Patrick Keller
Ursprünglich bedeutet "Best of breed" eine Auszeichnung bei einer Hundeshow, bei der jeweils der "beste" Hund einer Rasse ausgewählt wird. Bei Softwareprodukten hingegen bezeichnet man damit die Auswahl des besten Produktes für einen bestimmten Anwendungsfall. Im Gegensatz dazu stehen üblicherweise Produktsuiten, die eher als End-to-End-Lösungen eingesetzt werden und häufig in einzelnen Anforderungsklassen eingeschränkte Funktionen und Leistungsspektren bereitstellen. Dafür können die End-to-End-Lösungen - oder im Kontext entscheidungsunterstützender Systeme neudeutsch Performance-Management-Werkzeuge bezeichnet - gegebenenfalls weitere Anforderungen abdecken. Zudem gibt es Softwarelieferanten, die sich zwar als Suitenlieferant verstehen, aber für spezielle Aufgaben einzelne Lösungen aus ihrem Portfolio anbieten.
Unter dem Begriff Business Intelligence werden Methoden, Prozesse und Werkzeuge zur Steuerung von Unternehmen zusammengefasst. Eine schematische Architektur zeigt nebenstehende Abbildung. Die Benutzer der Systeme arbeiten vor allem mit den Werkzeugen der obersten Schicht, die BI-Applikationen oder BI-Frontends. Mit den darunter liegenden Schichten arbeiten vorwiegend Administratoren und Power-User, die das System pflegen und z.B. für die Datenversorgung zuständig sind.
Anforderungen im Softwareauswahlprojekt
Jedes größere Auswahlprojekt bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen strategischer Ausrichtung auf ausgewählte Lieferanten, Projektkosten und Produktfunktionen beziehungsweise Projektanforderungen an die zu wählende Software. Naturgemäß versucht jede am Projekt beteiligte Abteilung ihre Anforderungen mit einer möglichst hohen Gewichtung einzubringen und so eine Entscheidung nach ihren Vorstellungen herbeizuführen.
Strategievorgaben werden in größeren Unternehmen häufig von einer zentralen IT bestimmt, die versucht, mit wenigen Lieferanten zusammenzuarbeiten. Funktionale Anforderungen werden üblicherweise von den Anwendern vorgetragen und stehen damit nicht immer im Einklang mit den zentralen Vorgaben. Kostenbetrachtungen sind oft unabhängig von den jeweiligen Anforderungsgebern und können nur im Kontext vergleichbar gemacht werden.
Strategie
Strategische Vorgaben werden vorgenommen, um eine einheitliche IT-Umgebung zu erzielen und dadurch möglichst effizient und für den Konzern die kosten- und aufwandsärmste Lösung sicherzustellen. Dadurch sollen unternehmensweit potenziell folgende Vorteile entstehen:
- Gemeinsame Ressourcennutzung durch zentrale Wartung, Pflege und Betrieb der Serverkomponenten der Business-Intelligence-Systeme,
- bessere Verhandlungsposition bei Bündelung der Nachfrage auf einen Anbieter,
- Anwendungen, Daten und Ergebnisse können leichter projektübergreifend genutzt werden,
- Know-how-Aufbau bei der Arbeit mit wenigen Softwaretools, dadurch wird die Lernkurve in jedem Projekt kürzer,
- technische Veränderungen und die Pflege von Updates sind oft komplex oder teuer,
- üblicherweise weniger Schnittstellenprobleme, da die Werkzeuge besser aufeinander abgestimmt sein sollten,
- Konzentration auf wenige Implementierungspartner für die Projektdurchführung.
Funktionen
Für die Umsetzung von Projektanforderungen mit einer Best-of-Breed-Lösung sprechen vor allem funktionale Vorteile, die spezialisierte Lösungen gegenüber Suiten aufweisen. Zudem sind projektbezogen eingesetzte Lösungen häufig flexibler, und die Anpassung an neue Anforderungen kann ohne Absprache innerhalb der betroffenen Fachabteilung vorgenommen werden.
Häufig werden folgende, vor allem auf Basis der funktionalen Anforderungen basierende Vorteile genannt:
- Erreichen einer nahezu hundertprozentigen Abdeckung der Projektanforderungen,
- schnellere Umsetzung kleinerer Projekte, da kein Abstimmungsaufwand mit zentralen Abteilungen,
- keine organisatorischen Veränderungen,
- Inanspruchnahme zentraler Ressourcen gering.
Positionierung der Anbieter
Um eine sinnvolle Positionierung der Anbieter für BI vorzunehmen, bietet sich eine Trennung in Lieferanten von Infrastrukturlösungen (Backend, Datenmanagement) und Frontend-zentrierte Anbieter an. Dies auch vor dem Hintergrund, dass bislang nur sehr wenige BI-Hersteller ein wirklich vollständiges Portfolio anbieten können.
Bei Backend und Datenmanagement können sich durch die projektübergreifende Nutzung gemeinsamer Serverkomponenten deutliche Einsparpotentiale bieten. Ein recht vollständiges Produktsortiment mit Werkzeugen für die Datenintegration und Datenhaltung offerieren derzeit IBM, Oracle und SAS. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung trifft dies auch auf das SAP Business Information Warehouse zu, das erst durch die Nutzung einer Datenbank, etwa von IBM, Microsoft oder Oracle zu einer Data-Warehouse-Lösung wird. SAP und den anderen Branchengrößen fehlen im derzeitigen Entwicklungsstand noch ausgesuchte Komponenten, zum Beispiel für Datenqualitätsmanagement. Daher werden in aktuellen Projekten häufig ergänzende Lösungen von Spezialisten eingesetzt, die diese Lücken schließen und zusätzliche Funktionen mitbringen. Dazu zählen insbesondere Datenqualitäts- und Datenintegrationsspezialisten wie Ascential (jetzt IBM), Evoke, Human Inference, Fuzzy Informatik, Informatica, Group 1, Trillium, Uniserv oder Business Objects.
BI-Applikationen und Anwenderwerkzeuge
Im Bereich der Anwenderwerkzeuge positionieren sich aktuell weltweit mindestens 200 Anbieter für BI- und CPM-Lösungen. Davon wiederum sind mehr als 50 am deutschsprachigen Markt präsent. Aufgrund der Vielzahl an Lösungen können an dieser Stelle nur die bekanntesten Anbieter genannt werden.
Ein vollständiges Produktsortiment für Analyse, Planung, Konsolidierung und Reporting bieten aktuell die Anbieter Cognos, Hyperion, MIS, OutlookSoft, SAS, SAP und Oracle an. Eine Übersicht mit weiteren Spezialisten, die ihr Produktsortiment teilweise durch Partnerschaften und die Nutzung von fremder Software abrunden, ist unter www.barc.de erhältlich.
Handlungsempfehlungen
Um einen möglichst hohen Zielerreichungsgrad im Projekt zu erreichen, sollten im Vorfeld alle Anforderungen an die Software definiert und gewichtet werden. Die Gewichtung der Kriterien im Vorfeld hilft, eine Einflussnahme im Projekt auf die Entscheidung zu verringern, indem die Kriterien nicht mehr auf die vermeintlich "gewünschte" Software zurechtbogen werden können. Die Zieldefinition kann zudem bei der eigentlichen Entscheidung als Grundlage genutzt werden und zumindest teilweise helfen, politische Faktoren zu verringern. Nach der Ziel- und Kriteriendefinition sollte dann die Evaluation geeigneter Softwarelösungen durchgeführt werden. Selbst wenn in diesem letzten Prozessschritt vor der Entscheidung nur noch ein einziges Werkzeug untersucht wird, ist der Projekterfolg signifikant höher, als ohne Softwareevaluation, wie der OLAP Survey 2004 belegt.
Bei der Auswahl des richtigen BI-Lieferanten sollte ebenfalls wieder eine Unterscheidung nach Backend- und Frontend-Anbieter erfolgen. Aufgrund der Vergleichbarkeit und Reife der Software für Infrastrukturlösungen (Data Warehouse) kann hier ein einzelner Anbieter als strategischer Partner für zukünftige BI-Projekte bestimmt werden. Einzelne Lücken für spezielle Themen, wie Datenintegration oder -qualität, lassen sich bei Bedarf mit einem Spezialisten gut ergänzen.
Für die Anwender in den Fachabteilungen, die mit BI-Frontends arbeiten werden, kann ebenfalls versucht werden eine Ein-Anbieter-Strategie umzusetzen. Dies ist erfahrungsgemäß jedoch häufig mit Kompromissen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit, den Funktionsumfang und die Benutzerfreundlichkeit verbunden und führt erfahrungsgemäß zu unzufriedenen Anwendern. Ein gewichtiges Argument, da doch die Annahme und Nutzung des Systems durch die Anwender den Projekterfolgt determiniert. Insbesondere im SAP-Kundenkreis wird eine Werkzeugentscheidung letztlich durch die IT festgelegt, da die genannten strategischen Aspekte stärker gewichtet werden, als die Abdeckung der Projektanforderungen. Sobald die Anwenderseite an Einfluss gewinnt, setzt diese ihre Anforderungen durch - und erreicht damit meist höhere Zufriedenheitswerte.
Langfristig ist keine der Strategien, weder eine reine Best-of-Breed- noch eine reine Einanbieterstrategie nutzen- und letztlich kosteneffizient. Eine geeignete Business-Intelligence-Architektur enthält in der Regel zwischen zwei und drei gezielt ausgewählte und sich ergänzende Softwareprodukte, die im Idealfall von einem Generalanbieter bezogen werden können. Ein Beispiel wäre etwa ein SAP BW, eine geeignete Lösung für das Berichtswesen und gegebenenfalls eine Ergänzung als abgeleiteter Data Mart für Controlling und Vertrieb, falls Performance-Probleme die Anwender plagen. Diese Empfehlung trifft auf sämtliche BI-Architekturen zu, nur die Komponenten werden anders ausgewählt. Eine Reduktion auf zwei bis drei Anbieter wäre für eine Vielzahl, insbesondere großer Unternehmen, ein Quantensprung.
Business-Intelligence-Werkzeuge für Reporting und Analyse im Vergleich
Überzeugen Sie sich selbst von der Leistungsfähigkeit der Softwareanbieter für Business Intelligence. Besuchen Sie am 15. und 16. November in Würzburg/Deutschland, die BARC-Tagung Business Intelligence und überzeugen Sie sich selbst von der Leistungsfähigkeit der Hersteller. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.barc.de.




7/2011
6/2011
5/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 