Christian Henner-Fehr
"So spannend kann Technik sein." Das ist das Motto der Fachhochschule Technikum Wien, die ihren Sitz im 20. Wiener Gemeindebezirk hat. In den elf Jahren ihres Bestehens ist die Zahl der Studenten auf über 2.000 angewachsen und mit ihnen auch das Studienangebot. Dabei ist die FH die erste Fachhochschule Österreichs, die ihr Studienangebot zur Gänze in der neuen, europaweit einheitlichen Studienarchitektur Bachelor - Master - Doktor anbietet. In zehn Bachelor- und vierzehn aufbauenden Master-Studiengängen wird den Studierenden praxisrelevantes und zukunftsorientiertes Wissen vermittelt.
Wie spannend Technik sein kann, zeigen die modernst ausgerüsteten Laborräume. Da findet sich beispielsweise ein SIG Delta-Roboter, der vorführt, wie Verpackungen sich vollautomatisch schlichten und palettieren lassen. Oder ein Linearroboter für Spritzgussanlagen. Sie kommen hier als Übungsobjekt zum Einsatz und geben den Studenten die Möglichkeit, sich mit modernster Technologie zu beschäftigen.
Die findet sich auch im Cocktailroboter, der in der Lage ist, sechzehn verschiedene Getränke zu mixen. Siebzig bis hundert Getränke kann der von den Studenten programmierte Roboter ausschenken, der unter anderem bei der Eröffnung des Wiener Museumsquartiers zum Einsatz kam.
Ein weiteres Highlight ist das Fußballroboterteam der Fachhochschule. Die Vienna Cubes zählen seit Jahren zur internationalen Elite der Fußball-Roboter. Und dass das kein Sport ist, der im Hinterzimmer ausgetragen wird, beweisen die Zuschauerzahlen. Rund 200.000 Zuschauer verfolgten im japanischen Osaka die Spiele der insgesamt zwanzig Teams. Aus vier Spielern und einem "Tormann" bestehen die Mannschaften, die auf einer Spielfläche von 3,4 mal 4,9 Meter versuchen, einen Golfball ins gegnerische Tor zu befördern. Die Roboter, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind, agieren dabei völlig autonom. Eingreifen ist nicht erlaubt beziehungsweise gar nicht möglich, beträgt doch die "Reaktionszeit" beim Torschuss 25 Millisekunden.
Nachdem die Vienna Cubes dieses Jahr nur knapp im Viertelfinale ausgeschieden sind, investieren die Studenten viele Stunden in die Weiterentwicklung der Roboter. Schließlich wollen sie nächstes Jahr um den Titel mitspielen.
Viel Wert legt die FH auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen, schließlich profitieren beide Seiten davon. Ein Beispiel für die enge Kooperation ist das Forschungsprojekt STEACS (Systematic Test of Embedded Automotive Communication Systems), an dem die TU Wien und die Firma Decomsys GmbH beteiligt sind. Ziel des Projektes ist es, Test und Diagnosemöglichkeiten für die verteilten Kommunikationssysteme in Automobilen zu entwickeln, mit der Vision eines "Selbst-Testenden Autos". Die Automobilindustrie hat das Innovationspotenzial elektronischer Anwendungen längst erkannt und so verwundert es nicht, dass auch BMW und DaimlerChrysler als Kooperationspartner gewonnen werden konnten.
Die Zusammenarbeit von FH und Decomsys ist eine typische Win-win-Situation, denn rund ein Drittel der technischen Belegschaft kommt von der FH. Und auch von den Ergebnissen der Forschungszusammenarbeit profitiert das Unternehmen natürlich, denn das im Rahmen von STEACS entwickelte Diagnosegerät hat beste Chancen, sich am Markt durchzusetzen.
Europaweit einzigartig ist die Ausbildung Sports-Equipment-Technology, die an der FH Technikum angeboten wird. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und Produktion des optimalen Sportgerätes auf Hightech-Ebene und wissenschaftlichem Niveau. Für verschiedene Sportarten, wie etwa den alpinen Skilauf oder Nordic Walking, sind die Messergebnisse, die die Studenten in ihren Tests zusammentragen, äußerst wertvoll, zeigen sie doch den Einfluss des Sportgeräts auf den Sportler. So geht es in diesem Studium um Werkstoffe, Fertigungstechnik, aber auch um mechanische Berechnungen und messtechnisch unterstützte Bewegungsanalysen.
Mit einem Umsatz von rund 6 Milliarden Euro ist der Sportartikelmarkt auf Forschung und Innovation angewiesen. Hierbei können die Absolventen die Unternehmen unterstützen, indem sie später in der Konstruktion und der Materialentwicklung oder in den Prüf- und Entwicklungslabors ihr Know-how einbringen.
Da die FH Technikum Wien eine rein technische Fachhochschule ist, fällt ein Problem, das andere FH's haben, nicht allzu sehr ins Gewicht. Der Abschluss an Österreichs Fachhochschulen hat im Hinblick auf eine Beamtenkarriere nicht den gleichen Stellenwert wie ein Universitätsstudium. Als FH-Absolvent kann man derzeit nur einen B-Posten bekommen. Die Studenten an der FH Technikum kümmert das nicht so sehr, sie spekulieren auf einen Job im Hochtechnologiebereich. Mit Erfolg, wie man sieht.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 