Früher einmal, so vor vier, fünf Jahren, war die Bezeichnung IT-Spezialist (für was auch immer) gleichbedeutend mit ehrfüchtiger Anerkennung, astronomisch hohen Projektgehältern und sorgenfreiem Dasein bis an das erfüllte Ende. Zu Zeiten, zu denen noch kein Manager einen PC einschalten, geschweige denn sinnvoll nutzen konnte, waren die IT-Fachleute in den Firmen sozusagen die guten Engel mit der goldenen Nase. Sie konnten unverständlich komplexe Probleme lösen und wurden dafür - finanziell jedenfalls - auf Händen getragen.
Oh, wie haben sich die Zeiten geändert. Der Beruf sorgte für eine Schwemme an Begabten und weniger Begabten, und jeder, der eins dieser sündteuren SAP-Handbücher durchgelesen hatte oder eine Homepage mit ein paar Macromedia-Flashes aufwerten konnte, verdingte sich gleich als hochbezahlter Consulter - bis es den Firmen wie Schuppen von den Augen fiel und das Geld aus der letzten Kapitalerhöhung einfach nicht mehr ausreichte.
Heute stellt sich das Berufsbild so dar: Der Kollektivvertrag ergab heuer eine Erhöhung von mickrigen 2,66 Prozent der Ist-Gehälter für Software-Angestellte (etwa am Niveau der Beamten), mit den traumhaften Überzahlungen ist es vorbei. Die Normalität ist eingekehrt. Einzig, wer sich im Lauf seiner Programmiererkarriere speziell weiter gebildet hat - etwa im Bereich Medizin-, Biologie oder Maschinenbausoftware - kann noch eine Zugabe erwarten. Der Rest der Arbeit - Standardprogrammierung, Datenbankenwartung, Storage Management usw. - wandert sukzessive zu unseren osteuropäischen, indischen, russischen oder chinesischen Freunden ab. Die machen es nämlich genauso gut, nur viel billiger.
Ein Jammer für diese Branche, die die Wirtschaft neu erfinden wollte ("New Economy"), für eine Arbeitswelt ohne Betriebsräte und Regeln war, nur dem technisch-ökonomischen Fortschritt und der Börse verpflichtet. Sie holte die Old Economy mit so banalen Dingen wie Globalisierung, Lohndruck und Sparsamkeit schneller ein, als sie 0 oder 1 sagen konnte.



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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 