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Netz & Telekom

Interview mit Elke Stangl, Microsoft Österreich

Exzellente Physikerin mit hohen IT-Ambitionen

"Brücken schlagen zwischen der Technologie und den Menschen", das ist das erklärte Ziel von DI Dr. Elke Stangl, heute Senior Consultant für Security Projekte bei Microsoft Österreich. Schon im Gymnasium war der Linzerin klar, dass sie den naturwissenschaftlichen Weg einschlagen würde. Das Studium der technischen Physik absolvierte sie im Rekordtempo und promovierte sub auspiciis praesidentis. Heute sind Netzwerkinfrastruktur und Security ihr Metier. Ihr Lieblingsthema ist "Public Key Infrastructure", verriet die 36-Jährige Monitor-Autorin Christine Wahlmüller.

Wie war eigentlich ihr beruflicher Werdegang, von der technischen Physik an der Universität in die IT-Branche ist es ja doch ein Stück des Weges?

Nach meiner Dissertation im Bereich Lasertechnik und Supraleitung ging ich zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin ans Forschungszentrum Seibersdorf. Da ich mich aber auch immer mehr für EDV interessierte - damals sprach man noch nicht von IT - machte ich mich als EDV-Beraterin selbständig, arbeitete aber in dieser Tätigkeit u.a. auch weiter für das Forschungszentrum Seibersdorf. Dort bekam ich dann als Teamleiterin in der EDV die interessante Aufgabe, das Projekt Systemumstellung für das Forschungszentrum abzuwickeln. Dabei kam ich mit den Microsoft Leuten in Kontakt, da habe ich gemerkt, dass mich die Rolle des externen Beraters bei IT-Projekten reizen würde. Und so bin ich vor knapp vier Jahren bei Microsoft gelandet, wo ich als Consultant für Netzwerk-Infrastruktur und Security verantwortlich bin.

Wie sieht da Ihre Tätigkeit im Wesentlichen aus?

Sehr breit und abwechslungsreich. Es geht darum, den Kunden von der Planung bis hin zur Implementierung zu unterstützen. Mein Verständnis dabei ist, dass der Consultant nicht einer ist, der nur schöne Vorträge hält, sondern auch für die konkrete Projektumsetzung sorgt. Erstens bin ich viel bei und zu Kunden unterwegs. Außerdem kann es schon passieren, dass man auch mal am Wochenende mit dem Kunden gemeinsam im Serverraum "hockt". Die Herausforderung und der Spaß dabei für mich ist es, eine technische Lösung zu bauen und handwerklich mitzugestalten.

Können Sie Kunden nennen, für die Sie schon im Einsatz waren?

Viele wollen nicht genannt werden, da Security ein sehr sensibler Bereich ist. Aber wir haben schon für viele Kunden aller Größen und Branchen Lösungen erarbeitet. Einen Kunden kann ich beispielhaft nennen. Flextronics, mit über 90.000 Mitarbeitern weltweit das größte Unternehmen im Bereich Electronic Manufacturing Services (EMS), wo es um E-Mail-Verschlüsselung unter Nutzung von Microsoft Exchange 2003 ging.

Und wie fühlen Sie sich da als Frau, wo Sie in diesem doch sehr technischen Umfeld allein auf weiter Flur agieren?

Das stimmt sicher, gerade im Bereich Netzwerk-Security liegt der Frauenanteil bei ein bis zwei Prozent. Ich muss aber gestehen, ich persönlich habe als Frau nie Akzeptanzprobleme gehabt. Ich finde auch, es wäre ein wahnsinniger Stress, dauernd zu reflektieren, dass ich allein gegen 99 Männer dastehe. Ich positioniere mich einfach nicht als Frau, sondern es geht darum, die Ärmel hochzukrempeln und einfach gut im Job zu sein.

Für Sie ist das ja offenbar selbstverständlich, aber nach wie vor wählen sehr wenige Frauen eine naturwissenschaftliche/technische Ausbildung oder Berufslaufbahn, warum ändert sich da nichts?

Ich denke, der Einfluss ist im komplexen, sozialen Umfeld zu sehen. Mädchen werden von klein auf prinzipiell wenig dazu motiviert, neigen dazu eher vorsichtig zu sein und schrecken davor zurück, ein gewisses Risiko zu übernehmen. Mich überrascht aber trotzdem der nach wie vor geringe oder sogar rückläufige Frauenanteil, weil es ja inzwischen diverse Initiativen für Technik und IT gibt.

Generell betrachtet: IT und Frauen - wo liegen Ihrer Meinung nach die Chancen und Möglichkeiten heute?

Sicher in der absoluten Vielseitigkeit des Bereichs. Gerade im Projektgeschäft ist z.B. eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen und Verständnis für das Problem des Kunden unerlässlich. Man hat mit vielen Menschen zu tun, muss Prozesse planen und organisieren. Ich denke, das sind Dinge, die Frauen liegen. IT ist außerdem die Branche der Quereinsteiger, siehe meine Person. Wichtig ist aber sicher die Bereitschaft, sich schnell und strukturiert Wissen anzueignen, denn heute ist das technische Know-how sehr schnellen Wandlungszyklen ausgesetzt. Und das wird sich in Zukunft nicht ändern, sondern noch verstärken.

Stichwort Zukunft, wie sehen denn ihre kurzfristigen und langfristigen Ziele aus? Wo sehen Sie sich selbst in sagen wir ein bis zwei Jahren?

Ich weigere mich in Karrierekastln oder Positionen zu denken. Mir ist wichtig, beim Thema Security zu bleiben und gleichzeitig meine Arbeit mit der Wissenschaft zu verbinden. Ich habe begonnen, beim Club of Vienna www.clubofvienna.org mitzuarbeiten. Das ist ein Verein von Wissenschaftlern und Unternehmern, die sich aktiv mit allgemeinen gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Hier arbeite ich zum Thema "Gezähmter Kapitalismus" an einer Publikation mit, die Ende des Jahres erscheinen wird.

Und haben Sie bei all ihren Tätigkeiten überhaupt noch Zeit für Privatleben und Hobbies?

ich bin verheiratet, habe aber keine Kinder. Mein Mann hat genauso wie ich technische Physik studiert und ist in der IT-Branche tätig. Wir haben im nördlichen Burgenland unser Haus, das sehe ich als Ruhepol und Gegensatz zur Hightech-Welt. Wichtig ist mir auch noch meine private Website www.e-stangl.at, die für mich einen kreativen Ausgleich bedeutet.

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MONITOR-Autoren
Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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