Notebooks werden im Alltag nicht gerade sanft angefasst - entsprechend entwickeln die Hersteller immer mehr Schutzfunktionen, um die mobilen Rechner vor gröberen Schäden zu schützen. Auch Lenovo präsentiert nach der Übernahme der IBM PC-Sparte neue Ideen zum Schutz - Vorbild ist die Automobilbranche. Das Notebook muss zwar nach einem Unfall eventuell ausgetauscht werden, aber die eigentlich wertvolleren Daten können noch gerettet werden. Neue Schutzmaßnahmen integriert Lenovo in die Modellreihe Z, die neben den Crash-Schutz-Features erstmals ThinkPads mit Widescreendisplays bringt.
"Der durchschnittliche Anwender behandelt sein System in der ersten Woche, wenn es noch neu riecht sehr sorgsam - wie einen Neuwagen", sagt Matthew Kohut, Worldwide Competitive Analyst bei Lenovo. "Aber es dauert nicht lange und er behandelt es wie den letzten Dreck. Er packt es unsanft am Display, wenn er es aufhebt, schmeißt es im Vorbeigehen schnell auf den Tisch", erklärt er, während er das gesagte demonstrativ mit Laptops aus seinem Musterkoffer auch unsanft umsetzt. Umso wichtiger seien neben den großen Schutzmaßnahmen die kleinen Details im Notebookbau. Bei Hardware-Defekten stehen zerstörte Displays an erster Stelle. Deshalb bringe es bereits viel, den Display-Rand nicht wie bei den meisten Herstellern flach auszuführen sondern so, dass er im geschlossenen Zustand die untere Notebookhälfte umfasst und den Druck besser verteilen kann. "Nur deshalb traue ich mich auf unsere Geräte drauf zu steigen."
Festplatten sind mit ihren mechanischen Bauteilen für den mobilen Einsatz eigentlich nicht gerade geschaffen. Knallen ihre Schreib-/Leseköpfe durch Erschütterungen auf die Metallplatten, kann das die Platte (und die darauf gespeicherten Daten) zerstören. Um das zu verhindern hatte man noch zu IBM-Zeiten begonnen einen Bewegungssensor einzubauen, der die Festplattenköpfe jenseits der Scheiben parkt, sobald Erschütterung einen drohenden Fall ankündigt. Nach dem Fall werden die Köpfe wieder über die Platte bewegt und man kann weiterarbeiten. Das Prinzip wurde inzwischen auch von Apple, HP und Toshiba übernommen, wobei Toshiba das System auf drei Dimensionen gegenüber den üblichen zwei erweitert hat.
Magnesium als Gehäusematerial mit hoher Festigkeit bei geringem Gewicht ist inzwischen praktisch Standard. Aber auch für die Sicherheit der Komponenten im inneren tut sich ganz nach dem Vorbild Auto einiges: Toshiba setzt bereits seit einiger Zeit auf "Knautschzonen": Zwischen Gehäuse und Platinen ist Luft, damit Stöße nicht auf die empfindlichen Elektronikteile übertragen werden. Zusätzlich sind empfindliche Teile wie Display und Festplatte von Gummi-Protektoren eingefasst, die Erschütterungen absorbieren sollen. Lenovo setzt gleich auf den "Überrollbügel": Eine Magnesium-Platte legt sich im inneren schützend über alle Komponenten und soll die Druckeinwirkung auf diese um ein Drittel reduzieren.
Gegen Datenklau schützen Fingerprint-Reader, die das Eingeben des Passworts ersetzen. "Swipe"-Reader, bei denen der Finger über den Sensor gezogen wird, haben sich durchgesetzt. Dieses System soll nur mit "lebenden" Fingern funktionieren.
Zu den häufigen Pannen gehört auch das Verschütten von Getränken, entsprechend wird auch hier aufgerüstet. Flüssigkeit im Gerät führt schnell zu einem Kurzschluss und zu Datenverlust. Lenovo hat die Tastatur speziell abgedichtet und in eine Art Wanne gesetzt, die überschwappen ins restliche Gerät verhindern soll. Rund 100 ml verschütteter Flüssigkeit halten die aktuellen Lenovo und Toshiba-Modelle stand. In einer Live-Demo schluckte der ThinkPad sogar einen ganzen Wasserbecher. Das Trockenlegen geht einfacher als bisher, da zwei Drainage-Löcher an der Geräteunterseite die Flüssigkeit wieder abführen.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 