Christine Wahlmüller
Immer mehr Frauen werden Unternehmerinnen - bereits ein Drittel aller österreichischer Unternehmen wird von Frauen geführt. Kein leichtes Unterfangen: Immerhin rund 71 Prozent der Unternehmerinnen sind Mutter, davon ein Viertel Alleinerzieherinnen. Fast 80 Prozent der Firmenchefinnen sorgen zudem selbst für die Kinderbetreuung. Die Doppelrolle Mutter - Beruf ist gerade für Frauen in der Chefetage eine große Herausforderung - viele der jungen Chefinnen stehen nahezu vor unlösbaren Problemen, wenn es um flexible Kinderbetreuung geht.
Auch schon bei der Betriebsgründung sind Frauen oft benachteiligt, weiß Unternehmerinnen-Initiatorin Eva Maria Artner: "Frauen scheitern schon oft daran, dass ihr Businessplan von der Bank nicht akzeptiert wird. Dabei verfügen gerade Frauen über weniger Kapital, sind aber laut Statistik die verlässlicheren Rückzahlerinnen bei Krediten".
Die akademisch geprüfte Werbekauffrau weiß, wovon sie spricht, ihr Wunsch ist es "mehr Frauenpower in der Wirtschaft zu erreichen". Und da ist die Idee des Frauennetzwerks und der Online-Plattform naheliegend. "Mir ist es ein besonderes Anliegen, Frauen beim ersten Schritt in die Selbständigkeit zu unterstützen. Gerade im IT-Bereich ist der Frauenanteil nicht so hoch wie in anderen Dienstleistungsbereichen", betont Artner, die sich als Delegierte der Sparte Information & Consulting der WK Wien aktiv des Frauenthemas annimmt.
"Die Unternehmerinnen" ist eine sozialdemokratische Interessensgemeinschaft mit kompetenter und fachlicher Unterstützung für Unternehmerinnen. "Gerade für selbständige Unternehmerinnen ist ein effizientes Beziehungsnetzwerk wichtig. Informationen, Know-how, unterschiedlichste Kompetenzen und vorhandene Ressourcen können durch aktives Networking miteinander verbunden werden. Wir setzen uns grundsätzlich auch für die Förderung und Gleichstellung aller Unternehmerinnen ein", so Artner. Dazu passt auch die Mentoring-Schiene. Derzeit sind 15 Frauen und 3 Männer als MentorInnen aktiv. Dabei geht es darum, Denkanstöße, Ideen und Hinweise zu vermitteln, Perspektiven aufzuzeigen, Kontakte herzustellen und vor allem einfach im Berufsalltag zu begleiten und zu unterstützen.
Hauptziele und Aktivitäten
Erklärtes Hauptziel ist die Stärkung der Position von Unternehmerinnen in ganz Österreich. "Frauen sollen bessere Chancen haben, Hürden und Informationsdefizite wollen wir gezielt abbauen", erklärt Artner. Ein wichtiges Anliegen ist die Vernetzung von Einzel- und Kleinunternehmerinnen für Kooperationen. Diese Kooperationsidee wurde kopiert, wie auch Artner freimütig gesteht: "Das machen Männerbünde mit großem Erfolg schon seit langem".
Großes Augenmerk legt die neue Initiative vor allem auf Networking, persönliches Kennenlernen und Erfahrungsaustausch. Dazu wurde als erste große Veranstaltung Mitte Juni eine zweitägige "Zukunftskonferenz" organisiert. Unter dem Motto "Die Zukunft ist planbar - wir nehmen uns Zeit dafür" wurde gemeinsam über Schritte zur Förderung von Unternehmerinnen nachgedacht, die kurz- mittel- und langfristig im Konnex von Politik, Wirtschaft und Forschung umgesetzt werden sollen. "Wir haben sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum gemeinsam Infos gesammelt, analysiert und konkrete Ziele formuliert", so Artner (alles über die Konferenz unter www.dieunternehmerinnen.at online).
Start in den Herbst
Erfolg verspricht sich die Initiative auch von prominenten Zugpferden wie z.B. Ex-Frauenministerin und SP-Frauensprecherin Barbara Prammer sowie Nationalrats-Abgeordneter Gabriele Heinisch-Hosek. Unternehmerinnen-Initiatorin Eva Maria Artners positiver und optimistischer Blick in die Zukunft: "Frauen sind entscheidungsrelevante Personen für die Wirtschaft". Künftig plant das Netzwerk auch eine Erweiterung der Aktivitäten auf EU-Ebene und Kontakt zu ähnlichen Plattformen und Organisationen. Erste Gespräche mit Italien haben bereits stattgefunden. Ab September startet die Veranstaltungsreihe "Powerseminare für Frauen". Geboten wird u.a. Power Talking, Rhetorik im Auftragsgespräch, Finanz- und Eigenvorsorge oder Stressmanagement. Alle Informationen dazu gibt es auf der "Unternehmerinnen"-Website.
Ein weiteres (unabhängiges) Netzwerk für Frauen in Führungspositionen ist die ARGE Wirtschaftsfrauen, die ebenfalls primär zum Networken dient. Einmal pro Monat gibt es ein lockeres Treffen, meist mit frauen-spezifischem Vortragsprogramm. Auch Gäste sind übrigens herzlich willkommen. Speziell für IT-Frauen gibt es bereits seit geraumer Zeit den "IT salon pour elle", gegründet von der OCG (Österr. Computergesellschaft) und der Agentur results and relations. Netzwerkerinnen, willkommen.
Sozialdemokratisch: www.dieunternehmerinnen.at
Unabhängig: www.arge-wirtschaftsfrauen.org
Für IT-Frauen:
www.it4her.ocg.at



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8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 