Erich Bonnert
Daran tüftelt der Wirtschaftinformatiker aus Österreich in Diensten von IBM schon seit mehreren Jahren - und jetzt hat er mit seinem Software-Entwicklerteam im kalifornischen San Jose eine Lösung parat.
Digital Rights Management für Inhalte, die per DVD oder anderen Speichermedien verteilt werden sollen, ist recht komplex. Die Hackerszene ist derart aggressiv, dass man alle paar Monate mit geknackten oder ausgespähten Verschlüsselungsverfahren rechnen muss. Für jedes kopiergeschützte Medienprodukt müssen Verschlüsselungscodes an eine Vielzahl von Geräteherstellern weitergegeben werden, damit Abspielgeräte entwickelt werden können.
Genau hier aber liegt ein hohes Risikopotential: Gibt es nur ein Sicherungsverfahren für alle Geräte und gerät dieses in die falschen Hände, so können illegale Geräte gebaut werden, die jeden Inhalt entschlüsseln. Würde der Medienhersteller daraufhin den Schlüssel ändern, wäre zwar das Leck gestopft, aber auch alle legal verkauften Geräte wertlos.
Das Ziel ist daher ein Verschlüsselungssystem mit zahlreichen Codier-Varianten, die alle die gleiche Funktion haben, jedoch einzeln unterscheidbar sind. Wird ein Schlüssel "verraten" - was der Medienhersteller in der Regel schnell durch auftauchende Raubkopien bemerkt - kann die Quelle genau ermittelt werden. Diese Schlüsselvariante wird dann ungültig gemacht und funktioniert bei allen nachfolgenden Medienveröffentlichungen nicht mehr. Der "Verräter" des Codes ist außerdem eindeutig identifiziert.
Nussers Team hat nun mathematische Verfahren entwickelt, mit denen ein Satz von Verschlüsselungscodes sowie ein Verteilungsalgorithmus zur Zuordnung auf die Empfänger erstellt werden. Rund zwei Jahre hat die Software-Truppe mit der Produktentwicklung verbracht, die auf mehrjährigen Basisentwicklungen Nussers und anderer Wissenschaftler beruht.
Eigentlich hatte Stefan Nusser nur zwei Jahre Forschungsaufenthalt bei IBM geplant, als er 1997 ins Almaden Lab kam. Dann aber ergab ein Projekt schon das nächste - und noch eine dringende Weiterführung. Schließlich wurde eine Festanstellung daraus, und dann übertrug IBM dem Österreicher die Leitung des Content Protection Competency Center in seinem Forschungszentrum Almaden.
Acht Jahre sind inzwischen seit Nussers Promotion im Bereich Management-Informationssysteme an der Wiener Universität für Betriebswirtschaft vergangen. Seither war der Informatiker in mehreren Positionen in IBMs Softwaregruppe in Boca Raton/Florida tätig und als Entwicklungsmanager und Software-Architekt für den Content Manager. Dazwischen lagen außerdem noch ein Buch über Internet-Sicherheit und zahlreiche Vorträge auf internationalen Forschungskongressen.
Automatische Übersetzung
Gar nicht weit von Almaden - bei Google in Mountain View - tüftelt ein weiterer Österreicher an ganz anderen Problemen. Schon bevor er als Researcher beim Such-Primus Google anheuerte, war Franz Och für seine Forschungen auf dem Gebiet der automatischen Übersetzung bekannt. An der RWTH Aachen hat er zu diesem Thema promoviert, danach forschte er an der University of Southern California in Los Angeles.
Sein Team in den Google Research Labs konstruierte nun eine Übersetzungsmaschine, die chinesische Texte ins Englische übersetzt - obwohl keiner der Forscher chinesisch spricht. Wie geht so etwas? Die Programmierung ist sicherlich komplex, das Grundprinzip jedoch sehr einfach, erklärt Och. Jede Sprache wird von System gleich behandelt, ohne dass Grammatik oder andere Strukturen programmiert werden. Der Google-Dolmetscher lernt ausschließlich von bereits in viele Sprachen übersetzten Texten.
Das Entscheidende ist der riesige Vorrat an vorhandenen, korrekten Übersetzungen: Google hat Dokumente der Vereinten Nationen herangezogen und lernt von den Texten alle bekannten Wörter, Sätze und Wortkombinationen. Grundlage sind die Theorien vom statistischen Lernen. Bei genügend großem Textvorrat bildet der Computer ein Sprachmodell, erläutert Och - und braucht eigentlich nicht die Sprachen selbst zu verstehen, sondern nur ihre Muster. Der Prototyp aus dem Labor jedenfalls meistert auch anspruchsvolle Sätze aus dem Arabischen ins Englische eindrucksvoll.



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 