Conrad Gruber
Seit der letzten Reise von Vizekanzler Hubert Gorbach ins Reich der Mitte gibt es auch schon Konkretes zu berichten: Nämlich recht reife Pläne für einen so genannten China Austria Technology Park, kurz: CATP, in Wien.
Die Chinesen planen mit Unterstützung des österreichischen Infrastrukturministeriums und der Stadt Wien die Errichtung eines Technologieparks voraussichtlich auf der Donauplatte, der im Rahmen einer neuen "go out-strategy" die Internationalisierung chinesischer Unternehmen unterstützen soll. Durch Kooperationen mit österreichischen Unternehmen, Zugang zu Forschung und Technologie und Schaffung von Entwicklungs- und Produktionsstandorten für chinesische Unternehmen sollen "wirtschaftliche Verflechtungen" entstehen, von denen Österreich und China "gleichermaßen profitieren". Abgesehen von kleineren Projekten in Cambridge (Großbritannien) und Moskau (im Aufbau) existieren noch keine Vorhaben dieser Art in Europa.
Das Konzept sieht ein zentrales Gebäude ("CATP-Tower") vor, in dem Büros, Gemeinschaftseinrichtungen und ein Hotel untergebracht sind, sowie weitere Entwicklung- und Produktionsstandorte vornehmlich in bestehenden Tech-Zentren und Wirtschaftsparks Österreichs.
Zur Realisierung des Projekts wurde bereits ein "Memorandum of Understanding" zwischen Gorbach und dem chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie abgeschlossen, in dessen Rahmen derzeit die wissenschaftlichen Grundlagen und die Machbarkeitsstudie erstellt werden. In der zweiten Hälfte 2005 sollen die ersten Umsetzungsschritte hinsichtlich der gemeinsamen Trägergesellschaft, der Standortwahl und der baulichen Entwicklung stattfinden können.
In der zweiten Junihälfte waren Vertreter Chinas nun zu Endverhandlungen in Wien zu Gast. Ziel war eine Einigung auf eine gemeinsame Projektentwicklungsgesellschaft, sagt Wiens Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder. Der Büroturm, um den es geht, soll auch ein Hotel umfassen und dürfte rund 75 Millionen Euro kosten. Rieder gibt sich für den CATP optimistisch: "Ich habe den Eindruck, dass es den Chinesen ernst ist und sie sich auf den Standort Wien konzentrieren." Nun müsse die österreichische Seite in die Offensive gehen und ähnliche Signale setzen, "sonst besteht die Gefahr, dass das wieder zerläuft". Es sollte daher eine gemeinsame Gesellschaft geschaffen werden, an der sich China, die Stadt Wien über ihren Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), das Verkehrsministerium sowie private Investoren beteiligen sollten.
Laut Bernd Rießland, Geschäftsführer des WWFF, wird derzeit auch in China über das Projekt verhandelt. Für den CATP kommen in Wien mehrere Grundstücke in Frage, darunter auf der Donauplatte im 22. Bezirk, aber auch an der Wagramer Straße. Von chinesischer Seite ist - unter anderem über das dortige Technologieministerium - wiederholt großes Interesse an dem Projekt gezeigt worden. Das heimische Verkehrsministerium hat dafür bereits zwei Machbarkeitsstudien durchführen lassen. Das Kapital für den CATP soll von drei bereits fixierten chinesischen Firmen kommen. Die österreichische Seite könnte sich in Form einer Sacheinlage - etwa durch die Einbringung des Grundstücks - beteiligen.
Laut beteiligten Kreisen ist es ziemlich fix, dass der Telekom-Netzausstatter Huawei im CATP Quartier beziehen soll. Des weiteren sollen auch die chinesischen Autohersteller Chery und Shanghai Automotive Interesse an einer Wien-Dependance gezeigt haben.
Vorsichtige Kommentare Wiener IT-Firmen
Bei Wiener IT-Firmen sieht man dem Vorstoß der Chinesen mit gemischten Gefühlen entgegen. Nicht so große Freude hat beispielsweise Franz Hofbauer, Chef von Alcatel Austria, der sich um einen Dumping-Anschlag auf die ohnehin preissensitive Branche sorgt. Bei Ericsson Austria meint Sprecher Gerhard Gindl, dass zumindest hinsichtlich der Förderungen "eine Chancengleichheit" gegeben sein sollte.
NextraOne-Chefin Margarete Schramböck, als IT- und Telekomintegrator, spricht dagegen von "neuem Wettbewerb", der nur anregend sein könne. Die altgedienten Hersteller von Telekom-Infrastruktur und IT müssten dann eben mehr für ihre Marken tun. Sie könnte sich durchaus vorstellen, auch Huawei ins Programm aufzunehmen, auch wenn NextiraOne traditionell noch stark an Alcatel als Produktlieferant angehängt ist. Xerox Austria-Chef Valeriu Nestor wiederum meint ebenfalls, dass frischer Wettbewerb "nicht schaden" kann, dennoch bestehe wirkliche Marktliberalität darin, dass mit Subventionen - gleich welcher Art - möglichst sparsam umgegangen werde.
Ob das der Bund und die Stadt Wien auch so sehen, ist zumindest fraglich. Zu prestigereich ist dieses Projekt, um es sich durch die Lappen gehen zu lassen. Diverse Fördertöpfe werden also wohl geöffnet werden. Ganz abgesehen von der Exportförderung der chinesischen Regierung, schließlich handelt es sich ja um ganz- bzw. teilstaatliche Firmen, um die es hier geht. Ob der chinesische Förder-Bumerang also auf die heimischen Anbieter zurückschlägt, darüber sollte man sich zumindest Sorgen machen.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 