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Netz & Telekom

HP-ProCurve - Konferenzbericht

Intelligenz im Netzwerk

Der HP-Geschäftsbereich ProCurve Networking präsentierte kürzlich auf einer internationalen Konferenz in Dubai steigende Marktanteile und neue Netzwerk-Produkte.

Rüdiger Maier

"Wie die 4000 Serie im Jahr 1998 und die 5300 Serie im Jahr 2001 ProCurve geholfen haben, die Nummer zwei auf dem Netzwerkmarkt zu werden, erwarten wir uns auch von den neuen Produkten, dass diese unsere Technologieführerschaft weiter ausbauen", versprühte der ehemalige Skirennläufer (spanisches Nationalteam) Wenceslao Lada, Vice President und General Manager von ProCurve Networking EMEA, deutlichen Optimismus.

Und die Zahlen geben ihm Recht: Man konnte im dritten Quartal 2005 im "Managed LAN Switch Markt" 5% zulegen (Markanteil: 16,6%), während die Hauptkonkurrenten Cisco (52,1%) und 3Com (10,2%) jeweils Anteile verloren. Auch im Gartner-Quadrant habe HP den größten Fortschritt weg vom Nischenanbieter hin zum Herausforderer für Cisco gemacht. "Wir arbeiten mit einer großen eigenen Forschungsabteilung unablässig daran, unsere Position weiter auszubauen", so Lada. Bis Ende 2007 strebe man in allen Produktkategorien in Europa einen Marktanteil von 25% an.

Große Wachstumschancen sieht der EMEA-Chef in Russland und im Mittleren Osten. Im Laufe des Jahres werde man mit diesen Zielen vor Augen weitere Innovationen vorstellen. Stolz verweist er daneben auf den Gewinn des prominenten Neukunden CERN, des international renommierten Kernforschungszentrums in der Schweiz. "CERN ist kontinuierlich auf der Suche nach innovativen Technologien wie dem neuen ProCurve 5400 Switch, die helfen, unsere Forschung und Produktivität zu fördern", erklärt David Foster, Gruppenleiter Communications, Systems und Networking bei CERN. Den entsprechenden Anwenderbericht konnten MONITOR-Leser übrigens bereits in der Ausgabe 2-2006 (S. 13) lesen.

Neue Produkte

HPs ProCurve Networking bietet Netzwerk-Lösungen für Unternehmen, von kabelgebundenen und funk-basierten Netzwerk-Produkten bis zu Dienstleistungen und Lösungen. Mit der ProCurve Adaptive EDGE Architektur bietet der Hersteller ein Netzwerk-Design, das durch seinen anpassungsfähigen, skalierbaren und vollständig kompatiblen Aufbau die Steuerung vom Zentrum mit der Kontrolle am Netzwerkrand verbindet. Neu vorgestellt wurde nun die ProCurve 5400 Familie chassis-basierender Switches sowie die ProCurve 3500 Familie stapelbarer Switches. Im Mittelpunkt dieser beiden Switch-Familien steht ein integrierter, programmierbarer ASIC-Netzwerkprozessor (siehe Kasten). Die ProCurve 4200 Familie, der ProCurve 6200 Switch und ein neues 10 Gigabit Modul für die ProCurve 8100 Serie runden das Angebot der neuen Produkte ab.

"Unser selbst entwickelter ProVison ASIC der vierten Generation erlaubt es etwa, verschiedene Attacken rasch zu erkennen und den Schaden zu minimieren", erläutert Amol Mitra, Direktor für das weltweite Produkt-Marketing, im MONITOR-Gespräch. Sicherheit im Netzwerk sei ohnehin ein zentrales Thema, das durch eine Art "Sicherheits-Ökosystem" in der Lösungs-Architektur adressiert werde. "Wir wissen aus unseren Kundengesprächen, dass Sicherheit momentan eines der wichtigsten Themen im Netzwerkbereich ist", so Mitra. Auch bei den Präsentationen zum Thema VoIP (Internet-Telefonie) wurde klar, welch komplexen Prozesse ablaufen, um eine einwandfreie und sichere Kommunikation zu gewährleisten.

"VoIP dauert in der breiten Durchsetzung länger als erwartet, alle unsere Switches sind aber bereits darauf vorbereitet. Ich rechne mit einer starken Verbreitung erst ab 2010", erklärt Mitra. Damit sei jedes Unternehmen mit den neuen Geräten vorbereitet, wenn es auf Internet-Telefonie umsteigen wolle. Das Netzwerk ist flexibel genug, bei Bedarf den Sprachpaketen den erforderlichen Vorrang im Netzverkehr zu geben, damit die Sprachqualität gesichert ist (quality of service = QoS). Auch sei die direkte Stromversorgung über Ethernet in den Geräten vorgesehen. Das "intelligente Netzwerk" aktiviert all die erforderlichen Einstellungen bei Bedarf automatisch. Dabei ist auch die Einhaltung von Standards für die einfache Benutzung unumgänglich, um für alle Telefone und sonstigen Netzwerkkomponenten offen zu sein. "Wir haben in der Vergangenheit sehr hart in den Standardisierungsgremien und in unserer Forschungsabteilung gearbeitet, um das heute unseren Kunden zu Verfügung stellen zu können. Nur so ist aber eine einfache und breite Verwendung von VoIP möglich", analysiert Mitra.

Der österreichische Markt

"In Österreich sind wir von der Anzahl der verkauften Ports nach Cisco und 3Com die Nummer 3, vom Umsatz aber am zweiten Platz", bringt Wolfgang Gumprecht, Business Manager Österreich, den heimischen Markt auf den Punkt. Mit der tatkräftigen Hilfe von zwölf Partnern im "Elite-Programm" (darunter Telekom Austria, S&T, ACP und neuerdings Data Systems Austria) und vielen kleineren und lokalen Partnern ist man flächendeckend am Markt tätig.

Die Produkte werden grundsätzlich über Distributoren - Actebis, Anixter, Ingram Micro und Tech Data - vertrieben, nur ACP, S&T und Data Systems Austria können direkt bei HP kaufen. "Wir konnten anlässlich dieser Konferenz die Telekom Austria als "Elite Competence Partner des Jahres" auszeichnen, da dort die meisten Zertifikate im technischen und verkäuferischen Bereich ausgestellt werden konnten", ist Gumprecht stolz. Für das weitere Wachstum sucht man derzeit einen Kunden-Manager, der gemeinsam mit den Partnern den Kontakt zu den Kunden intensiviert und pflegt. Mit den neu vorgestellten Produkten - allen voran die 5400- und die 3500-Familie - könne man nun das Angebot an offenen und standardkonformen Lösungen erweitern und gerade auch österreichischen Kunden mitwachsende und zukunftsfähige Lösungen anbieten.

Auf das Netzwerk könnten damit auch alle VoIP-Anbieter mit ihren Endgeräten aufsetzen: "Wir haben im Bereich der IP-Telefone sogar eine Partnerschaft mit Cisco, die wir - sicherlich mit etwas mehr Aufwand - durchaus in unser Netzwerk integrieren können", so Gumprecht. Mit den ProCurve-Produkten überzeugte man schon bisher Kunden wie den ÖAMTC, Liebherr, das Krankenhaus Krems, Fronius, den Beschlägehersteller Maco oder Austria Tabak. "Wir sind stolz darauf, hier teils veraltete Digital-Netzwerk-Lösungen aber auch solche unserer Konkurrenz ablösen zu dürfen", erklärt Gumprecht. Obwohl nämlich der Markt weiter wachse, müsse man bei dem ehrgeizigen Ziel des 25%igen Marktanteils bis Ende 2007 sicher auch im Verdrängungswettbewerb erfolgreich sein. Nicht zuletzt ist auch eine Ausweitung der Partner-Landschaft auf etwa 15 mit diesem Ziel denkbar. "Während der Preis je Port im Markt weiter fällt, können wir durch die Nachfrage nach unseren höherwertigen Lösungen sogar ein Ansteigen des Preises je Port verzeichnen. Daher sind wir sehr optimistisch, die durchaus ehrgeizig gesteckten Ziele auch zu erreichen", blickt Gumprecht zuversichtlich in die Zukunft.


Der neue ProVision ASIC

Ein ASIC (application specific integrated circuit) ist eine anwendungsspezifische integrierte Schaltung, die nach genauen Vorgaben für spezielle Anwendungen entwickelt wird. Die Kernfunktionen des neuen ProCurve ASIC sind:

  • Schnelle Richtliniendurchführung: Der starke Motor für die Ausführung von Richtlinien erlaubt Netzwerkadministratoren Hardware-basierende Kontrolle des Zugangs- und Traffic-Flows, um das Netzwerk vor Bedrohungen zu schützen, diese aufzuspüren und abzuwehren, ohne dabei jedoch die Netzwerkleistung zu beeinflussen.
  • Eingebaute Widerstandsfähigkeit des ASIC: Diese wurde speziell entwickelt, um den Dauerbetrieb zu gewährleisten, während Systemfehler und Angriffe von Außen wie Denial-of-Service (DoS)-Attacken abgewehrt werden.
  • Programmierbarer Netzwerkprozessor: Er erlaubt rasche und tiefgehende Paketanalysen und ermöglicht, dass neue Hardware-Funktionalitäten ohne teure Upgrades der Hardware implementiert werden können.

http://www.hp.com/rnd/index.htm

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Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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