Wie sehen Sie rückblickend Ihren eigenen Werdegang, wollten Sie immer schon gerne in die IT-Branche?
Eigentlich nein, nach der AHS-Matura und einem HAK-Kolleg habe ich zunächst ein Jus-Studium begonnen. Und ich bin froh, erlebt zu haben, dass Jus einfach das Falsche für mich war. Mit 20 war ich offenbar noch nicht reif, die richtige Entscheidung zu treffen. Dafür habe ich es nachher umso besser gewusst: Ich wollte in einer Branche arbeiten, die sehr kommunikativ ist und wo sich immer viel bewegt. Zuerst war ich von der Börse fasziniert und konnte in der Börsekammer einen Job bekommen. Dann habe ich in eine PR-Agentur gewechselt und gleichzeitig den Lehrgang für Öffentlichkeitsarbeit an der Uni Wien absolviert. Gerade Ende der 90-er Jahre wurden viele gute PR-Jobs angeboten. So hatte ich Ende 1999 bei EMC das Glück, als PR-Managerin das Gelernte umsetzen zu dürfen.
War es für Sie schwierig, eigentlich mit wenig IT-Vorwissen die PR für ein IT-Unternehmen zu übernehmen, gab es da nicht Akzeptanzprobleme?
Rückblickend war der Einstieg sicher nicht ganz einfach, aber ich hatte ja schon in der PR-Agentur Kunden wie HP und Nortel Networks und da einiges gelernt. Zwei Jahre nach meinem Einstieg bei EMC habe ich zusätzlich zur PR auch die Marketing-Agenden übernommen, als Nachfolgerin von einem Mann. Das war schwierig, ich war die einzige Frau und noch dazu die Jüngste. In der ersten Zeit habe ich mich viel an den Männern orientiert und habe als Frau immer das Gefühl gehabt, meine "Schwäche" kompensieren zu müssen. Mit einem sehr guten Coach habe ich dann vieles gelernt, u.a. die weiblichen Stärken im Berufsleben einzusetzen. Ich muss sagen, das Coaching hat mir wirklich sehr geholfen.
Außerdem ist zu sagen, dass ich in der neuen Position auf einmal vielmehr Eigenverantwortung in punkto Budgetierung, Planung und Umsetzung bekam. Zuerst hatte ich "nur" Österreich, Ungarn und Tschechien, dann kam sukzessive im Laufe der Jahre immer mehr dazu. Heute bin ich für alle 35 Länder der Region EEMESA (Europe Middle East South Africa) verantwortlich, das ist ein schönes Stück Arbeit.
Wie geht es Ihnen dabei, wie sieht der Alltag aus?
Sicher stressiger als früher. Prinzipiell geht es darum, in allen Ländern alle Marketing- und PR-Aktivitäten zu koordinieren und für einen optimalen Ablauf zu sorgen. Gut, wir haben in den 10 Kernländern Niederlassungen, da halte ich mit den jeweiligen Country Managern und Agenturen engen Kontakt, und die Planung und Umsetzung der Aktivitäten erfolgt weitgehend vor Ort. Trotzdem ist insbesondere z.B. die Erstellung der Jahrespläne, die bis Ende November passiert, immer eine heiße Phase. Man darf auch nicht vergessen, dass wir in Europa zur Zeit den größten Wachstumsbereich haben, auch wenn EMC nach wie vor in den USA das Hauptgeschäft macht.
Sie sind jetzt doch schon sechs Jahre bei EMC, was reizt Sie an Ihrem Job besonders?
Ich brauche immer eine Herausforderung und bin immer begierig, Neues zu lernen. Dafür ist meine Tätigkeit ideal, allein auch durch die Unterschiedlichkeit der Länder, das macht den Job bunt. Die IT-Branche selbst ist dafür ideal, weil sich ständig viel verändert und vieles Neues entwickelt wird. Auch EMC hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, waren wir früher hauptsächlich für Großkunden im Speicherinfrastrukturgeschäft tätig - in Österreich z.B. für ORF, Erste Bank, mobilkom oder Flughafen Wien - so ist jetzt auch der mittelständische Bereich unsere Zielklientel. Und last but not least ändert sich auch der Marketing-Mix immer wieder, gerade für ein IT-Unternehmen.
Warum, glauben Sie, gehen nach wie vor so wenige Frauen in diese für Sie so spannende Branche?
Das stimmt zweifellos, wir haben auch bei unseren Bewerbungen zumeist nur einen sehr niedrigen Prozentsatz an Frauen. Ich glaube, viele Frauen trauen sich einfach nicht "drüber". Es gibt sicher auch Grundneigungen und traditionelle Berufe erscheinen vielen Frauen wahrscheinlich sicherer. Es gehört schon dazu, eine gewisse Hemmschwelle zu überwinden und sich die Frage zu stellen: Wo gibt es vielleicht Berufe, wo ich mich wohlfühlen kann? Gerade in männerlastigen Branchen halte ich es für wichtig, dass Frauen quasi einen "Ausgleich" schaffen, das tut der Branche insgesamt sehr gut.
Was würden Sie jungen Frauen raten oder als Tipp mit auf den Weg geben?
Wichtig ist - neben einer guten Ausbildung - sicher auch die Entschlossenheit, einen Job einmal anzustreben und dann diesen selbst zu gestalten und zu formen, auch wenn dafür einiges an Energie notwendig ist. Auch die Selbstinitiative gehört dazu und die Einstellung: Ich kann den Job immer mitentwickeln und mich in die gewünschte Richtung verändern.
Wie sehen Ihre eigenen Job-Veränderungsambitionen und Ziele aus?
Im Moment bin ich sehr zufrieden, wie gesagt, insbesondere die Vielfalt der Länder ist wirklich spannend. Dabei verändert sich auch der eigene Horizont stark, wenn man z.B. vor Ort ist in Russland, Israel oder wo auch immer. Ich sehe meine Tätigkeit klar als Pre-Sales, d.h. mit Marketing und PR unterstützen wir klarerweise den Vertrieb. Ein Erfolg des Vertriebs ist damit auch ein Erfolg für unsere Aktivitäten. Mein Ziel ist generell die optimale Koordination und Steuerung aller Länder.
Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbies und Entspannung?
Ja sicher, mein Freundeskreis ist mir sehr wichtig, und ich betreibe gerne Sport, vor allem Badminton, Wandern und Schwimmen. Ich lese sehr gerne und ich genieße es, in Perchtoldsdorf zu wohnen und z.B. nach dem Job-Alltag einen Spaziergang mit meinem Mann durch die Weinberge zu machen.





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8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 