Alexander Hackl
Die Eisenstädter Softwareschmiede beschäftigt heute 38 Mitarbeiter, zwei Drittel davon Softwareentwickler. 1986 startete Invaris - damals unter dem Namen Lasertech - mit drei Mitarbeitern sprichwörtlich auf der grünen Wiese. Ziel war die Entwicklung von Software-Architekturen für elektronisches Formular- und Druckmanagement. Hintergrund: Mit dem Aufkommen der großen Laser-Produktionsdrucker dienten fortan elektronisch erstellte Dias als Druckvorlage.
"Die Programmierung und Pflege dieser elektronischen Formulare erwies sich als sehr schwierig. Brauchbare Entwicklungsumgebungen seitens der Hersteller gab es praktisch nicht", erzählt Prokurist Stefan Szigeti von den Anfängen. Nachdem man sich in diesem Bereich erfolgreich etabliert hatte, war der nächste Schritt die Entwicklung von "Formscript", einer herstellerunabhängigen Plattform zur Formularbeschreibung, die das Layout automatisiert in den Formularmodus des jeweiligen Druckeranbieters übersetzt. "Jeder Hersteller hat da leider sein eigenes Süppchen gekocht, es gab 18 verschiedene Formular-Modes. Der Kunde war damit fest in den Klauen eines Anbieters", erinnert sich Szigeti. Neben der Automatisierung des Druckmanagements im Rechenzentrum konzentrierten sich die Burgenländer in den 1990er-Jahren auch auf das Formular-Handling im Office-Bereich.
Mit "Formstation" wurde ein Windows-basierender Client zur interaktiven Formularbearbeitung entwickelt. Der elektronische Formularserver zeichnet sich durch eine intelligente, einheitliche Oberfläche für den Ausfüllvorgang und eine automatisierte Textverarbeitung mit Baustein-Management zur individualisierten Formularerstellung aus. "Einige Kunden sind sogar ganz von MS-Word auf unsere Textverarbeitung umgestiegen", erklärt Szigeti.
Dynamische Plattform
Zur Jahrtausendwende wurden in einer nächsten Entwicklungsstufe die Produktfamilien unter einem neuen technologischen Dach - der "Dynamic Layout Architecture" (DLA), zusammengefasst. Die Vision hinter dem neuen Metadesign: Das Formular als Möglichkeit strukturierter Informationsdarstellung mit individuell gesteuerter, dynamischer Eingabefunktionalität. Dazu Szigeti: "Das Formular verändert sich dynamisch während des Ausfüllvorgangs. Dinge wie ‚Nichtzutreffendes streichen' oder ‚Bei Nichtzutreffen die nächsten drei Seiten überspringen' fallen damit weg." Die neue Architektur bietet klarerweise auch vielfältige Anwendungsmöglichkeiten im Webformular- und E-Government-Bereich.
Einen wesentlichen Vorteil der Invaris-Lösungen sieht Szigeti in der klaren Trennung von Layout und Verarbeitung. "Nach der Aufbereitung hat man die freie Wahl des Ausgabekanals - von Druck bis Multimedia. Unsere Produkte sind zudem mit jeder Hardware-, jedem Betriebssystem und jedem Dokumentenstandard kompatibel, bieten also ein hohes Maß an Investitionssicherheit", so der Manager. Der Erfolg von Invaris lässt sich an der langen Kundenliste ermessen. In Deutschland verwenden hunderte Großkunden - meistens Banken, Versicherungen und Behörden - die österreichischen Lizenzprodukte, darunter die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Rentenversicherungsbund, die Dresdner Bank, die Sparkasseninformatik oder MAN. "97 Prozent unseres Umsatzes kommen aus dem Export. Allein die Service-Verträge decken schon unsere laufenden Kosten", betont Szigeti. Das Erfolgsgeheimnis sieht der Prokurist in der Standardisierung der Produkte und in der einfachen Implementierung: "Wir liefern ‚Prozessoptimierung Out-Of-The-Box'. Die Lösungen sind nach spätestens einem Monat produktiv. Wegen der intuitiv erfassbaren Oberfläche ist auch keine Anwenderschulung nötig."
Multichannel-Dokumente
Neue Betätigungsfelder für Invaris sieht Szigeti in der Automatisierung der Kundenkommunikation: "Wir wollen elektronische Dokumente interaktiv machen. Der Kunde kann dann eine Telefonrechnung oder einen Kontoauszug über einen entsprechenden Link direkt beanstanden. So wird eine automatisierte Verbindung zwischen Kunden und den entsprechenden Unternehmensprozessen hergestellt." Analog können auch Werbeeinschaltungen eine automatisierte Verbindung zu Marketing- oder Vertriebsprozessen erhalten.
Derzeit ist Invaris um den Auf- und Ausbau strategischer Partnerschaften bemüht. Gesucht werden nicht nur Beratungs- und Vertriebspartner, sondern auch OEM-Partner, die die Invaris-Plattform in eigene Lösungen integrieren wollen. "Das ist notwendig, weil wir momentan gar nicht so schnell wachsen können wie es uns der Markt erlauben würde", erklärt Szigeti. Derartige Probleme würde sich so manches IT-Unternehmen wohl wünschen.




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8/2011
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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 