gcp gamma capital partners und Danube Equity.
Ebenfalls auf die RFID-Technologie setzt RF-iT Solutions, ein aus dem Halbleiterkonzern Infineon hervorgegangenes Unternehmen, das seinen Sitz in Graz hat. Im Juli 2005 gegründet führt es den ehemaligen Geschäftsbereich "RFID Systems Solutions" von Infineon weiter. Kernstück der Aktivitäten der jungen Firma ist die Software You-R OPEN, die die bestehende IT-Infrastruktur mit der RFID Umgebung verbindet und dadurch eine skalierbare und flexible Anwendung moderner RFID-Technologie erlaubt. "Unser Ziel ist es, You-R OPEN als zentralen Marktstandard in der Industrie zu implementieren", erläutert Dominik Berger, Gründer und Geschäftsführer, die Vision seines Unternehmens.
Überzeugen konnte er damit die Investment-Manager von PONTIS Venture Partners und Truffle Venture, die an dem Unternehmen eine Beteiligung eingegangen sind. Die österreichische Venture Capital Gesellschaft PONTIS Venture Partners strukturierte die erste Finanzierungsrunde in einer Gesamthöhe von 4 Millionen Euro, in der die RF-iT Solutions Eigenmittel aus dem von PONTIS gemanagten VC-Fonds PVP I sowie den vom französischen Spin-off Spezialisten Truffle Venture beratenen Fonds erhielt. Unterstützung in Form einer Garantie sowie Mitteln aus dem Seedfinancing Programm kam darüber hinaus von der Austria Wirtschaftsservice GmbH. Auch der Staat trägt also dazu bei, dass innovative junge Unternehmen in Österreich die Chance zum Erfolg bekommen.
Die Beispiele zeigen, dass Unternehmensgründer nicht nur in den Bereichen Life Science oder Medizintechnik Chancen haben, Financiers als Partner zu gewinnen. Die österreichische High Tech-Szene ist bunt und bietet Investoren die Chance, ihren finanziellen Einsatz zu vervielfachen. Aber auch der österreichische Risikokapitalmarkt gibt kräftige Lebenszeichen von sich. So hat gcp im letzten Jahr mit "gcp Deutschland" ein Tochterunternehmen gegründet, das von Lindau aus die Märkte in Deutschland und der Schweiz bearbeitet. Auch für österreichische Risikokapitalinvestoren wird der heimische Markt mittlerweile zu klein.



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8/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 