Erich Bonnert
Garant dieses Wachstumsschubes soll eine neue Prozessorgeneration werden. Wichtigste Eigenschaft der Zukunfts-Chips ist ihr sparsamer Umgang mit Energie. Diese bisher noch namenlose, neue Mikroarchitektur wurde in Intels Forschungslabor im israelischen Haifa ausgetüftelt. Sie wird das bisherige Flaggschiff Pentium 4 ablösen und bildet künftig den den Kern aller X86-Prozessoren für Mobil-, Desktop- und Server-Rechner. Die jetzt vorgestellten Prozessoren laufen erstmals gegen Ende 2006 vom Band. Vom Notebook bis zum Hochleitungsserver setzt Intel bei allen Modellen Dualkern-Prozessoren ein: zwei CPUs arbeiten dabei parallel im gleichen Chip.
Unter fünf Watt Stromaufnahme für Notebook-CPUs stellte Otellini in Aussicht. Trotz des vergleichsweise genügsamen Antriebs peilt Intel zunächst ein um 30 Prozent verbessertes Verhältnis von Leistung per Watt an. "In einigen Jahren werden wir diesen Faktor noch mal um das Zehnfache steigern," versprach Otellini. Die Stromaufnahme solle dann bei ultraleichten Mobilcomputern auf rund 0,5 Watt fallen. Server-Anwender hingegen könnten sich bei gleichbleibendem Verbrauch auf die zehnfache Leistung freuen. Auf Nachfrage stellte Otellini dann klar, dass mit diesen Zukunftsprodukten erst im Jahr 2009 zu rechnen sei. Für 2007 plant Intel aber schon einen Vierkern-Prozessor für Server mit dem Codenamen Whitefield, der derzeit im indischen Bangalore entsteht. Ingesamt hat der Konzern zehn Chips mit vier CPU-Kernen auf dem Reißbrett.
Gigahertz für Handys
Während die Ära des "Gigahertz-Dopings" im PC-Sektor also vorüber zu sein scheint, hat der Leistungswettlauf bei Mobilfunkgeräten gerade erst begonnen. Handys und Kleinrechner - wie Palm- und Pocket-PC-Modelle - ziehen immer mehr rechenintensive Anwendungen auf sich, insbesondere Foto- und Videobearbeitung. Nach Jahren des eher bescheidenen Erfolgs meldet Intel nun lautstark Ansprüche im Handy-Segment an. Trotz seiner leistungsfähigen Prozessorfamilie Xscale hat der erfolgsverwöhnte PC-Primus in diesem Markt überwiegend Ladenhüter vorzuweisen. Gegen etablierte Anbieter wie ARM, Mips und Texas Instruments hat sich Intels Communications Group hier enorm schwer getan. Deren ehrgeiziger Vizepräsident Sean Maloney hält nun aber den Durchbruch für gekommen. Er führte die auf den Namen "Monahans" getaufte neue Version des Xscale-Prozessors mit einer Taktgeschwindigkeit von 1,25 Gigahertz vor. Sie ist genau doppelt so schnell wie das gegenwärtige Xscale-Modell der PXA27x-Reihe ("Bulverde"). Bei der Demonstration empfing der Chip ein hochauflösendes Live-TV-Programm, das dekodiert und mit 25 Frames pro Sekunde auf einem Handheld-Schirm dargestellt wurde. Nach Maloneys Worten handelte es sich um die weltweit erste Ausstrahlung per DVB-H auf dem L-Band.
Maloney betonte, dass der neue Xscale trotz höherer Leistung weniger Strom verbrauche als sein Vorgänger: Um 25 Prozent steige die in MIPS (Millionen Instruktionen pro Sekunde) gemessene Leistung gegenüber Bulverde. Im Vergleich zum noch älteren Modell PXA250 weist Monahans sogar die vierfache Leistung auf - dabei benötige er gerade noch 600 Milliwatt. Für die nächsten Jahre versprach Maloney gar eine Leistungssteigerung um das Fünffache. Der Energieverbrauch soll sich dabei im Vergleich zu Vorgängermodellen noch verringern. Gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Matsushita Batteries bastelt Intel ab sofort auch an neuen Lithium-Ionen-Akkus für Notebooks. Durch neue Materialverbindungen mit Nickel soll die Kapazität um 30 bis 50 Prozent steigen. Mit diesen Batterien und den Stromsparmechanismen der CPUs sollen Mobilrechner ab dem Jahr 2008 acht Stunden im Dauerbetrieb durchhalten.
Attacke auf Unterhaltungselektronik
Größte Hoffnungen setzt Intel auf das Geschäft mit Heimnutzern. Eine zentrale Rolle beim Vorstoß in die Wohnzimmer spielt dabei das neue Markenzeichen "Viiv" (gesprochen: Waif) ein. Ähnlich wie zuvor etwa bei dem Centrino soll es als Qualitätsmerkmal fungieren und dem Anwender im Rahmen der digitalen Wohnzimmerwelt die Verträglichkeit mit einer Reihe von Standards der Unterhaltungselektronik signalisieren. Laut Manager Don McDonald werden Viiv-Plattformen mit ihren Doppelkern-Prozessoren die notwendige Rechenleistung bereitstellen, um beispielsweise einen hochauflösenden Spielfilm anzuzeigen und gleichzeitig ein zweites Videoprogramm auf einer Festplatte aufzuzeichnen. Zweites Element ist ein neuer Bildschirm-Controller für Flachfernseher.
Bereits im April hat Intel für 100 Millionen US-Dollar die israelische Firma Oplus übernommen, die auf die Steuerung von großen, hochauflösenden Bildschirmen spezialisiert ist. Jetzt präsentierte Don McDonald, Chef von Intels Digital-Home-Gruppe, den neuen Mediaprozessor Oplus MN301, dessen Media Perfecting Engine die Bildschärfe und Farbreproduktion von HDTV-Schirmen drastisch verbessern soll. Diese und weitere Komponenten sollen mit der neuen Dualcore- Prozessorarchitektur kombiniert und zu kompletten systemintegrierten Produkten ausgebaut werden. Genauere Zielvorstellungen nannte Intel zwar nicht, doch die Kampfansage an die Hersteller von System-on-Chip-Komponenten war nicht zu überhören. McDonald räumte ein, dass Intel bisher in der Unterhaltungselektronik keine nennenswerte Rolle spiele. Er betonte jedoch, dass Intel-Prozessoren in digitalen Set-Top-Boxen und Videorecordern Fuß gefasst. Heimelektronikhersteller Thomson etwa zeigte in San Francisco einen integrierten Set-Top-Dekoder mit Festplattenrekorder mit Intels Dualcore-Chip. Auch die Oplus-Chips haben den Vorzug, dass die Israelis vor der Akquisition durch Intel bereits führende Hersteller der Unterhaltungselektronik belieferten.
Wurmabwehr und Funkvielfalt
Wie gewohnt, gewährte Intel zum Abschluss des Forums einige kurze Einblicke in die weltweiten Forschungslabors des Konzerns. Mit Hilfe des WLAN-Funkprotokolls hat Intel beispielsweise ein Lokalisierungskonzept für Wifi-Clients ausgeknobelt - gleichsam eine Art GPS für drinnen. Dazu wurde das Protokoll um präzise Zeitmarken beim Ein- und Ausgang von Signalen erweitert. Da die Signalgeschwindigkeit bekannt ist, lassen sich nun Entfernungen zwischen Zugangspunkten und den angeschlossenen Geräten im Funknetz punktgenau ermitteln. Dies hilft nicht nur, unerwünschte Nachbarn aus dem heimischen Wifi-Netz fern zu halten. Vielmehr könnten etwa Krankenhäuser und andere Betriebe, die mit mobilen Geräten und Instrumenten arbeiten, stets den Überblick über ihr Inventar behalten.
Als Abwehrmittel gegen Computerschädlinge wie den Zotob-Wurm haben Intel-Tüftler eine Art Hardware-Quarantäne-Modul gebaut. Dabei werden eindringende Programme nicht mehr nach vorgegebenen Code-Mustern durchsucht, sondern der Chip analysiert das Netzwerkverhalten der aktiven Software. Zeigen sich anormale Aktivitäten - wie etwa vermehrtes Öffnen von Netzwerk-Ports oder ein drastischer Anstieg von verschickten Paketen - wird der Rechner sofort von der restlichen Netzumgebung abgeklemmt und zur weiteren Untersuchung isoliert.
Daneben zeigte Alan Crouch, Leiter der Communication Technology Labs, den Prototyp eines Drahtlostelefons, das in vier verschiedenen Funknetzen gleichzeitig kommunizieren kann. In dem Gerät sind Transceiver-Module fur WLAN-, Bluetooth-, GPS- und WCDMA-Netze integriert. Durch höhere Integration der Radio-Funktionen könnte es künftig nicht nur kleiner werden, sondern auch noch dem Langstrecken-Breitbandfunk Wimax Platz bieten, erklärte Crouch. Auch einen winzigen Videoplayer mit Xscale-Antrieb zeigte der Forschungs-Manager. Der Prototyp mit 512 MByte Flash-Speicher soll kein reines Abspielgerät für gespeicherte Dateien werden, sondern auch Videos vom PC aus einem Netz zu ziehen. Dazu sollen Funkverbindungen wie etwa Wireless USB integriert werden.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 