Andreas Roesler-Schmidt
"BlackBerry" ist ein Lieblingswort bei Mobilfunkprovidern, verspricht es doch Pauschal-Verträge in großen Stückzahlen - unabhängig davon, ob das "Push"-Prinzip, zu dessen Synonym BlackBerry geworden ist, Sinn macht oder nicht.
Vielen Unternehmen gefällt die Idee, ihren Mitarbeitern Mails aufs Gerät zu drücken, egal wo sie sich befinden. E-Mails werden im Push-Verfahren nicht mehr gelegentlich abgerufen, sondern gleich wenn sie am Firmenserver (Microsoft Exchange, Lotus Notes) eintreffen, von einer am Server installierten Software an die Geräte übermittelt. Dadurch treffen die Nachrichten unterwegs genauso laufend ein wie man es vom Desktop-PC gewohnt ist. So können Unternehmen ihre Mitarbeiter auch unterwegs an der E-Mail-Leine halten und keine Minute bleibt ungenutzt.
Inzwischen haben eine ganze Reihe von Handy-Herstellern die BlackBerry-Software lizenziert, so dass die Funktion auch in anderen Geräten verfügbar ist - zur Freude vieler Anwender, da die Geräte vom BlackBerry-Erfinder RIM zwar hervorragend für E-Mail geeignet sind, aber in allen anderen Aufgaben mit anderen Geräten nicht mithalten können. Die meisten Handys sind besser zum Telefonieren geeignet, die Kalender-Funktionen kann sich mit richtigen PDAs nicht messen.
Siemens SK65 kommt standardmäßig mit BlackBerry-Software und ermöglicht das Tippen der Mails dank Schmetterlingstastatur. T-Mobile bietet für seine MDA II und III ein kostenloses Software-Update zum Download, das die Smartphones mit der Funktion nachrüstet. Sony Ericssons P910 kann mit BlackBerry Connect ebenfalls aufgerüstet werden. Auch Nokias Communicator sowie Handhelds mit Palm OS sollen so in Kürze BlackBerry-tauglich werden.
Neben den Hardware-Alternativen, die immer noch über das BlackBerry-System zu den Mails kommen, bieten auch eine Reihe von Software-Herstellern alternative Push-Lösungen für Unternehmen an - ein Blick darauf ist durchaus lohnend, denn einige Hersteller bieten mehr als BlackBerry selbst. So unterstützen einige unterschiedlichste Verbindungsarten, Endgeräte und Verschlüsselungen. Ein Vorteil ist auch die Providerunabhängigkeit.
Microsoft hat auf den BlackBerry-Hype reagiert und eine direkte Unterstützung für Push-Mail für das SP2 für den Exchange Server angekündigt, das in der zweiten Jahreshälfte erscheinen soll und ohne weitere Middleware wie BlackBerry E-Mails an die mobilen Endgeräte übermitteln kann. Novell setzt bei GroupWise in der aktuellen Version 7 einstweilen auf die Verbindung zum BlackBerry-Server.
Push-Mail ohne Blackberry
Extended Systems bietet als Teil seiner OneBridge Plattform, die mobile Anwendungen mit der Unternehmens-IT integriert, OneBridge Groupware an. Die Lösung unterstützt zahlreiche Endgeräte (Palm OS, Pocket PC, Windows Smartphone, Symbian) und anders als das GPRS-gestützte Blackberry-System auch eine Vielzahl von Verbindungsarten (GPRS, UMTS, W-LAN, Bluetooth und sogar Infrarot und Kabel), um E-Mail und Kalenderdaten zu übertragen.
OneBridge beherrscht die automatische Übermittlung in mehreren Arten: Neben Push, bei dem Mails ohne Verzögerung aufs mobile Gerät geliefert werden, beherrscht das System auch Polling, bei dem die Daten nur in vorgegebenen Zeitabständen synchronisiert werden. Die Übertragung der Mails kann auf bestimmte Absender oder Gruppen eingeschränkt werden, so dass erst wichtige Mails die Übermittlung auslösen (dann aber praktischer Weise gleich alle Mails übermittelt werden). Die Idee dahinter ist schlicht, dass nicht jedes Spam-Mail Kosten verursachen soll. In Abhängigkeit vom Ladezustand des Endgeräts kann automatisch vom Push- in den energiesparenderen Polling-Modus gewechselt werden. Im Notfall wird sogar ganz auf manuelle Synchronisation heruntergefahren, damit man nicht aufgrund der ständigen Datenübertragungen plötzlich ohne Strom dasteht.
Auch Sybase Pylon Anywhere unterstützt neben Push das regelmäßige Abrufen von Mails und Kalenderdaten aus Notes- und Exchange-Servern. Einen großen Vorteil sieht man in der Sicherheit des Produkts: Mails laufen nicht wie bei BlackBerry (meist unverschlüsselt) über einen Server in England, sondern sind providerunabhängig und nach den Standards 3DES und SSL verschlüsselt.
Als Server unterstützt Good Technologys Goodlink nur Microsoft Exchange. Als Endgerät können über GPRS oder WLAN verbundene Palms und Pocket PCs eingesetzt werden. Der Fokus der Lösung liegt in der Sicherheit. Neben entsprechender Verschlüsselung steht daher auch das einfache "over the air" Management der Geräte für die IT-Abteilung im Vordergrund. Unternehmen, deren Kommunikation auf Novells GroupWise basiert, finden mit NotifyLink eine der wenigen Push-Lösungen, die neben BlackBerry ihren Server unterstützt. Ausschließlich für Besitzer von HPs iPaq h6340 bietet "Pocket X-Press" Push E-Mail. Dabei muss keine Server-Software installiert werden, da ein Server der Firma Dialogs gegen eine Monatsgebühr (ca. 10 Euro) die Mails aus einem vorhandenen Account abruft und an den Pocket PC weiterleitet.
Inmitten des Push-Hypes sollte man aber als erstes prüfen, ob Push im individuellen Einsatz wirklich Sinn macht. Je nach Nutzung kann es durchaus preiswerter sein, bei einem entsprechenden Datenpaket (das man ja für andere Anwendungen eventuell ohnehin nützt), E-Mails klassisch "Pull" abzurufen - nämlich nur dann, wenn man sie auch lesen kann oder will. Der Mehrwert der eintrudelnden Push-Mails verschwindet schnell, wenn man ohnehin nicht lesen kann, weil man etwa Auto fährt. Will man dann in einem Einzelfall doch einmal das automatische Eintreffen der Mails, weil man auf etwas Dringendes wartet, kann man den E-Mail-Client jedes besseren Endgeräts auf regelmäßiges automatisches Mail-Abrufen konfigurieren. Letztendlich macht BlackBerry nichts anderes. Denn die Echtzeit ist keine: Auch die RIM-Server in England leiten die Mails bloß in (recht eng gefassten) Zeitabständen an die Endgeräte weiter.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 