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Thema: Internet für KMU

Internet für KMU

Höhere Bandbreiten billiger zu haben

2004 haben wir an dieser Stelle (Monitor 09/2004) bereits über den ADSL-Boom im KMU-Bereich berichtet. Ein Jahr später sieht es kaum anders aus: ADSL und Breitband-Internet sind gefragt wie nie zuvor. Von den 84 % aller österreichischen Unternehmen, die Internet nutzen, haben mehr als die Hälfte Breitband-Internet in irgendeiner Form (Standleitung, ADSL, Kabel). Die Anbieter reagieren auf den immer mehr gesättigten Markt mit einer Vielzahl komplexer "Bündelprodukte". Minus: schwer durchschaubare Angebote. Plus: die Preise sind gefallen.

Christine Wahlmüller

35 Prozent der Unternehmen mit Internetzugang nutzen ADSL (2004: 26 Prozent) - das ist der stärkste Zuwachs bei den Internetzugängen, wiewohl auch Standleitungen (zur Zeit von 8 Prozent genutzt) ein schönes Plus von zwei Prozentpunkten verzeichnen konnten. Die Nutzung von Kabelmodem beziehungsweise TV-Kabel ist hingegen gleich geblieben. (Alle Daten laut Integral Marktforschung, AIM Business, April 2005.) Jedenfalls nutzen in Summe somit 53 % aller österreichischen Unternehmen mit Internetzugang die Breitbandtechnologie. Und die Tendenz zeigt weiter stark nach oben.

Ab einer Größe von 20 Mitarbeitern herrscht bei Österreichs Unternehmen (gesamt 301.000) quasi "Vollabdeckung" in punkto Internet-Versorgung. Nur bei der Gruppe der Kleinstunternehmen (1 und 2-4 Mitarbeiter) ist noch ein kleiner Marktanteil "unbeackert". Hier ist aber auch nur noch ein Fünftel ohne Internetzugang. Der Markt ist daher ein Verdrängungsmarkt geworden, der im Moment von einigen großen und doch noch vielen kleineren, vor allem lokal aktiven Providern umkämpft wird. Fest steht, dass die Zeiten für normales Modem und ISDN-Internetzugang bald endgültig vorbei sein werden, beide Formen des Internetzugangs nehmen rasant ab. Besonders starken Rückgang verzeichnet das herkömmliche Einwahlmodem, es wird nur noch von 13 Prozent der Unternehmen genutzt (2004 noch 21 Prozent!).

Website und Online-Shopping

Zuwächse gibt es hingegen bei den sogenannten sekundären, aufbauenden Internetservices wie Website und E-Commerce. Fast jedes zweite Unternehmen - genau sind es 135.000 - hat bereits eine eigene Webpräsenz. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Kleiner Schönheitsfehler dabei: Der Neuigkeitswert der Websites lässt stark zu wünschen übrig. Laut Austrian Internet Monitor (AIM) aktualisiert nur mehr jedes dritte Unternehmen den Internetauftritt monatlich, vor einem Jahr waren es immerhin noch fast 45 Prozent. Gleichzeitig soll die Website immer weniger kosten, hier sparen die Unternehmen: schlechte Zeiten also für professionelle Webagenturen und Webdesigner.

Was Online-Shopping betrifft, so ist das Interesse grundsätzlich hoch. Die Hälfte der Unternehmen mit Internet-Zugang findet den besseren Überblick über Lieferanten grundsätzlich interessant. Wenn es um aktives Einkaufen geht, reduziert sich die Zahl allerdings. "Jedes dritte Unternehmen hat im ersten Quartal 2005 über das Internet eingekauft", weiß Betram Barth, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Integral, zu berichten. Die durchschnittlichen Jahresausgaben für Online-Shopping belaufen sich pro Unternehmen nur bei mageren 4.700 Euro. Noch geringer sieht das Interesse und die Aktivität aus, wenn es um das Anbieten und Verkaufen eigener Produkte und Dienstleistungen geht. "Lediglich 23.000 Unternehmen - das sind 7 % - haben sich dem E-Commerce verschrieben", erläutert Barth. Die Komplexität der Materie sowie finanzielles Risiko lässt viele Unternehmen zurückschrecken, traditionelle Versandhäuser wie Universal Versand, Otto, Yves Rocher, um nur einige zu nennen, haben die Nase beim E-Commerce vorn, sie verfügen zudem auch schon über eine langjährige Erfahrung in punkto Verrechnung und Logistik.

Marktsitutation anno 2005

Zurück zum Basisprodukt Internetzugang: Welche Anbieter gibt es mit welchem Marktanteil?

Die Marktverdichtung hat stattgefunden: Aus nextra/Tiscali/Eunet wurde die neue Eunet, die auch ATnet "geschluckt" hat. Comquest wurde von eTel übernommen, und der größte Deal: Tele2 hat sich UTA einverleibt. Anno 2005 bestimmen die Telekom Austria, Tele2UTA, Inode, Eunet und eTel die Providerszene, allerdings verlagert sich das (immer mehr standardisierte) Angebot von Tele2UTA immer mehr in Richtung Privatkunden- und KMU-Markt, worüber die anderen Betreiber nicht unglücklich sein dürften. Zusätzlich sind noch die Kabelbetreiber (wie Priority) sowie kleinere oder lokal agierende Provider (wie z.B. Silverserver, yc:netwoks, Hostprofis, Net4you, Happynet oder Liwest) zu nennen, die durchaus ihre zufriedene Klientel betreuen und vor allem bedingt durch die lokale Nähe und oftmalige persönliche Kenntnis der Kundschaft einen unschätzbaren Vorteil gegenüber den großen Anbietern in der Hand haben.

Was die Kundenzahlen oder Marktanteile betrifft, so halten sich die meisten Provider bedeckt. Marktführer ist zweifellos die Telekom Austria, gefolgt von Tele2UTA, während Inode (stark wachsend) den dritten Platz für sich in Anspruch nehmen kann. Dahinter schon etwas abgeschlagen halten Eunet und eTel mit je knapp unter 10 Prozent Marktanteil, wobei Eunet immer noch den Bonus des Ur-Providers hat (1991 gegründet!), und etwa 40 Prozent der Top-500 Unternehmen zu seinen Kunden zu zählt. Viele der Großunternehmen vertrauen jedoch hauptsächlich auf die Telekom Austria, einige auch auf Tele2UTA, wobei hier das Großkundensegement, wie gesagt, zusehends durch die mangelnde Betreuung und Leistung von Zusatzservices vergrämt und vergrault wird. Inode und eTel fokussieren stark auf das Gros der österreichischen Unternehmen: Mittelständische bis hin zu Kleinunternehmen finden hier diverse Produkt-Angebote

Internetzugang: Angebote im Detail

Die angebotene Produkte sind inzwischen alles andere als leicht zu durchschauen. Oft gilt es, mühsam die Website und das Kleingedruckte zu durchforsten beziehungsweise die Angebote genau im Detail zu hinterfragen (siehe auch Kasten: Tipps). Das Produktangebot von Marktführer Telekom Austria für Internet-Neulinge oder Wenignutzer, xDSL Office Light, ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert. (Alle Produkte im Detail siehe Tabelle). Mit einer Bandbreite von 768/128 kbit/s und 2,5 GB inkludiertem Transfervolumen kostet es 45 Euro/Monat. Allerdings sind dabei zusätzlich 20 MB Webspace, 10 Mailboxen, Router sowie zwei Subdomains mit im Paketpreis enthalten.

Die Produktbündel-Strategie ist inzwischen generell bei fast allen Anbietern zu finden. "Ein reiner Access-Dienst ohne weitere Services ist unvorstellbar und aus unserer Sicht nicht zu verkaufen. Mehrwert lässt sich vor allem über passende Produktbündel erzielen", bringt es Christian Bauer, Leiter KMU-Produktmanagement bei der Telekom Austria, auf den Punkt. Bei den übrigen Anbietern ist grundsätzlich zwischen eigenen Produkten (entbündelt) oder ADSL-Angeboten, die auf einem TA-Anschluss aufbauen, zu unterscheiden. Wobei der Trend bei den Anbietern schon dahingeht, eher die entbündelten Produkte anzubieten. Tele2UTA hat überhaupt nur noch entbündelte Zugangsprodukte im Programm, zusätzlich wird stark die Komplett-Angebots-Strategie verfolgt. Beispielsweise buhlt Tele2UTA mit dem (laut Eigenbezeichnung) "billigsten Breitband-ISDN-Kombipaket" um den Kunden: Diese Lösung unter dem Namen "Biznet Complete xDSL 1024/256 schlägt sich mit 59,90 Euro/Monat zu Buche, wobei die Möglichkeit, über Tele2UTA zu telefonieren, inkludiert ist - aber aufgepasst: Hier beträgt der Mindestumsatz nochmals 20 Euro monatlich. In die gleiche Kerbe schlägt eTel. Das im Juli am Markt erschienene Kombi-Paket "eTel all" kostet ebenfalls 59,90 Euro: Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie (aus dem Hause ONE) wurden hier in einem Produktbündel vereint. Allerdings sind hier nur 5 GB Transfervolumen auf Fair-Use-Basis inklusive. Dafür gibt es fürs Festnetztelefonieren keinen Mindestumsatz wie bei Tele2UTA.

Auf die Bandbreite kommts an

Eunet wiederum setzt auf Purismus: Es ist der einzige Anbieter, der rein nur Internetzugang anbietet - alle Zusatzfeatures können dafür mit 35 Prozent Rabatt dazu bestellt werden. ADSL in der derzeit üblichen Basis-Bandbreite von 768/128 kbit/s ist damit um günstige 33,32 Euro/pro Monat zu haben. Solide sind die Einstiegsangebote von Inode und yc:networks. Bereits für höhere Ansprüche eignet sich die Silverserver ADSL Office Produktlinie, wobei allerdings auch die monatlichen Kosten etwas höher liegen. Der kleine Wiener Provider punktet vor allem durch seine Innovationsfreude: Er bietet seine Internet-Zugänge bereits standardisiert inklusive Internet Telefonie an - genauso übrigens wie die ambitionierten Kärntner Hostprofis.

Für Unternehmen mit hohem Bandbreitenbedarf sind die Internetzugänge mit symmetrischer hoher Bandbreite interessant - wir haben als Beispiel die Angebote für 2.048/2.048kbit/s von den einzelnen Anbietern eingeholt. Die monatlichen Preise rangieren von 99 Euro (von Inode: Achtung: 359 Euro Einrichtungsgebühr oder kostenlos bei 2-Jahresbindung) bis hin zu 199 Euro (von Silverserver), die Kabelbetreiber Priority (99 Euro) und Liwest (133,72 Euro) liegen deutlich darunter. Spannend in diesem Feld ist das Angebot der Hostprofis, das bei einer symmetrischen Bandbreite von 2.048 kbit/s unlimitierten Datentransfer zum beachtlich günstigen Preis von 179,90 Euro/Monat beinhaltet. Zu beachten sind vor einer Produktentscheidung jedenfalls auch die angebotenen Serviceleistungen. So bieten die Großen der Branche wie die Telekom Austria und Tele2UTA eine kostenlose Businesshotline.

Zukunft, Trends und Pläne

Fest steht: je größer das Unternehmen, desto wichtiger ist jetzt und in Zukunft das Internet. Insgesamt hat die Bedeutung von Handy und Internet zugenommen, während die Festnetztelefonie nach wie vor an Terrain verliert. Die Anbieter sehen der Entwicklung gelassen entgegen und schnüren eifrig ihre (Bündel-)Produktneuheiten für den Herbst. Vorreiter wird die Telekom Austria sein. "Wir werden im Herbst die gesamte Access-Produktpalette einem Relaunch unterziehen", kündigt KMU-Produktmanager Christian Bauer an, der sich zum Ziel gesetzt hat, "die Breitband-Einstiegsprodukte noch stärker zu forcieren und den potenziellen Kunden den Nutzen von Breitband zu erklären".

Inode hat für die nächste Zukunft ein Hosted Exchange Angebot angekündigt. Der Kunde installiert bei sich lokal Outlook, die Server- und Exchange Vernetzung wird von Inode übernommen. Inode-Chef Michael Gredenberg will neben Breitband-Internet auch Zusatzservices wie VoIP, Bankomatkassen- und Teleworker-Anbindung propagieren. "Voice over IP bringt den Unternehmen hohe Kosteneinsparungen", so Gredenberg. Ganz anders die Sicht von eTel, wo die Strategie lautet: "Stopp dem Festnetz-Rückgang", Festnetz ist wesentlich billiger als mobil und wesentlich zuverlässiger als VoIP.

Kundenorientierung hat Eunet auf seine Fahnen geheftet: "Die Qualität der Services, persönliche Kundenbetreuung und professioneller Support sind wichtiger denn je", betont Szilvia Nussbaumer, Marketing Manager von Eunet. yc:networks rüstet zur Herbstoffensive: "Insbesondere Security- und VPN-Produkte und Packages sind zu erwarten", so yc:networks Chef Wolf Wiedermann. Für Silverserver liegt der Schwerpunkt bei VoIP. "Wir werden im Herbst virtuelle Telefonanlagen und VoIP Adapter für ISDN- bzw. analoge Telefonanlagen auf den Markt bringen", kündigt Geschäftsführer Oskar Obereder an. Eine Strategie, die auch Priority ins Auge fasst. CEO Christian Fritzsche will Klein- und Mittelbetrieben "wertvolle Unterstützung in allen Telekommunikationsfragen geben - sei es im Breitbandinternet oder im Telefoniebereich - wo Voice over IP als die Zukunftstechnologie zu nennen ist". Voice over IP wird auch der Klagenfurter Anbieter Happynet anbieten, der seine Stärke vor allem aber in der "Kombination Systemhaus und Internet Service Provider sieht", wie Geschäftsführer Harald Kriener unterstreicht. Keine großen Ambitionen zur Expansion im Businesskundengeschäft hat Liwest. "Wir sind Marktführer im Privatkundenbereich in Oberösterreich und werden verstärkt hier und im SOHO-Bereich auftreten", so die Strategie von Geschäftsführer Günther Singer. Bleibt abzuwarten, was jetzt im Herbst tatsächlich von den Anbietern realisiert wird.

Tipps für KMU

Ein-Personen-Unternehmen sollten sich eher im Privatkundenmarkt umsehen, ein Business-Internet-Zugang zahlt sich meistens erst dann aus, wenn mehrere Mitarbeiter und ein LAN vorhanden sind. Kleinstunternehmen (bis 5 Mitarbeiter) wiederum haben jetzt die Chance, um einiges kostengünstiger als noch vor einem Jahr auf Breitbandinternet umzusteigen.

Wichtig: Am besten vorher genau überlegen, welche Features wie Anzahl der Mailboxen mit wie viel MB Speicherplatz, Übertragungs-Bandbreiten, Transfervolumen/Monat, Router, Webspace, Domain, fixe IP-Adresse etc. benötigt werden. Je nach Features können sich sehr hohe Preisunterschiede ergeben. Es lohnt daher auf alle Fälle, sich Angebote einiger Provider einzuholen, eventuell lassen die Provider auch beim Preis noch mit sich reden. Aufpassen heißt es auch jetzt schon, ob die Produkte modular d.h. erweiterbar sind, und welche Kosten bei einem Update des Internet-Zugangs entstehen, vorausgesetzt das Unternehmen ist auf Expansion ausgerichtet.

Die Anbieter in alphabetischer Reihenfolge:

weitere Provider: siehe www.ispa.at

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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