Rolle des IT-Leiters verändert sich
Im Gegenzug zum Outsoucing-Trend würden sich aber die Funktionen der IT im Informations-, Prozess- und Business-Bereich verdoppeln, prognostiziert Gartner. Parallel dazu werde sich die Rolle des IT-Leiters weiterentwickeln und schließlich in zwei Funktionen, "Business Technology"- und "Business Network"-Leiter, aufsplitten.
"Eine Veränderung ist mehr als überfällig", meint auch Axel Quit. "IT-Chefs, die die eigene Unternehmensstrategie nicht verstehen, nicht umsetzen oder keinen Beitrag zur strategischen Ausrichtung ihres Unternehmens liefern können, werden es schwer haben, den Mehrwert ihrer IT-Abteilung im Vergleich etwa zur Lagerverwaltung zu rechtfertigen", so der Strategieexperte
Janitschek glaubt nicht an eine deutliche Veränderung seines Job-Profils: "Da die Rolle des CIO's im Denzel Konzern schon heute mit strategischem Fokus verankert ist, wird es keine große Veränderung im Job-Profil geben. Der Fokus und Schwerpunkt verschiebt sich aber immer deutlicher von der Infrastruktur zu den Applikationen und zur Prozessoptimierung auf Basis intelligenter Mensch-IT-TK-Kombinationen."
In anderen Fällen, so Gartner, könne sich die IT auch zu einem übergreifenden Allgemeingut entwickeln, das von den Business-Managern als regulärer Bestandteil ihrer Funktionen gehandhabt wird. "Die Diskussion, inwieweit die IT mit leitenden Funktionen in den Bereichen Business Prozesse und Information betraut werden kann und soll, wird sicher weitergeführt werden. In manchen Fällen werden diese Funktionen auch aus der IT ausgelagert werden. Diese Einheiten werden dann auch viele der strategischen und architektonischen Funktionen übernehmen, die bisher den IT-Abteilungen vorbehalten waren", glaubt Mahoney. Manche Unternehmen würden sogar schon beginnen, ihre IT aufzulösen und sie in andere Unternehmensbereiche zu integrieren. Bei diesem Ansatz befürchten die Garnter-Analysten aber "zersetzende Gegenreaktionen" bei so manchem Abteilungsleiter, der sich gegen die Einführung von Prozess- und Informationsarchitekturen in seinem Bereich wehren könnte.
Dass sich seine IT-Abteilung auflösen könnte, befürchtet Janitschek nicht: "Das ist sachlich betrachtet im Denzel Konzern nicht sinnvoll, da durch eine konzernweite, zentrale IT- und TK-Kompetenz in den letzten 24 Monaten sehr viele Synergien genutzt werden konnten."
Quitmann kommt auf Grund seiner Erfahrungen bei Zumtobel zu differenzierten Ansicht: "Nicht zustimmen würde ich der These, dass die zunehmende Ausgereiftheit der Technologie den Bedarf an IT Abteilungen reduziert. Auch die bekannte Technologie vor zehn Jahren war aus damaliger Sicht ausgereift. Die Technologie entwickelte sich aber weiter und parallel zu dieser Entwicklung entstanden auch neue Geschäftsmodelle. Neue Technologien brauchen jemanden im Unternehmen, der sie beurteilt, das Potential erkennt und gegebenenfalls die Einführung treibt."
Quitt vom Dienstleister Unisys bleibt angesichts der Gartner-Prognosen gelassen: "Ich beobachte die Entwicklung der IT-Branche seit nunmehr 20 Jahren. Es scheint hier immer wieder Pendelbewegungen zu geben, die einmal in die Richtung verstärkter Zentralisierung und ein anderes Mal in die Richtung dezentralisierter IT-Unterstützung ausschlagen." Dass der Job des CIO auf absehbare Zeit überflüssig werden könnte, glaubt keiner der drei IT-Profis. Janitschek: "Mittelfristig sehe ich das nicht, aber man soll sich ja nie zu sicher sein."



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 