Andreas Roesler-Schmidt
Im Navigationsdoppeltest tritt Tomtom, das den All-in-One Geräten zum Boom verholfen hat, mit seinem aktuellen Gerät Go 700 gegen Garmin, Pionier in Sachen GPS-Empfänger, mit seinem Streetpilot C320, an.
Beiden gemeinsam ist neben der ähnlichen Bauform, dass sie das Niveau von Einbaugeräten nicht erreichen können, auch wenn sich das Klischee, die preiswerten Alternativen würden dabei dasselbe leisten wie die teuren Festeinbauten hartnäckig hält. Das ist nach wie vor nicht so. Neben besseren Grundvoraussetzungen wie der Verknüpfung mit Tacho, Kompass, Gyrosensor und Radio sind die Bildschirme der Festeinbauten größer und die Systeme leistungsfähiger. Dafür sind beide den PDA-Systemen, die mit externen Empfängern und schwachen Lautsprechern fummelig sind, als Gesamtlösung überlegen.
Pragmatischer als beim Streetpilot geht es kaum: Es ist vermutlich das beste Gerät für technisch weniger Versierte, die dennoch zu einem Ziel kommen wollen. Nach dem Einschalten präsentiert sich der Touchscreen mit zwei Möglichkeiten: "Wohin?" und "Karte ansehen". Unter "Wohin" erscheinen dann große Symbole, um entweder eine Adresse auszuwählen oder einen Point of Interest zu suchen. Die Eingabe erfolgt äußerst einfach und schnell fährt man auf der ersten Route. Das Kartenmaterial überzeugt nicht durch Detailreichtum, die Art der Darstellung kann den amerikanischen Ursprung nicht leugnen. Auch Anweisungen wie "West bis ...gasse" stammen wohl aus den USA, wo jedes Auto einen Kompass im Dachfonds hat. Die Routen selbst sind manchmal etwas umständlich gewählt, weder Ortskundige noch professionellere Systeme würden so fahren. Das scheint aber für ein einfaches System durchaus akzeptabel. Die Zeit, die man dadurch verliert, machen Nicht-Techniker durch die einfache Bedienung wett.
Das Tomtom Topmodell ist da schon ein wenig komplexer, zumindest wenn man alle Features ausnützen will, aber auch nicht wirklich kompliziert in der Bedienung. Auch die Tomtom-Routen sind manchmal ein wenig seltsam und widersprechen den wesentlich vernünftigeren Strecken der Festeinbausysteme. Die Kartendarstellung ist am Tomtom wesentlich besser als bei Garmin, man spürt den europäischen Ursprung. Das Go 700 punktet vor allem auch mit seinen Extras: Über Bluetooth kann es mit dem Handy gekoppelt werden und wird so gleich zur Freisprecheinrichtung.
Gleichzeitig können über diese Verbindung die (kostenpflichtigen) Online-Services von Tomtom in Anspruch genommen werden, um Wetter und Verkehrsinformationen via GPRS-Handy ins Gerät zu laden. Das ist zwar grundsätzlich ein großes Plus gegenüber einfacheren Systemen, aber für den Konsumenten wäre ein eingebauter TMC-Empfänger, der diese Daten kostenlos bezieht, wesentlich sinnvoller. Wesentlich kleinere GPS-Empfänger mit integriertem TMC-Receiver zeigen, dass es sicher möglich wäre TMC in das handliche Tomtom einzubauen (und dass sich Tomtom hier lediglich nicht um sein Geschäftsmodell bringen lassen will).
Der Streetpilot überzeugt in seiner Schlichtheit für Wenignutzer und Technikmuffel, wer etwas mehr will, ist mit den erweiterten Möglichkeiten des Tomtom besser beraten. Für Viel-Navigierer reichen aber beide Systeme nicht an die Einbauvarianten heran.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 