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Windows

Bunter Ausblick auf eine fröhliche Büroarbeit

Die Zukunft von Windows und Office hat begonnen

Während Windows Vista und Office 12 am Horizont erscheint, stellt sich für Microsoft eine neue Herausforderung: der Softwarekonzern hat sehr lange für die Entwicklung eines neuen Windows-Betriebssystems benötigt und nun scheint der Markt darauf gar nicht zu warten.

Gregor Kucera

Windows Vista ist das erste große Update des Microsoft Betriebssystems seit der Einführung von Windows XP Ende 2001. Zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen sollen Anwender zu einem Umstieg animieren, doch sorgte in den letzten Wochen eine Studie von Marktforscher Gartner für Aufsehen; diese kamen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die Windows XP samt Service Pack und Software von Drittanbietern im Einsatz haben, nicht vor 2008 auf Windows Vista umsteigen müssten, sondern sich mit der Migration ruhig Zeit lassen können. Firmen sollten Vista auch nur auf neue Rechner aufspielen. Wer noch Windows 2000 einsetzt, dem raten die Experten allerdings zu einem schnellen Umstieg auf die nächste Windows-Generation. Grund genug sich die Innovationen des möglicherweise schon im Sommer 2006 erscheinenden Betriebssystems genauer anzusehen.

Optischer Aufputz

Die ausfälligste Neuerung von Windows Vista ist sicherlich der optische Aufputz der Oberfläche. Eine so genannte "Sidebar" - also eine senkrechte Liste am Bildschirmrand - wird aktuelle Informationen bieten. Neben Kalender, Uhrzeit und allerlei nützlichen Tools, können Drittanbieter auch spezielle Programme entwickeln und diese den Anwendern dann zur Verfügung stellen - etwa für Börsenkurse oder aber auch eine Liste mit den neuesten Nachrichten eines Internet-Portals im RSS-Format. Dieses "Really Simple Syndication" wird ins Betriebssystem eingebaut sein und es den Usern ermöglichen über einen Doppelklick auf den Eintrag den Browser mit ausführlichen Informationen zum Thema zu öffnen. So sollen die Nutzer in den Genuss eines personalisierten Desktops kommen.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger Windows XP wird das kommende Microsoft Betriebssystem ein völlig neues Aussehen aufweisen: halbtransparente Programmleisten, leuchtende Buttons und Schlagschatten. Besonders auffällig ist das Öffnen und Schließen von Fenstern und Anwendungen. In einer kurzen Animation wird ein Fenster elegant auf den Desktop geschwungen und verschwindet beim Schließen auf die gleiche Art und Weise. Diese neue Desktop-Theme hat Microsoft auf den Namen "Aero" getauft. Anwender, die weniger verspielte Auftritte ihrer Programme wünschen oder über keine DirectX9-Grafikkarte verfügen, können in den genannten "Windows Classic"-Modus umsteigen. Microsoft kündigte auch eine neue Standardschriftart für Vista und Office 12 an - Segoe UI basiert auf der ClearType-Technologie, die besonders unter Notebooks und TFT-Monitoren für verbesserten Lesekomfort steht.

Die wesentlichsten Neuerungen werden aber nicht in grafischen Spielereien enden, sondern sollen laut Microsoft die Punkte Sicherheit und Stabilität betreffen. Einen Beitrag zu mehr Sicherheit soll etwa die neue Version des Internet Explorers (IE 7) bieten, der unter anderem den Betrug mit vorgetäuschten Web-Seiten für das Ausspionieren von persönlichen Daten - das so genannte Phishing - verhindern soll. Weniger für die Sicherheit, dafür aber viel für den Komfort bietet das Feature "Shrink to Fit", welches Webseiten automatisch auf die richtige Ausdruckgröße bringt. Dadurch sollen die unnötigen Ausdrucke von überlangen Webseiten nicht mehr vorkommen.

Integrierte Security

In der neuesten Vorabversion von Windows Vista, die im November veröffentlicht wurde, findet sich erstmals auch die neue integrierte Antispyware und ein Virenscanner. Die aus Windows XP bekannte Firewall wurde ebenfalls überarbeitet. Auch der Punkt Datensicherheit war den Entwicklern ein Anliegen. So soll Windows Vista erkennen, wenn ein Service abstürzt, dieses dann beenden und wieder neu starten und dies auch ohne dass der Anwender davon etwas merken soll. Um Abstürze überhaupt gar nicht erst auftreten zu lassen, bietet der Festplatten-Manager die Möglichkeit den Zustand der Festplatte und des Systemspeichers zu überprüfen. Das Betriebssystem wird zudem in der Lage sein, den Schaden zu begrenzen, wenn ein Service von einem Schadprogramm übernommen wurde. Neben der aus Windows XP bekannten Systemwiederherstellung, wird es mit SafeDocs ein zusätzliches neues Backup-Programm geben. Windows macht nun nicht mehr nur ein Backup von Betriebssystem-Daten, sondern auch gezielt von Anwender-Daten. Eine weitere "Sicherheitsmaßnahme" ist der neue "Schutz des Anwenderkontos". Wird diese Funktion im Start-Menü festgelegt, haben nicht einmal Administratoren automatisch alle Rechte. Für jede Veränderung am Betriebssystem und für jede Programminstallation muss ein Passwort eingegeben werden. So soll das versehentliche Herunterladen und Ausführen schädlicher Programme verhindert werden. In einem ersten Test erwies sich diese Funktion als sehr restriktiv und verhinderte die Installation einiger Programme trotz der Eingabe des Passworts - es bleibt zu hoffen, dass dies nur ein Bug der Beta-Version war - wenn nicht, dann müssen weiterhin mehrere Benutzerkonten, wie schon in Windows XP, angelegt werden. Eine Kindersicherung hat Microsoft standardmäßig auch schon in Vista eingebaut, so können Eltern den Zugang zu Programmen sperren.

Ein weiteres zentrales Element in Windows Vista wird die Suchfunktion sein. Microsoft will nicht nur wesentlich schnellere und verbesserte Suchmechanismen für Dokumente, Dateien und Ordner integriert haben, sondern auch eine Desktopsuche fix einbauen. Kurzum überall werden sich Suchfelder finden. Wird in dieses dann ein Buchstabe eingegeben, filtert die Software alle Programme aus, die diesen Buchstaben nicht beinhalten. Das umständliche Durchsuchen des oft recht gefüllten "Programm"-Baumes entfällt somit. Eine gezielte Suche ist nur durch eine gute Indizierung möglich. Diese erfolgt bei Vista gleich mit dem Start - die Desktop-Suche indiziert im Hintergrund nicht nur die lokalen Dateien, sondern auch Datei-Typ und Meta-Tags. Auch findet sich zum ersten Mal "Windows Mail", das "Outlook Express" ablösen wird. Vista wird nach Angaben von Firmengründer Bill Gates erstmals auch Spracherkennung bieten und auf den DVD-Nachfolger HD-DVD setzen.

Eine allgemein gültige Antwort auf die Frage "Wer braucht Windows Vista - zumindest im nächsten Jahr?", kann man nach den ersten Tests der Beta-Versionen nicht geben. Viele Neuerungen erschöpfen sich in grafischen Spielereien oder können, über Drittanbieter oder mit Zusatztools, schon mit Windows XP erzielt werden. Wirkliche Verbesserungen zeigen sich derzeit nur für Software-Entwickler. "Allerdings", so der zuständige Microsoft-Manager Greg Sullivan in einem Interview auf der Entwicklerkonferenz PDC in Los Angeles, "würden und könnten die Endanwender noch gar nicht erkennen, welche tiefgreifenden Änderungen und Verbesserungen Windows Vista wirklich bieten wird". Seine Worte in der Entwickler Ohren, denn das bisher gezeigte, ist zwar optisch nett anzusehen, aber nicht viel mehr als ein Windows XP Special Edition.

Office 12

Anders sieht die Situation beim Büro-Paket Office aus; die neue Version, die derzeit noch unter dem Codenamen "Office 12" entwickelt wird, war aus Sicht vieler Experten zu früh und nicht notwendig. Microsoft konnte zudem zu Beginn auch keine wirklich grandiosen Neuerungen ankündigen beziehungsweise hüllte sich in Schweigen und sorgte so für eine ungewohnte Ruhe in den internationalen Medien, die den Entwickler allem Anschein nach sehr gut getan hat.

Denn, was als unnötig und verfrüht gehandelt wurde, dürfte nun doch einige interessante Features und zahlreiche Innovationen bieten. Office 12 wird erst nach Windows Vista in den Handel kommen, daher hält sich Microsoft noch sehr mit Details zurück. Ein paar Neuerungen wurden aber schon verraten. Nicht nur eine von Grund auf überarbeitete Benutzeroberfläche soll laut Herstellerangaben für den größten Fortschritt in Office seit 10 Jahren sorgen. Das Motto zum kommenden Büro-Paket lautet ganz klar - "Wer suchet, der findet. Aber ihr müsst nicht mehr suchen". Die integrierte Suchfunktion, die sich über alle Programme, von Word über Excel bis zu Powerpoint zieht und den Anwendern einen wirklichen Überblick über seine Dateien bieten soll, ist allerdings nicht gemeint. "Wir haben ausführliche Marktanalysen durchgeführt, um zu erfahren, welche Features unsere Kunden in der kommenden Office-Version wirklich wollen. Dabei kamen wir zu einem überraschenden Ergebnis: Viele User wollten Funktionen, die schon in Office integriert sind, die sie bislang aber nicht finden konnten", meinte Microsoft-Gründer Bill Gates. Gesagt, bemerkt und schon geändert - so entfernte Microsoft unübersichtliche und wenig benutzerfreundliche Menüs sowie eine Vielzahl von Symbolleisten. Diese werden durch das "Band", den so genannten "Ribbon", ersetzt, welches die zu einer Aktion verfügbaren Funktionen anzeigt. Das Interface basiert auf einem Reiterkartensystem für verschiedene Arbeitsschritte, wie etwa "Schreiben", "Layout" und "Überblick". Alle Änderungen werden in Echtzeit auf dem Dokument angezeigt, aber nicht gleich abgespeichert. Anwender können sich so ihre neue Version ansehen ohne die alte zu verlieren.

Das Erstellen eines Dokuments in Word, das Rechnen in Excel oder die Präsentationsgestaltung in PowerPoint sollen wesentlich intuitiver werden. Weniger Klicks und kürzere Mauswege bis zum fertigen Dokument helfen wertvolle Arbeitszeit zu sparen, so der Hersteller. Im Gegensatz zu Windows gibt es für Anwender keine Möglichkeit die Optik auf Knopfdruck dem "alten" Office anzupassen. Um den Unternehmen keine hohen Kosten für neue Schulung aufzuzwingen, hat Microsoft die bekannten Tastaturkürzel übernommen. Eine Eingewöhnungszeit wird es aber dennoch geben, um den Umstieg von den bekannten Menüs auf grafische Symbole zu schaffen.

Das intuitive Erstellen von Texten und deren Formatieren in Word wird durch eine Schaltflächenbox ermöglicht. Diese erscheint innerhalb des Layouts an der Position des Mauszeigers. Wenn Absätze oder Wörter markiert sind, wird diese Toolbox automatisch angezeigt und bringt alle möglichen Funktionen zum Anwender, ohne dass dieser zum oberen Bildschirmrand navigieren muss. Die Tabellenkalkulation Excel setzt ebenfalls auf ein farbenfrohes Erscheinungsbild. So werden zum Beispiel Höchst- oder Tiefstwerte farblich hervorgehoben und lassen sich leichter in Diagramme einbinden. Schaltflächen mit Echtzeitvorschau erlauben den Anwendern das Formatieren und Neupositionieren von Inhalten, Achsenbeschriftungen und Legenden. Jede Formel hat einen eigenen Eintrag im Drop-down-Menü und wird im Funktionsband abgelegt. Wenn die Nutzer mit ihrer Maus über die Einträge fahren, wird eine Beschreibung der dahinter liegenden Rechenfunktion sichtbar. In der kommenden Version wandelt Powerpoint Text-Aufzählungen in Diagramme um. Präsentationen können mit Musik und Folienübergängen optische Aufbesserungen erleben.

Direktes Speichern als PDF

Zu den weiteren Neuerungen, die Microsoft bereits offiziell angekündigt hat, gehört etwa das direkte Speichern von Office-Dokumenten im PDF-Format. Bislang waren Anwender auf Software anderer Hersteller bei der Unterstützung von PDF angewiesen. Unter dem wenig aufregenden Namen "Document Inspector" bietet Microsoft ein Tool mit dem verborgende Dokumente entfernt werden können. Der Inspektor überprüft alle Dokumente auf versteckte Inhalte und beseitigt auf Wunsch bestehende Überarbeitungsanmerkungen oder Einträge in den Dokumenten-Eigenschaften.

Einige Kritik gab es zum neuen Office 12 auch schon: So ist die neue Benutzeroberfläche nicht durchgängig eingesetzt worden; während Word, Excel, PowerPoint und Access im überarbeiteten Design erstrahlen, blieb Outlook gleich. Auch seien in den verschiedenen Office-Applikationen Funktionen immer wieder an anderen Stellen zu finden. Aber diese Punkte kann Microsoft bis zum Ausliefern der Software noch in den Griff bekommen.

www.microsoft.com/austria

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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