Alexander Hackl
Peter Neubauer strahlte bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse im August übers ganze Gesicht. "Die Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr haben unsere Erwartungen noch übertroffen, freute sich der Vorsitzende der Europay Austria-Geschäftsführung. Bei der Kreditkarte Mastercard gab es ein Umsatzplus von 9 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro. Die Zahl der Transaktionen stieg ebenfalls um 9 Prozent. Die Maestro-Bankomatkarte verzeichnete ein 13-prozentiges Umsatzplus auf 5,2 Milliarden Euro. Auch hier stiegen die Transaktionszahlen im nahezu gleichen Ausmaß.
Die größten Zuwächse verzeichnete das Problemkind Quick. Die auf sieben Millionen Karten integrierte elektronische Geldbörse scheint mit einem 18-prozentigen Umsatzplus auf 66 Millionen Euro bei einem Transaktions-Plus von 14 Prozent nun doch langsam als Zahlungsalternative für Kleinstbeträge angenommen zu werden. Die Anzahl der Automaten mit Quick-Zahlungsmodul stieg um 20 Prozent. Zudem wird Siemens Österreich in seinen Niederlassungen bis Jahresende mit einer Quick-Umrüstung (Kantinen, Snackautomaten, usw.) allen 6.000 Mitarbeitern einen bargeldlosen Arbeitsalltag ermöglichen.
Meine erste Million
Mit der Mastercard, dem österreichischen Marktführer bei Kreditkarten, kratzt Europay an der Millionengrenze. Neubauer: "Derzeit gibt es 982.000 Karten. Mit einer Werbekampagne könnten wir die Million noch heuer schaffen." An einen Absatz-Einbruch in Folge des im Juni aufgeflogenen Diebstahls von insgesamt 40 Millionen Kreditkarten-Daten bei einem US-amerikanischen Zahlungsverkehr-Dienstleister glaubt Neubauer nicht. "Vom Schaden her war das ein Null-Event. Es gibt keine Geschädigten. In Österreich waren überhaupt nur drei Mastercard-Kunden potenziell betroffen", so Neubauer. Auch Europay Austria-Geschäftsführer Ewald Judt beruhigte: "Selbst wenn ein Schaden entstanden wäre, hätten den nicht unsere Kunden tragen müssen."
Wachstumsmarkt Prepaid-Karten
Der im Juni gestarteten, neuen Prepaid-Card auf Maestro-Basis "Maestro Traveller" traut man bei Europay ein großes Wachstumspotential zu. Die international einsetzbare, PIN-geschützte Karte kann zwischen 100 und 2.500 Euro vorgeladen werden und ist nicht an ein Girokonto gebunden. Im Gegensatz zu Quick befindet sich das Geld physisch nicht auf der Karte, sondern geschützt auf einem Server. Auch eine Fern-Wiederbeladung ist möglich. Für die Karte selbst muss man nicht zahlen, sehr wohl aber für die Transaktionen. Eine Bargeldbehebung kostet drei Euro, eine Zahlung 50 Cent. Fürs Aufladen muss man ein Prozent der Ladesumme berappen. Einige Banken haben Maestro-Traveller schon in ihre Vertriebsaktivitäten aufgenommen.
Neubauer: "Prepaid-Produkte sind ein Marktsegment, das in Zukunft sehr bedeutend werden wird." Mit der Western Union International Bank bereitet Europay Austria gerade ein Prepaid-Projekt vor, für Mastercard-Europe soll bis Jahresende eine Prepaid-Geschenkkarte umgesetzt werden. Auch mit Austrian Airlines laufen derzeit Gespräche über ein gemeinsames Prepaid-Projekt.
Neue Chip-Plattform ab 2007
In Kooperation mit Austria Card will Europay Austria bis 2007 auch eine zweite Chip-Plattform mit Infineon-Chips realisieren. Neben Herstellerunabhängigkeit (derzeit nur Philips) und sicherheitstechnischen Verbesserungen soll dieser Schritt auch neueste internationale Standards wie die Kontaktlos-Technologie ermöglichen. Neubauer: "Austria Card ist das Chipkarten-Kompetenzzentrum in Mitteleuropa und in puncto Innovation sind wir Weltmarktführer. Zum Beispiel gibt es die Funktionalität der digitalen Signatur auf Maestro und Mastercard flächendeckend nur in Österreich." Die "elektronische Unterschrift" kann für eine Reihe von Online-Diensten (Banken, Behörden, usw.) als Identifikation genutzt werden. Die Funktion muss lediglich bei einer Registrierungsstelle aktiviert werden. Der Umtausch von alten in neue, signaturfähige Karten ist kostenlos.
Im Hinblick auf die zukünftige Geschäftsentwicklung ist man bei Europay Austria optimistisch. Geschäftsführer Judt: "Wir glauben, im Konkurrenzkampf mit dem Bargeld am Point of Sale im ersten Halbjahr wieder einen Prozentpunkt gewonnen zu haben, und nähern uns der 20-Prozent-Marke. Die Entwicklung geht in Richtung Less-Cash-Society." Für das 2. Halbjahr werden jedenfalls ähnliche Zuwächse erwartet. Tu felix Europay Austria!



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 