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Interview mit Jeff Raikes, Microsoft Business Division

"Fraglich, ob ein revolutionäres User Interface gut wäre"

Jeff Raikes, Chef von Microsofts Business Division, im Monitor-Interview zu Office 12, zum neuen, aber nicht zu neuen User Interface und der Verknüpfung von Office mit Business Applikationen.

Andreas Roesler-Schmidt

Am Rande des Microsoft IT-Forums in Barcelona stand dem Monitor überraschend Jeff Raikes, Präsident der Microsoft Business Division für ein kurzes aber exklusives Interview zu Verfügung. Raikes gehört zu Microsofts Senior Leadership Team und ist zusammen mit Bill Gates und Steve Ballmer für die Entwicklung Microsofts Business Strategie verantwortlich. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört sowohl die Business Solutions mit Microsoft Dynamics als auch die Information Worker Group, die gerade an Office 12 arbeitet.

Wo sehen Sie die größten Fortschritte von Office 12?

Sowohl für Business- als auch für Home-User steht das neue User Interface im Vordergrund. Wir haben viel Forschung betrieben, um herauszufinden, wie wir den Zugang zu den vielen Möglichkeiten des Produktes für die meisten Leute einfacher und effektiver gestallten können. Der visuelle Ansatz des "Ribbon", die Möglichkeit kontextsensitive Aktionen anzubieten, ist ein enormer Fortschritt. Der Bezug zum Kontext macht es für den User viel einfacher, die Funktionen zu finden, die er sucht.

Was wird Unternehmen unter der Oberfläche geboten?

Das neue Dateiformat auf XML-Basis spielt eine große Rolle, weil Office immer mehr dazu benützt wird, um Verbindungen zu Business Informationen bzw. Prozessen herzustellen. XML wird diese Integration für Unternehmen erleichtern. Ein wichtiger Schritt nach vorne sind die vielen Funktionen im Bereich Collaboration.

Die Document Library wird Enterprise Content Management und Lifecycle verbessern. Sie werden bestimmte Dokumententypen und Metadaten bestimmen und in einen Workflow integrieren können. Die verbesserte Visualisierung von Daten etwa in Excel, wo Diagramme direkt in die Zellen integriert werden können, um einen schnellen Blick zu ermöglichen, "ob die Zahlen im Lot sind". Wir bauen neue Diagramm-Funktionen ein. Office bietet Zugang zu Business Information und Prozessen. Ich kann direkt von Outlook zu den Key Performance Indicators in Sharepoint gelangen. Wen genau welches Feature anziehen wird, hängt von der Funktion ab. Wer Präsentationen hält, wird die neuen Diagrammmöglichkeiten lieben, wer sich um die Business Informationen kümmert um die neuen Verknüpfungen. Aber alle werden die neue Useroberfläche lieben.

Die Verbindung zwischen Office und Business Applikationen bietet Microsoft bereits mit SAP im Projekt Mendocino an. Kommen Sie sich hier in die Quere?

SAP wollte mit Microsoft an Mendocino arbeiten, weil sie die Bedeutung von Office als Userschnittstelle zu Business Information und Prozessen erkannt haben. Gleichzeitig wussten wir, dass wir das auch für unsere eigenen und auch andere Applikationen tun müssen. SAP wird Office-Fähigkeiten ja auch nicht nur für mySAP verwenden, sondern auch für All-In-One und BusinessOne. Es gibt also ein Gebiet, in dem wir kooperieren, insbesondere mit bei großen Unternehmen. Aber wir haben natürlich auch unsere gesonderten Strategien, die wir parallel verfolgen.

SAP sieht Office als zusätzlichen Weg zu Usern, die bisher keinen direkten Zugang zum SAP-System des Unternehmens haben. Ist Ihr Ansatz ähnlich?

Office ist sehr weit verbreitet, also sehen wir den Schwerpunkt eher umgekehrt darin, die Funktionalität, die den Leuten via Office zu Verfügung steht, durch die Verknüpfung mit Business Informationen zu erhöhen.

Wollen Unternehmen wirklich ein neues Interface, auf das sie ihre Mitarbeiter wieder schulen müssen?

Es ist nicht viel Training notwendig. Wir haben einige Untersuchungen durchgeführt. 83 Prozent der User erwarten, dass sie mit der neuen Oberfläche innerhalb von zwei Wochen arbeiten können. Das neue Userinterface ist dem alten in den einzelnen Funktionen so ähnlich, dass die meisten User das Gefühl haben, einfach loslegen zu können. Zusätzlich stellen wir Online Training Support zu Verfügung. 80 Prozent der User glauben, das neue User Interface wird ihre Produktivität erhöhen. Wer das nicht glaubt, kann natürlich weiterhin Office 2003 oder XP benützen, aber ich glaube die meisten Unternehmen werden den Fortschritt erkennen und umsteigen.

Fürchten Sie, dass technisch weniger erkundungsfreudige Anwender, die z.B. in ECDL-Kursen auf die alten Office-Versionen getrimmt wurden, in Unternehmen die Office 12-Adaption verzögern werden?

Die User werden die neue Oberfläche wollen und letztlich wird die IT diesem Wunsch nachkommen müssen. Ich erwarte daher eine Adaption ähnlich der von Office 2003.

Haben Sie beim neuen User Interface viel von Apple - insbesondere von iWork - gelernt?

Ich glaube nicht. Wir schauen immer auf den Mitbewerb, aber ich glaube, das meiste, was wir tun mussten, war jenseits von dem, was Apple zu tun versucht. Ich kenne iWork nicht. Das wichtigste ist für mich nicht, besser als iWork zu sein, sondern besser für die Millionen von Office-User zu werden und das haben wir erreicht.

Schließen Sie die Lücke zwischen der Funktionsvielfalt und dem was tatsächlich benützt wird?

Das Hauptziel war es, den Zugang zu den Funktionen, die man für den Job benötigt, leichter und effizienter zu machen. Ich sehe das nicht unbedingt als Lücke, aber sicher machen wir es jetzt leichter die Arbeit zu erledigen. Die Anwender werden mehr Funktionen auch tatsächlich benützen, weil sie sie leichter finden können.

Gibt es eine Vision wie sich User Interfaces in weiterer Zukunft entwickeln können?

Wir werden sicher weiterhin versuchen das Usererlebnis zu verbessern. Wir arbeiten jetzt mal daran Office 12 zu vollenden, da werden wir noch ein wenig Feintuning betreiben. Dann werden wir sicher von den Reaktionen der Konsumenten lernen.

Man muss sich fragen, ob es wirklich eine gute Idee wäre, einen revolutionär anderen Ansatz für User Interfaces zu suchen. Ich glaube es ist sinnvoller, das zu machen, was wir gemacht haben. Dadurch können User sich leichter umstellen und bekommen dennoch einen großen Fortschritt.

 

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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