Christine Wahlmüller
Privatkunden stöhnen oft darunter, dass der Markt schwer überschaubar ist, für Businesskunden ist die Situation naturgemäß aufgrund der Komplexität der Materie noch schwieriger. Fairerweise ist zu sagen: Die Websites können aber auch nicht mehr, als einen ersten Eindruck des Businessangebots vermitteln. Denn: Die Angebotspalette ist so groß und die Bedürfnisse der Unternehmen so unterschiedlich, dass jeder Unternehmer gut beraten ist, sich sein individuelles Angebot legen zu lassen - das heißt, am besten alle in Frage kommenden (oder einem sympathischen) Unternehmen kontaktieren und danach entscheiden.
Absolut empfehlenswert und kostensparend ist eine Voice VPN-Lösung mit adäquater Funktionalität, stark nachgefragt werden im Moment laut Auskunft der Betreiber auch mobile Lösungen wie Datenkarten oder BlackBerrys, kombiniert mit maßgeschneiderten Spezialprodukten. "Der Businesskundenmarkt wird weiter wachsen, da besonders große Unternehmen weiterhin ihre Penetration mit Firmenhandys steigern werden", gibt sich mobilkom-Marketingvorstand Hannes Ametsreiter gelassen und hat gut lachen: Ein Großteil der Großunternehmen (gut zwei Drittel) ist nach wie vor (traditionellerweise) mobilkom-Kunde. Anders sieht es im KMU-Segement aus. Hier wird der Markt von allen Anbietern umkämpft, alle Betreiber inklusive telering wollen hier im Herbstgeschäft kräftig punkten.
Noch kämpft telering mit
Solange der telering Verkauf noch nicht kartellrechtlich abgesegnet ist, wird beim "Speck-ist-Weg-Anbieter" weiter volle Kraft voraus gefahren. "Uns interessiert insbesondere der KMU-Bereich mit bis zu 40 aktiven SIM-Karten", sieht Walter Scheuch, Vertriebleiter von telering ein gutes Kundenpotenzial. Viele Unternehmen geben ganz klar Kosteneinsparungen als Grund für einen Wechsel zu telering an. "Bei einem Vergleich mit dem bestehenden Betreiber können bei einem Wechsel zu telering bei gleichem Nutzungsverhalten sehr oft Einsparungen von 30 bis 40 Prozent erzielt werden", verspricht Scheuch. (Leider) ein Angebot mit Ablaufdatum. Denn die Genehmigung des Kaufs durch die Wettbewerbsbehörde wird voraussichtlich für Ende des Jahres erwartet. Dann wird auch telering-Chef Michael Krammer, übrigens ehemals T-Mobile-Mitarbeiter, der nach wie vor beteuert, von den Verkaufs-Verhandlungen des bisherigen Eigentümer Western Wireless mit T-Mobile nichts gewusst zu haben, sich verabschieden dürfen. Zu seiner Zukunft meint er nur: "Ich möchte in der Telekom-Branche bleiben."
Sobald der Kauf Ende des Jahres dann rechtlich wirksam ist, wird T-Mobile-Österreich Chef Georg Pölzl versuchen, die Fusion raschest möglich gut über die Bühne zu bekommen. Der 1,3 Mrd. teure telering-Kauf soll sich ja in jedem Fall für den zweitgrößten heimischen Mobilfunkanbieter rechnen. Wobei T-Mobile stark unter Zugzwang ist, denn das Jahresergebnis 2004 war negativ (-11,81 Mio. Euro) und der Schuldenberg (kolportierte 758,2 Mio. Euro) lässt wohl keine andere Strategie zu. So gilt für T-Mobile, sowohl im Privatkundenmarkt als auch im Businesskundenmarkt, gegen den direkten Konkurrenten mobilkom/A1 zu punkten.
"Endlich wird es wieder spannend", freut sich mobilkom Chef Boris Nemsic schon auf das bevorstehende Match um die Poleposition am heimischen Mobilfunkmarkt und strotzt vor Selbstvertrauen. Mit A1 UMTS und EDGE verfügt mobilkom seit Juli über das erste und einzige österreichweite Hochleistungs-Mobilfunknetz der dritten Generation und setzt hier auf einen eindeutigen Wettbewerbsvorsprung gegenüber der Konkurrenz. Vorstands-Kollege Hannes Ametsreiter ergänzt: "Der UMTS-Ausbau geht wie geplant weiter und mit Ende 2005 wird mit dem HSDPA (=High Speed Downlink Packet Access, Anm.d.Red.) Rollout für den urbanen Raum begonnen".
Mobilität als Argument aller
Der UMTS-Ausbau ist ein wichtiges Argument im Kampf, vor allem im Businesskundenmarkt, wo immer mehr Mobilität gefragt und von den Betreibern auch fleißig propagiert wird. Hier sind sich alle Anbieter (außer telering, da ohne UMTS) einig. Nischenanbieter "3", seit 2 Jahren auf dem Markt in Österreich, derzeit mit rund 300.000 Privatkunden (laut Juli-Daten der RTR) und zuletzt eher durch Jobabbau aufgefallen, hat für den Herbst nicht nur einen Neustart inklusive neuer Kampagne, sondern auch den Einstieg am Businesskundenmarkt angekündigt. Der neue Marketing-Vertriebs-Vorstand von "3" ist weiblich, voller Elan und ehrgeizig: Alexandra Reich hat sich viel vorgenommen. So soll bis Mitte September der Kooperationspartner für den Netzausbau feststehen. Geht alles nach Plan, so will Reich den Netzausbau "spätestens 2008 abgeschlossen sehen". Damit stehen die Zeichen für einen Anteil von "3" am KMU-Markt nicht schlecht, wobei aber erst abzuwarten ist, mit welchen Angeboten und Preisen die österreichischen Asiaten tatsächlich versuchen, im KMU-Segment Fuß zu fassen.
Mobilität ist sicher ein Faktor, in dem es noch genügend Neuland zu erobern gibt, so urteilt ONE-CCO Christian Czech ganz pragmatisch: "Über 50 Prozent aller österreichischen Unternehmen verwenden bereits mobile Datenübertragung. Es gilt nun, jene Unternehmen vom Erfolgsfaktor Mobilität zu überzeugen, die noch nicht um die zahlreichen Vorteile sowie die einfache Integration in ihre bestehende Infrastruktur wissen". ONE setzt daher im Herbstgeschäft vor allem auf die mobilen Produkte wie mobiles Breitband oder die mobile Nebenstellenanlage. Gerade letztere ist bei ONE zur Zeit sehr nachgefragt, "wir können auf 30 Neukunden verweisen, mit vielen weiteren wird zur Zeit verhandelt", so Czech.
Ins selbe Horn stößt auch Bernhard Witzeling von T-Mobile, verantwortlich für Kooperationen im Businessbereich: "Die mobilen Produkte wie die Datenkarte sowie vor allem der BlackBerry sind zur Zeit der Renner." Eine Entwicklung, von der T-Mobile und Inode gemeinsam mit ihrem Businessangebot für fixes und mobiles Internet und E-Mail profitieren wollen. Bei ONE sind Kompaktgeräte der Renner, wie z.B. der XDA mini II. "Wir bemühen uns auch in Kooperation mit Microsoft, den Informationsstand in Österreichs Unternehmen hinsichtlich mobilem Arbeiten zu erhöhen", betont ONE-CCO Czech. Endgeräte werden mit Microsoft Software angeboten. "Mit dem neuen Windows Small Business Server 2003 ist Outlook am Handy noch einfacher. Damit erspart sich das Unternehmen den MIS-Server und vereinfacht damit die Integration in die vorhandene IT-Infrastruktur", erklärt Czech.
Beurteilung Marktentwicklung
Für ONE wird es am österreichischen Mobilfunkmarkt jedenfalls schwierig. Manche prophezeien bereits jetzt, ONE sei der nächste Übernahmekandidat. Fest steht, dass der drittgrößte Anbieter tatsächlich plötzlich ziemlich abgeschlagen, wenn auch an dritter Stelle steht und um seinen Bestand kämpfen muss. Während sich mobilkom und T-Mobile ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern und "3", mit gutem Kapital aus Asien ausgestattet, einen neuen Anlauf nimmt, sind die Blau-Schwarzen von der Brünnerstraße stark unter Zugzwang. ONE- CCO-Czechs Erfolgsrezept: "Wir setzen auf innovative und mobile Produkte und Services."
Wie viele Anbieter der österreichische Markt verträgt? "Vier Anbieter sind für den Markt sehr positiv", urteilt die neue "3"-Marketing-Powerfrau Alexandra Reich. "Zumindest ein bis zwei Mobilfunk-Betreiber werden bald Schiffbruch erleiden", wurde in einer im Mai veröffentlichten Studie der Unternehmensberater Kreutzer Fischer & Partner vorausgesagt. Mit dem telering-Verkauf hat sich diese Studie bereits zum Teil bewahrheitet. Laut Studienautor Andreas Kreutzer ist die Anzahl der Mobiltelefonie-Anbieter in Österreich in Relation zur Bevölkerungsdichte deutlich zu hoch. Um im Wettbewerb zu bestehen, ist laut Kreutzer vor allem eine klare Positionierung wichtig. 50 Prozent der Kunden sind mit der gebotenen Technik und Innovation ansprechbar, 44 Prozent schauen hauptsächlich auf den Preis und 39 Prozent orientieren sich am Service. Befragt wurden dafür etwa 5.500 österreichische Handynutzer.
Diese Studie aus dem Privatkundenbereich lässt sich in etwa auch auf den Businessmarkt übertragen. Für 56 Prozent aller Handynutzer ist A1, also die mobilkom austria, der Technik-/Innovationsführer. Der Marktführer hat dabei vor allem bei Empfangs- und Sprachqualität einen ausgezeichneten Ruf bei den Nutzern. telering hat laut Studie wiederum die Positionierung "Preis" für sich besetzt. "Die größten Chancen bestehen im Positionierungsfeld "Service", da dieses noch von keiner Marke eindeutig besetzt ist", so Kreutzers Einschätzung.
Neue Produkte und Ausblick
Der Herbst bringt traditionell wieder einiges an neuen Produkten. "Wir werden mit interessanten Angeboten punkten", verspricht mobilkom-Marketing-Vorstand Hannes Ametsreiter. "3" plant den Einstieg am KMU-Markt, über die Angebote wird allerdings ebenfalls noch Stillschweigen bewahrt wie bei ONE. T-Mobile setzt auf das neue Kombinationsangebot mit Inode, darüber hinaus wurde noch nichts angekündigt.
Die Frage ist, inwieweit Österreichs Unternehmen tatsächlich auf UMTS-Angebote reflektieren und ob der von den Betreibern so gerne propagierte Mobilitäts-Boom wirklich Realität wird. Damit eng verbunden ist auch der Erfolg der UMTS-Endgeräte beziehungsweise dazu erforderlicher Hardware. In jedem Fall sind die Kunden mittlerweile sehr verwöhnt und preisorientiert, nicht zuletzt durch die "Speck-ist-Weg-Kampagne" von telering und den Konkurrenzkampf der Anbieter.
Die Frage ist auch, inwieweit die geplante und von der Regierung jüngst beschlossene NÖ-Handymastensteuer auch eine Preiserhöhung der Businessprodukte mit sich bringt. Hier ist Vizekanzler Gorbach jetzt in der skurrilen Situation, auf eine Entscheidung durch die EU (gegen die Handymastensteuer) angewiesen zu sein. Kurioses Handy-Land Österreich.
Links und Servicelines (alphabetisch):
- www.a1.net 0800 664 600
- www.drei.at 0800/30 30 00
- www.one.at 0800 699 699
- www.telering.at 0800 650 650
- www.t-mobile.at 0676-20 333 (nur vom T-Mobile Handy kostenlos)




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 