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Strategien

Entwicklerkonferenz

Microsoft TechEd 2005 Europe

Rund 7000 Konferenzteilnehmer besuchten die diesjährige Entwickler-Konferenz in Amsterdam. Thematisch konzentrierte sich die Konferenz vom 5. bis 8. Juli 2005 auf .NET und alle dazupassenden Microsoft Produktfamilien. Ganz leise, aber ziemlich beeindruckend, tauchte auch die Windows Communications Foundation (Code-name "Indigo") auf.

Werner Kurschl

In einer Reihe von Vorträgen wurden Web-Services und service-orientierte Architekturen diskutiert. Kritische Stimmen bezeichneten SOA zum Beispiel mit "Same old Architecture", "SOAP without a P" und "Stupid Overhyped Acronym". Neben diesem religiösen Geplänkel wurden diverse Ansätze zur Entwicklung von Web-Service-Anwendungen und neue Funktionalitäten in WSE 3.0 dargestellt.

Christian Weyer von thinktecture erläuterte sehr detailliert den von ihm bevorzugten Ansatz "contract-first (schema-based) over code-first aproach". Dazu stellte er auch ein von thinktecture entwickeltes und frei verfügbares Werkzeug vor, mit dem letztendlich der Code aus dem Kontrakt erzeugt werden kann.

Ingo Rammer ist in seinem Vortrag auf die Optimierung der Performanz von Web-Services eingegangen. Er hat dabei anhand von Beispielen mit diversen Werkzeugen zur Netzwerk-Analyse gezeigt, wie wichtig es ist, Web-Services auch auf der Netzwerkebene zu analysieren. Er konnte zeigen, dass es in manchen Fällen besser ist, auf DataSets und DataAdapter zu verzichten und eigene SQL-Anweisungen zu verwenden. In einem Beispiel wurde die Anzahl der über das Netz gesendeten SQL-Anweisungen von 644 auf 8 reduziert. Die dadurch gewonnene Geschwindigkeit war beeindruckend.

Beat Schwegler hingegen zeigte seine Erfahrungen beim Design von Web-Services. Er ging dabei auf häufige Probleme mit Namespace, Typ-Abbildungen, SOAP-Encodings, Versionierung ein, die meist durch den "code-first"-Ansatz entstehen. In seinem Vortrag wies er auch vehement auf die wichtige Rolle des Architekten beim Design von Web-Services hin.

Allgemein wurde auch recht heftig darüber diskutiert, dass Web-Services mit objektorientierten Techniken implementiert werden können, aber fein-granulare Methoden auf der Ebene von Web-Services fehl am Platze sind, denn ein Service ist eine grob-granulare Einheit.

Indigo

Langsam aber sicher tauchte auf der TechEd auch die vormals als Indigo bezeichnete Windows Communications Foundations (WCF) auf. Damit soll die Entwicklung von verteilten Applikationen deutlich erleichtert werden. Mit Indigo bzw. WCF können Kommunikations-Mechanismen wie Web-Services, Message Queues und .NET Remoting sehr einfach integriert werden und zusätzlich verfügt man über ein einheitliches und frei-konfigurierbares Sicherheitsmodell.

Für den Entwickler bedeutet dies, dass er einen Service-, Daten-, Nachrichten-Kontrakt definiert. Der Service-Kontrakt legt die Schnittstelle unanhängig vom Kommunikationsmechanismus fest. Der Daten-Kontrakt legt die Form und die Versionierung der auszutauschen Daten fest. Der Nachrichten-Kontrakt legt die Struktur (wie Header, Body) von Nachrichten fest, die dann über Kanäle ausgetauscht werden.

Über so genannte Bindings (meist in einer Konfigurations-Datei) wird dann letztendlich festgelegt, wie ein Service mit der Umgebung kommuniziert. Gegenwärtig existieren Bindings für Web-Services, .NET, MSMQ und HTTP/HTTPS. Zu guter Letzt wird dann noch ein Endpunkt für ein Service definiert, der die Adresse, den Service-Kontrakt und das Binding festlegt.

Dass Indigo bis zum Jahreswechsel richtig abheben wird, sieht man schon am Programm der im September im Los Angeles stattfindenden Professional Developers Conference (PDC) 2005. Dort wird es noch deutlich mehr Vorträge zum Thema Indigo geben. So wird auch die Integration von BizTalk mittels Indigo zur Orchestrierung von Web-Services in komplexen Enterprise-Applikationen dargestellt werden. Jedenfalls wird Indigo ein wichtiger Schritt für vereinfachte Entwicklung verteilter SOA-Anwendungen werden.

Enterprise Architekturen

Nachdem sich .NET in Enterprise-Anwendungen etabliert hat, wurde nun auf der TechEd verstärkt über Architekturen und Software Factories gesprochen. In diversen Vorträgen wurden leistungsfähige Konzepte und Patterns diskutiert und an Beispielen dargestellt. So hat Gregor Hohpe als der Architekt von Thoughtworks und Autor des Buches "Enterprise Integration Patterns" in seinem Vortrag "Event-Driven Architectures" herausgearbeitet, dass viele Anwendungen in ihrem Design stark gekoppelt sind, da die Ausführung von Aktionen oft sequentiell erfolgt und die Reihenfolge von Aktionen vorab schon definiert ist. Dadurch kann es aber leicht zu Performanz-Problemen kommen, die aber erst in einem Redesign behoben werden können.

Gregor Hohpe zeigte anhand einer existierenden on-line Fragebogen-Applikation, die eine statistische Auswertung von Antworten durchführt, wie man durch eine lose gekoppelte, ereignisgesteuerte Architektur existierende Performanz-Probleme beheben kann und ein skalierbares System erhält.

Neu hinzukommt bei diesem Design eine Schicht, über die festgelegt wird, wie die einzelnen unabhängigen Teile zusammengefügt werden. Durch die lose Kopplung wird die System-Evolution unterstützt. Leider fehlen gegenwärtig noch entsprechende Werkzeuge zur Konfiguration, sodass es vorkommen kann, dass die Architektur im Design leistungsfähig ist, sie aber nur mühsam zum Laufen gebracht werden kann - wie er selbst in diversen Projekten erfahren musste.

Der Vortrag von Gregor Hohpe zeigte aber auch sehr deutlich, dass Microsoft hochkarätige Vortragende zur TechEd eingeladen hat, die aus ihrem umfangreichen Pool an Erfahrungen berichten konnten. Es stellte sich auch heraus, dass viele der Vortragenden sowohl Microsoft .NET als auch Java in ihren Projekten einsetzen. Dieser Trend weg von den Evangelisten hin zu den kompetenten und problemlösungs-orientierten Vortragenden ist sehr zu begrüßen.

Fazit

Die Teched bot eine Vielzahl an interessanten und hochwertigen Vorträgen und sie kann als wesentliche Weiterbildungsveranstaltung für Entwickler angesehen werden. Aktuelle Blogs zur Teched 2005 findet man im techedbloggers.net.

Dipl.-Ing. Dr. Werner Kurschl ist FH-Professor für Software Engineering an der Fachhochschule in Hagenberg bei Linz - www.fh-hagenberg.at

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