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Wirtschaft

Kommentar von Erich Bonnert

Kapriolen in Cupertino

Steve Jobs, der charismatische Gründer und Chef von Apple Computer, steht nicht umsonst im Ruf, unberechenbar zu sein. Sein Blick für kreative Lösungen und seine spektakulären Produktenthüllungen sind längst Legende - ebenso wie sein aufbrausendes Temperament.

Erich Bonnert

Mit einer dramatischen Kehrtwendung überraschte er einmal mehr alle Beobachter und die gesamte Branche: Apple gibt die bislang erfolgreiche Power-Chip-Plattform von IBM auf und steigt auf die jahrelang geschmähten Intel-Prozessoren um.

Nach dieser jüngsten Kapriole könnte Apple aber ganz woanders landen, als Jobs es sich ausgerechnet hatte. Der Apple-Vordenker sieht die Stärken seiner Firma in der Alleinstellung als Plattform-Lieferant. Geclonte Mac-Computer lehnte er nach seiner Rückkehr auf den Vorstandssessel rigoros ab. Eine seiner ersten Maßnahmen war, den Herstellern billiger Macintosh-Rechner die Software-Lizenz zu entziehen. Von diesem Exklusivstatus hat Apple bislang gut gelebt, er gilt als unantastbar.

Jetzt aber häufen sich die Spekulationen um eine neuerliche Vergabe von Macintosh-Lizenzen. Die Aussicht, das hochinnovative Betriebssystem zu den Bedingungen der Intel-Massenfertigung anbieten zu können, weckt offenbar Begehrlichkeiten im umkämpften PC-Markt. Allerdings will es sich kein Hersteller mit seinem bisher einzigen Betriebssystemlieferanten verscherzen. So sind nun einmal die ungeschriebenen Gesetze im PC-Markt. Daher wagen selbst bedeutende PC-Fabrikanten nur halblaut und anonym über den Bau von Macintosh-Rechnern zu reden. Einzig Michael Dell hat es bisher gewagt, öffentlich sein Interesse an einer Macintosh-Lizenz zu bekunden. Jeder andere Lieferant wäre bei den Größenverhältnissen zwischen Dell und Apple sicherlich geschmeichelt. In Cupertino lautet die Antwort auf solche Avancen weiterhin kategorisch: Nein, danke. Wer MacOS X wolle, müsse auch die Rechner von Apple kaufen, stellte Hardware-Chef Phil Schiller klar.

Doch mit dieser Haltung wird Apple künftig Probleme bekommen, glauben die Fachleute. "Ich glaube kaum, dass Clones zu verhindern sein werden", glaubt Jon Peddie von der Marktforschungsfirma Peddie Research. Analyst Nathan Brookwood von Insight64 ist gar überzeugt, dass Apple schon bald gezwungen sein wird, Macintosh-Lizenzen an konkurrierende Hardware-Hersteller zu verkaufen, notfalls auch gerichtlich.

Der Grund: Apple ist Monopolist - im Macintosh-Markt nämlich. Der Computer-Hersteller darf daher - so sieht es der Sherman Act im US-Kartellrecht vor - keinen Kunden zwingen, andere Produkte zusammen mit der Macintosh-Software zu kaufen. Solange es keine alternative Mac-kompatible Hardware zu kaufen gibt, lässt dieser Punkt die Juristen kalt. Sobald jedoch das Apple-Betriebssystem auch auf alternativen Prozessoren läuft, wird die beneidenswerte Alleinstellung zur Angriffsfläche, prophezeit Brookwood: "Es braucht nur ein kleiner Billigfertiger in Taiwan zu protestieren, weil er keine Macintosh-Lizenz bekommt und schon werden sich die Anwälte darauf stürzen."

Einen Präzendenzfall hat Brookwood, ein Veteran im IT-Beratungsgeschäft, sogleich parat. Data General hatte in den 80er Jahren mit seiner Minicomputer-Architektur Nova eine ähnliche Position wie der heutige Macintosh. Der Marktanteil am gesamten Minirechnersegment war eher bescheiden. Trotzdem weigerte sich das Traditionsunternehmen standhaft, sein Betriebssystem RDOS zu lizenzieren, da es das Hardware-Geschäft nicht mit anderen Chip-Herstellern teilen mochte. Fairchild, Digidyne und andere Produzenten Nova-kompatibler Chips klagten erfolgreich durch alle Instanzen und erhielten schließlich Mitte 1984 ihre RDOS-Lizenz. Allerdings hatte der zuvor heiß umkämpfte Minicomputer-Markt zu diesem Zeitpunkt schon fast keine Bedeutung mehr - stattdessen waren die Desktops auf dem Vormarsch. Solch einen tragischen Ausgang sieht Brookwood in Apples Fall nicht voraus. "PC-Marktwachstum kommt fast nur von Mobilrechnern", weiß Brookwood. Dort könne Apple sein Volumen mühelos verdoppeln.

Erich Bonnert ist freier Autor und lebt in Cupertino, Kalifornien

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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