Gerhard Versteegen
Autoren der Studie sind erfahrene Berater der HOOD Group, ein Consultinghaus, das sich ausschließlich auf das Thema Anforderungsmanagement konzentriert. Basis der Studie sind einerseits in der Praxis gesammelte Erfahrungen und andererseits ein umfangreicher Evaluierungsbogen. Die Tabelle listet die untersuchten Werkzeuge auf. Gegenstand der Untersuchung sind die zum 7. März 2005 aktuellen Versionen der jeweiligen Produkte.
Die Studie gibt zunächst eine methodische Einführung in die Grundlagen des Anforderungsmanagements, hier werden Fachbegriffe wie Traceability (Nachvollziehbarkeit von Anforderungen) und Impactanalyse (Auswirkungen von einer Änderung einer Anforderung auf andere Anforderungen) erläutert. Im Anschluss werden die jeweiligen Toolhersteller genauer unter die Lupe genommen. Von dem kleinen 20 Mann Softwarehaus (Polarion) bis zum IBM Konzern ist hier die gesamte Bandbreite vertreten.
Schwerpunkt Toolvergleich
Den Schwerpunkt der Studie bildet die Darstellung der einzelnen Werkzeuge sowie der anhand von Funktionalitäten vorgenommene Toolvergleich. Begonnen wird mit dem Anlegen von Anforderungen. Bereits hier werden Unterschiede zwischen den jeweiligen Produkten deutlich. Vergleichbar verhält es sich bei dem Anlegen von Abhängigkeiten zwischen den jeweiligen Anforderungen.
Anforderungen unterliegen zudem einem ständigen Änderungsprozess - diesem Umstand muss jedes Werkzeug Rechnung tragen. Dazu ist es unter anderem erforderlich, dass bei der Spezifikation von Anforderungen bereits Abhängigkeiten zu anderen Anforderungen festgehalten werden. Nur so ist überhaupt eine Impactanalyse durchführbar. Die Definition einer Abhängigkeit zwischen Anforderungen (allgemein auch als Link bezeichnet) kann auf die unterschiedlichste Art und Weise vorgenommen werden:
- Drag-and-Drop
- Markieren von einem Anfangs- und Endpunkt
- Eintrag einer Referenz-ID
- Markieren einer Zelle einer Traceability-Matrix
- Automatisiert durch Filter und/oder Link-Kriterien
- Beim Erstellen einer abgeleiteten Information durch Kopieren der ursprünglichen Information
Je nach Bearbeitungsschritt verfahren hier die Hersteller unterschiedlich. Die Darstellung von Abhängigkeiten kann sowohl tabellarisch als auch grafisch vorgenommen werden. Entscheidend für die Qualität eines Anforderungsmanagementwerkzeuges ist dabei, in wie weit eine solche Darstellung auch über verschiedene Hierarchieebenen hinweg möglich ist. Ebenso muss es möglich sein, dass auch projektübergreifende Abhängigkeiten darstellbar sind oder auch Abhängigkeiten zu Anforderungen, die Bestandteil einer bereits eingefrorenen Baseline sind. Bei der Spezifikation von Abhängigkeiten haben Telelogic, QA Systems und Serena ganz klar die Nase vorn.
Schnittstellenaspekte
Anforderungsmanagement ist eine der wichtigsten Disziplinen innerhalb des Software-Engineerings - Fehler, die hier gemacht werden, ziehen sich durch das gesamte Projekt durch. Doch steht Anforderungsmanagement keinesfalls für sich alleine da - es zeichnet die Qualität eines Werkzeuges aus, wie gut es in angrenzende Bereiche wie CASE, Konfigurations- und Änderungsmanagement und Testen von Anforderungen integriert ist.
Hier haben die einzelnen Hersteller unterschiedliche Ansätze - bedingt durch Restriktionen in der Firmenpolitik (Stichwort: Anbindung eines Wettbewerbsproduktes). Besonders wichtig ist die Integration von Anforderungs- und Modellierungswerkzeugen, also die Modellierung der spezifizierten Anforderung. QA Systems geht hier eigene Wege und hat eine Modellierungskomponente nach UML 2 integriert. Die Modellierungsergebnisse können dann sowohl von Rational XDE als auch von Together übernommen werden.
Fazit
Betrachtet man das Preis/Leistungsverhältnis, so hat IrqA von QA Systems derzeit die Nase vorn, einen echten Testsieger hat die Studie allerdings nicht ermittelt, dafür sind sowohl die Ansätze der Anbieter als auch die Ausgangssituationen beim einzusetzenden Unternehmen zu unterschiedlich. Die meisten Produkte werden kontinuierlich weiterentwickelt, daher wird die Studie auch jährlich neu aufgelegt und immer zur REConf erscheinen.
Eckdaten zur Studie: C. Hood, A. Kreß, R. Stevenson, G. Versteegen und R. Wiebel: iX-Studie zum Thema Anforderungsmanagement; Heise Zeitschriften Verlag 2005, 390,00 Euro. Online bestellbar unter: http://www.heise.de/ix/studie/05/01/
Anforderungsmanagement auf höchstem Niveau
Laut einer Studie der Standish Group werden über 30% aller IT-Projekte vor ihrer Fertigstellung eingestellt. Beim Rest liefern über 70% nicht die geforderte Funktionalität, die Budgets werden im Schnitt um 80% überschritten und der ursprüngliche Zeitplan um 100%! Kennen Sie das Gefühl, dass ein IT-Projekt eine endlose Kette von Problemen darstellt und von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist? Sie sind nicht alleine!Kurt Aigner
Prozesse und Vorgehen die für ein erfolgreiches Projekt zwingend erforderlich sind, sind zwar bekannt, werden aber in den meisten Fällen nicht oder nur teilweise gelebt. Die häufigste "Ausrede" für dieses Verhalten ist Zeit- bzw. Ressourcenmangel. Groteske daran ist, dass diese Ausrede genau das Gegenteil bewirkt. Fehler und Unklarheiten werden später oder gar nicht erkannt. Die Korrektur wird damit zeit- und ressourcenintensiver.
Anforderungsmanagement in der Praxis
Die Kundenanforderungen - diese können auch von internen Fachabteilungen definiert werden - sind das zentrale und ursprüngliche Element des gesamten Projektes. Aus ihnen werden Funktionalitäts-, Qualitätsanforderungen usw. abgeleitet. Das bedeutet jede einzelne Funktion, jeder Test und jeder Service Level kann auf eine Kundenanforderung zurückgeführt werden. Wird eine Disziplin nicht erfüllt, ist sofort klar, welche Funktion und Kundenanforderung davon betroffen ist. Es ist daher unbedingt notwendig, diese Anforderungen aktuell und konsistent zu halten.
Gutes Anforderungsmanagement ist die Basis für erfolgreiche Projekte. Wichtig ist eine weitgehende Integration der Bereiche IT Governance und IT Management, der Anwendungsentwicklung sowie Qualitäts- und Performance Management. Ein Anbieter in diesem Zusammenhang ist Compuware. Mit Projekterfahrung und SW-Lösungen (z.B. Compuware Changepoint, QACenter und Vantage) werden Unternehmen bei der Einführung von Methodologien und Rahmenwerken wie Six-Sigma, ITIL, CMM und CobiT durch konfigurierbare Projektvorlagen, Anforderungsmanagement und entsprechende Workflows bis hin zum IT-Finanzmanagement unterstützt.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Internet unter www.compuware.at.
Kurt Aigner ist Regional Technical Spezialist bei Compuware Austria GmbH



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 