Rüdiger Maier
"Im April diese Jahres gelang es uns, mit einem Business-Plan für drei Jahre eine Finanzierung von zwei Millionen Euro zu bekommen, um unsere Entwicklungs- und Expansionspläne realisieren zu können", erläutert Willmann. Seit 2003 wurde mit diesem Ziel ein ausgefeiltes Controlling-Konzept eingeführt, und es erfolgten Analysen zu Technik, Markt, rechtlicher Situation und Finanzbedarf. Dabei wurde klar, dass eine weitere Expansion nur aus den laufenden Einnahmen aus dem Dienstleistungsgeschäft nicht möglich war. "Wir erkannten, dass wir zur Entwicklung von Produkten und zu deren Vermarktung Venture Capital benötigen", analysiert Willmann.
Erste Runde: Zwei Millionen
Die von gcp verwalteten Fonds iLab24 Mittelstandsfinanzierungs AG sowie gamma II Beteiligungs-AG und der Gründerfonds aus der BA-CA Private Equity Gruppe beteiligten sich, gemeinsam mit dem AWS, dem KWF und einem Privatinvestor. Hannes Ambacher und Mario Orasche, Investment-Team gcp: " Das Fraunhofer IPA-Institut bestätigte uns in der Einschätzung, auf einen Rohdiamanten gestoßen zu sein, der natürlich noch geschliffen werden muss. Gleichzeitig haben wir die Vision, mit CenterPoint eine global bedeutende Rolle in einer zukunftsträchtigen Branche zu erlangen." Weltweit werde an keinem solchen Ansatz gearbeitet und es gäbe überhaupt nur zwei bis drei sonstige Entwickler in dem Umfeld, unterstreicht Willmann.
Fokussierte Entwicklung
CenterPoint, mit dem Sitz im Villacher Technologiepark und einer Niederlassung in Warschau, wurde zum Jahrtausendwechsel gegründet und entwickelt und verkauft Software für die fabriksweite Optimierung und Steuerung von automatisierten Produktionsprozessen. "Wir sind nun sechs Gesellschafter im Unternehmen und beschäftigen in Villach 25 Personen und in Warschau vier", erklärt Willmann. Mit dem frischen Geld wolle man nun das Software-Framework APC\Platform weiter entwickeln und am globalen Markt vertreiben. Dabei konzentriert man sich auf die Halbleiter-Industrie, Halbleiter-Zulieferer und allgemein auf Industriebereiche mit viel Automatisierung. "Wesentliche Teile der Software sind bereits seit zwei Jahren im Einsatz, seit einem Jahr läuft in der Stahlindustrie ein Pilotprojekt", lässt sich der Geschäftsführer in die Karten blicken.
Da das System mit seinen Data-Mining-Fähigkeiten auch lernen kann, soll es letztlich automatisch Fertigungsparameter korrigieren. Das Ziel ist die möglichst automatisierte Optimierung der einzelnen Produktionsschritte unter Berücksichtigung des Gesamtprozesses bis zur Endkontrolle. "Durch die laufende Analyse von Prozessdaten und dem eingegebenen Wissen der Prozess-Ingenieure ergibt sich ein lernendes System, das etwa auch Qualitätsprognosen für aktuell gefertigte Werkstücke erlaubt. Darauf aufbauend kann bereits im laufenden Prozess korrigierend eingegriffen werden. Vorausschauende Wartung von Produktionsanlagen ist ein weiterer Anwendungsfall. Das hilft Ausbeuten zu erhöhen, Produktionsmittel und Ressourcen zu sparen. Damit werden Kosten gesenkt und Umsätze gesteigert", so Willmann.
Verbesserte Daten-Auswertung
Bei der Prozesssteuerung fallen Terabytes an Daten an, die heute oft noch mit unzureichenden Mitteln sehr notdürftig ausgewertet werden. Auch die übliche statistische Prozess-Kontrolle betrachtet nur die Ergebnisse der einzelnen Produktionsschritte und nicht deren Wechselwirkung über den Gesamtprozess. Das Aufdecken von Mängelursachen dauert Tage bis Wochen bis tatsächlich die erforderlichen Korrekturen getroffen werden können. "Derzeit arbeiten wir hier intensiv an der Ergonomie des Eingabeprozesses. Nach der Eingabe verarbeitet das System durch mathematische Modelle und Entscheidungsregeln die Daten", erläutert Willmann. Das System kann sehr gut mit dem Kunden wachsen, wodurch es auch für Klein- und Mittelbetriebe geeignet ist.
"Der Kunde startet mit jenen Prozessbereichen oder Maschinen, die das größte Optimierungspotenzial darstellen. Nach der Erfolgskontrolle und dem Kennenlernen des Systems lassen sich nach und nach einfach Erweiterungen vornehmen." Die Software hilft also, viele Bereiche in der Produktion zu verbessern: sie ermöglicht das rechtzeitige Ausscheiden von fehlerhaften (Werk)Stücken, die Steigerung von Ausbeuten ("Yield Management"), die Verminderung von Ausschuss, raschere Rückschlüsse auf Ursachen in fehlerhaften Produktionsschritten sowie die Reduktion der Wartungskosten und weniger ungeplante Stillstände. "Der Nutzen unseres APC-Systems in einer Halbleiterfabrik (130nm Logik) beträgt etwa 1,0 Million Dollar pro Jahr. Dazu ist im allgemeinen mit einer Verbesserung der Ausbeute ("Yield") um ca. 10-20% zu rechnen", analysiert Willmann. "Mittelfristig streben wir einen erfolgreichen Markteintritt in den nordamerikanischen- sowie asiatischen Markt an und werden bis 2007 unseren Umsatz vervierfachen."
Die Produkte von CenterPoint
APC\Platform: Ermöglicht die Sammlung und Auswertung von Daten für "automated process control". Sie erleichtert auch Know-how Transfer und die Verlagerung von Produktionen. Mit Version 2.0 (angekündigt für Dezember 2005) wird die gesamte Plattform auf eine Service orientierte Architektur gebracht, was die Integration in bestehende IT-Umgebungen erheblich vereinfacht. Nun ist auch die zentrale Administration der System-Nutzung und sogar die Einbindung in bestehende Autorisierungs-Systeme möglich. Damit ist die Plattform für alle drei Stufen der Prozesskontrolle- und -optimierung geeignet (Anlage-, Einzelprozess- und Gesamtprozess-Ebene).
TestdataExplorer: Speziell für die Halbleiter-Industrie konzipiert, ermöglicht rasch die detailliertere Analyse von Wafertestdaten.
TestdataFocus: Sammelt Daten von verschiedenen Testsystemen und bringt diese in ein zentrales Data Warehouse. Vor allem auch für Unternehmen geeignet, die noch keine zentrale Datenbank haben.
PortA: Entwickelt für die Sammlung von Daten von Produktionsanlagen über standardisierte Web Services der Halbleiterindustrie. Erlaubt e-diagnostics, also die Diagnose von Anlagen auf der Basis von Internet-Technologien. Ist auch im Halbleiter-Bereich noch neu.
MobileCollector: Gedacht für die mobile Sammlung und Aufbereitung von Daten aus Barcode-Scannern und RFID-Systemen. Die gesammelten Daten lassen sich zur Prozesskontrolle oder Maschinenwartung nutzen. Die asynchrone Übertragung von den mobilen Geräten in die Datenbank gestattet den Einsatz auch in störungsanfälligen WLAN-Umgebungen.




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8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 