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Strategien

"Personal Supercomputing"

Zumindest für ambitionierte Wissensarbeiter scheint "Personal Supercomputing" in greifbare Nähe zu rücken.

Lothar Lochmaier

IBM ist der unumschränkte Branchenprimus in der neuen Top500-Liste. Gleich sechs der leistungsfähigsten High Performance Systeme deckt Big Blue ab, darunter mit Blue Gene/L und der eServer Solution die beiden ersten Plätze. Ansonsten interessieren sich Unternehmen mehr für die spannende Frage, welche Vorteile leistungsfähiges Computing am Arbeitsplatz bringt.

Mit Cray taucht auf Platz zehn auch ein alter Bekannter wie Phönix aus der Asche wieder auf. Zunächst einmal aber müssen alle zur Kenntnis nehmen, dass die Luft für die Konkurrenten von Big Blue ganz oben noch dünner geworden ist. Zumindest legt diesen Eindruck die auf der Internationalen Supercomputing Conference (ISC) in Heidelberg vorgestellte Liste (www.top500.org) nahe: Mehr als die Hälfte aller weltweit verkauften High Performance Computing Systeme (HPC) stammen von IBM, mit mehr als deutlichem Abstand folgen Hewlett Packard und SGI.

Auch in Europa läuft das leistungsfähigste Cluster im Barcelona Supercomputer Center unter der Ägide von IBM. Da Mare Nostrum in einer kirchlich anmutenden Kathedrale installiert ist, verschafft das Big Blue zusätzlichen PR-Auftrieb. Der letztjährige Spitzenreiter NEC kann da nicht mehr mithalten und fällt mit der am Hochleistungsrechenzentrum in Stuttgart installierten SX8 auf den fünften Rang zurück. Zum Trost sei festgehalten, dass NEC damit zumindest in Deutschland auf Rang Eins liegt, vor einer beeindruckenden IBM-Phalanx.

Seit kurzem ist in der Szene wieder von einem alten Bekannten die Rede, um den es die letzten Jahre seit der Übernahme durch SGI etwas still geworden war. Für Insider nicht ganz überraschend, landete der an den Sandia National Laboratories in den USA installierte Cray XT3 im diesjährigen weltweiten Top-Ranking an zehnter Stelle. Und während IBM nicht gerade heiß und innig von der Community geliebt wird, erfreut sich Cray wieder einer wachsenden Fangemeinde. Dies brachten auch die zahlreichen Fachvorträge zum Ausdruck, in denen Experten intensiv über Lösungen aus dem Hause Cray diskutierten. Zahlreiche neue Business-Kontrakte untermauern diesen Trend.

Konkrete Nutzen zählt

Doch hat die Supercomputing von heute ein bisschen von dem Glanz früherer Tage verloren. Das verlangsamte Wachstum der reinen Rechnerleistung oder das Pentaflop-Computing stehen nicht wirklich im Vordergrund. Was zählt, ist der konkrete Nutzwert über das rein wissenschaftliche Erkenntnisinteresse hinaus. Ein Beispiel: Der amerikanische Hersteller Orion Multisystems offeriert für den europäischen Markt eine Cluster-Technologie, die über 96 Prozessoren verfügt. Die Stromversorgung erfolgt über einen konventionellen 220-Volt-Anschluss. Gedacht ist das System für Anwendungen in den Biowissenschaften, der Geologie, Ingenieure, Finanzmathematiker und die Medienbranche.

"Unsere Modelle zeigen, dass das konventionelle und quasi hermetisch abgeschottene Computing ausgedient hat", sagt Jussi Kukkonen, Product Manager bei Orion Multisystems. Statt auf immer mehr CPUs aufzurüsten, seien dezentrale Konzepte gefragt, und zwar direkt am Arbeitsplatz installiert. Die Spitzenleistung der Personal Cluster Workstation DS-96 unter Linux beträgt 230 Gigaflops. Dieser finde sogar unter dem Schreibtisch Platz. Die Vorteile liegen in der Skalierung. "Dadurch ist das System auch direkt vor Ort einsetzbar, etwa bei aufwändigen geophysikalischen Untersuchungen in einem Krisengebiet", sagt Kukkonen.

Das auf Standards basierende Parallel-Computing von Orion hat noch eine weitere Variante: Eine flachere Workstation, wenngleich etwas breiter ausgelegt, findet auch auf dem größer dimensionierten Schreibtisch Platz. Ausgerüstet sind beide Systeme mit einem x86-Hochleistungsprozessor, die Speicherkapazität beträgt bis zu einem Terabyte in der Flachversion und bis zu 9,6 TB in der Deskside-Variante. Das System ist in acht Boards mit jeweils zwölf Prozessoren organisiert und mit 1,2 GHz getaktet. Standardmäßig läuft es mit den Linux-Vorinstallationen Fedore Core 2 und GNOME, mit einem angepassten Kernel 2.6.6.

Ob sich derartige Systeme, wie von Orion anvisiert, in Europa auf breiter Front an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Unternehmensanwendungen durchsetzen können, muss sich erst noch zeigen. Ein erster Referenzkunde ist in Deutschland angesiedelt, das Computer Software Research and Development in Statics and Dynamics (SRD) in Berlin. Die Einrichtung benötigt für physikalische Problemstellungen im Bereich der Erdbebensimulation mit mehreren Millionen Unbekannten entsprechende Rechnerkapazitäten, auch direkt vor Ort. Ambitionierte Anwender sollen ab ca. 75 000 Euro bei Orion Multisystems in das Personal Supercomputing einsteigen.

www.cray.com
www.orionmulti.com
www.top500.org

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