Andreas Roesler-Schmidt
Encarta hat sich über die letzten Jahre praktisch als das Standardwerk unter den PC-Lexika etabliert - und das durchaus zu Recht. Die Qualität der Inhalte ist tadellos, die Multimediafeatures überzeugen. Für den Monitor-Test stand dieses Jahr die "Standard" Version bereit, die aber eigentlich weniger einer Standard- als einer abgespeckten Version entspricht. Denn sie verzichtet gegenüber der vollen Version (früher "Professional", jetzt schlicht ohne dem Namenszusatz "Standard") auf viele Multimedia-Features, die letztendlich den Reiz einer PC-Enzyklopädie ausmachen. Deshalb sollte man unbedingt gleich zur vollen Version greifen, die im Handel ohnehin teilweise nur zehn Euro mehr kostet. Sind Schüler im Haushalt ist auch die ganz neue Variante "Lernen und Wissen 2006" interessant, die mit zusätzlichen Office-Tools Schüler beim Hausaufgaben machen motivieren soll.
In jedem Fall begrüßt Encarta den Benutzer mit einer überarbeiteten, aufgeräumten Startseite, so wie das gesamte User-Interface gegenüber früheren Versionen einen geordneteren Eindruck macht. Angenehme Überraschung gleich bei der ersten Suche: Wie man es von Suchmaschinen her kennt, schlägt Encarta jetzt alternative Schreibweisen vor, wenn man sich vertippt hat - in der Praxis kamen dabei durchwegs die richtigen Vorschläge. Die Ergebnisse selbst werden nach Typ und Relevanz sortiert, so dass man schnell zum Ziel kommt. Die Informationstiefe von Encarta konnte bei so gut wie keinem Stichwort mit jener des kostenlosen Wikipedia mithalten. Zu vielen (zufällig gewählten) Stichworten wartet das Internet-Projekt Wikipedia mit seitenlangen Texten und zahlreichen Links auf, während die selben Stichworte in Encarta nur in Texten zu anderen Themen vorkommen, aber keinen eigenen Eintrag bekamen.
In zwei Bereichen aber punktet Encarta und rechtfertigt trotz der Internet-Alternative den Kauf: Bei jenen Themen, zu denen Encarta auch in der Standard-Version Videos oder Animationen anzubieten hat, ist sie im Vorteil, weil es eine wesentlich "schmackhaftere" Präsentation bietet und Lust auf Nachschlagen macht. Außerdem bietet das bei allen Versionen mitgelieferte Encarta Kids nicht nur ein ansprechend gestaltetes eigenes Portal für Kinder zu diversen Themenbereichen ("Der Mensch", "Die Erde",...), sondern auch kindgerecht aufgearbeitete Artikeltexte, denen der Spagat zwischen Vereinfachen und dennoch ausreichend Informieren perfekt gelingt.
Wer gerne von einem Thema ausgehend weiterschmökert, ist in der "großen" Encarta-Version am besten aufgehoben. Die dort massenhaft vorhandenen Multimedia-Inhalte verleiten dazu, das Wissen zu vertiefen.



1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 