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Strategien

IT aus Neuseeland

Pazifische IT

Neuseeland hat heuer die Cebit dazu genutzt, seine Aktivitäten rund um die IT einem breiteren Publikum zu präsentieren. Das nach wie vor stark agrarisch geprägte Land versucht also auch, im Reigen der Hochtechnologie-Nationen seine Nische zu finden.

Rüdiger Maier

"Wir wollen eine wichtigere Rolle in der weltweiten Wirtschaft spielen und den Wert unserer Exporte steigern", erläutert Hans Frauenlob von New Zealand Trade&Enterprise (NZTE) im MONITOR-Gespräch. Und Chris Tozer von "Investment New Zealand" unterstreicht die Bemühungen, die das Insel-Land im Pazifik unternimmt, um ausländische Firmen zur Ansiedlung zu bewegen. In einer eigenen "ICT Sector Engagement Strategy" formulierte NZTE die entsprechenden Ziele: Beschleunigung der Produktentwicklung und -vermarktung, Eroberung neuer Exportmärkte sowie vermehrter Einsatz von IT zur Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt.

"Immerhin erwirtschaftet Neuseeland bereits 4,7% oder 5 Mrd. Dollar aus dem Bereich ICT (Informations + Communications Technologies) und beschäftigt damit 41.000 Vollzeit-Mitarbeiter", unterstreicht Frauenlob. Von den einschlägig aktiven 7.700 Unternehmen erwirtschaften allerdings knapp 80% weniger als 250.000 Dollar jährlich. Der Export wuchs dagegen zwischen 1994 und 2004 jährlich im Durchschnitt um 23% und erreicht nun 1,25 Mrd. Dollar. Im ICT Taskforce Report formulierte man 2003 ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2012 sollen 100 neuseeländische ICT-Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 100 Mio. Dollar erreichen. Einer der besonders anvisierten Nischenmärkte ist dabei naturgemäß der Nahrungsmittelsektor: "Wir wollen unser Land als führenden Produzenten "sicherer" Lebensmittel und der dazu notwendigen IT-Technologie positionieren", so Frauenlob.

Exportziel für Österreich

Neuseeland, das Insel-Land im südwestlichen Pazifik, liegt für Österreich ja wirklich am "anderen Ende der Welt" und ist meist nur als Lieferant landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Milch, Kiwis, Schaffleisch etc.) bekannt. Im Vorjahr stiegen die Exporte nach Österreich um 17,1% auf 35,9 Mio. Euro. Die Hälfte davon waren Nahrungsmittel und Tiere, sonst wurde vor allem Aluminium eingeführt. Umgekehrt stiegen die heimischen Exporte nach Neuseeland um 32,4% auf 82,4 Mio. Euro. Stark begehrt sind österreichische Fahrzeuge (Saab Cabrio, BMW X3, Jeep Grand Cherokee, Chrysler Voyager), KTM-Geländemotorräder, aber auch Arbeitsmaschinen, sowie Papier, Pappe oder CDs. Neuseeland ist mit 268.000 qkm gut dreimal so groß wie Österreich (83.871 qkm), wird aber nur von 4,1 Mio. Einwohnern bewohnt (Österreich: 8,05 Mio.).

15 Aussteller auf der Cebit

Näherte man sich dem Neuseeland-Gemeinschaftsstand, so stach einem gleich die 2,5 x 2,5 Meter große 3D-Projektion von "Right Hemisphere" (www.righthemisphere.com) ins Auge. Das Unternehmen bietet Software für visuelle Kommunikation, damit sich interaktive 2D- und 3D-Inhalte so einfach erzeugen und nutzen lassen wie Text, etwa in der Erstellung von Produkten für Trainingszwecke, Dokumentation, Marketing, Teilemanagement und Support. Jack Johnson, Marketing-Direktor des Unternehmens: "Wir sind besonders stolz darauf, über einen deutschen Partner am Airbus-Projekt für den Großraumjet A 380 mitgearbeitet zu haben." Flugs hatte man auch schon eine 3D-Brille auf der Nase und spazierte virtuell im Flugzeug auf und ab. Die Software "Deep Server" entsperrt nämlich CAD-Daten in hohem Maße und ermöglicht so ohne zeitaufwändige Neueingabe von Daten die Visualisierung in 2D- und 3D-Form.

Navman (www.navman.com) ist mit 500 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Hersteller von Unterhaltungs- und Industrieelektronik mit GPS. Das 1988 gegründete Unternehmen mit Sitz in Auckland (gehört allerdings bereits zu 100% dem US-amerikanischen Brunswick Konzern) bietet eine Palette von Produkten für unterschiedliche Einsatzgebiete vom Flottenmanagement über die Fahrzeugnavigation bis hin zur Marineelektronik. Martin Capel-Smith, europäischer Marketing-Manager: "Unsere kostengünstige und flexible GPS-Produktpalette unterstützt die Anwender in den verschiedensten Lebensbereichen, etwa bei der Reiseplanung oder im Sport!" Neu vorgestellt hat das Unternehmen den Navman PiN 570, eine Verbindung von Navigationssystem und Pocket PC. "Wir glauben, dass dieses Gerät ein idealer Begleiter für Geschäftsleute werden wird", so Capel-Smith. Das Navman Sport Tool X300 wiederum informiert den Sportler bei einer Vielzahl von Sportarten laufend darüber, wie schnell er unterwegs ist und welche Strecke er bereits zurückgelegt hat. Daneben bietet das Unternehmen bereits Sport Produkte für Laufen (R300), Gehen (W300), Inline Skating (S300), Schifahren (A300) und Windsurfen (M300).

In einem verwandten Bereich arbeitet die Firma Prolificx (www.prolificx.com), die explizit nach strategischen Allianzen & Partnern sucht. Das OEM-Elektronikunternehmen entwickelt und fertigt eine Reihe standardisierter und maßgeschneiderter Elektronikprodukte für mobile Datenapplikationen im Bereich Flottenmanagement, Telematik, Fahrzeug-Ortung und -Verfolgung.

Eines der uns Büro-Menschen wirklich plagenden Problems hat sich AfterMail (www.aftermail.com) angenommen. Rod Drury, CEO des Unternehmens: "Unsere E-Mail-Managementplattform soll das Problem der Archivierung und Compliance lösen und E-Mail von einem Kommunikationsmittel in einen Wissensspeicher verwandeln." Unter dem Stichwort "Enterprise Email Intelligence" ist auch Aftermail auf der Suche nach Resellern in Europa.


Neuseeland in Zahlen

  • Fläche: 268.000 qkm (Österreich: 83.871)
  • Einwohner: 4,1 Mio.
  • Bevölkerungsdichte: 15 Einw./qkm
  • Bevölkerungswachstum: 1,7 % (2004)
  • Offizieller Name: Neuseeland / New Zealand
  • Hauptstadt: Wellington
  • Staatsform: Parlamentarisch-demokratische Monarchie im Commonwealth of Nations
  • Staatsoberhaupt: Ihre Majestät Königin Elizabeth II., Königin von Neuseeland Vertreter: The Right Honourable Dame Silvia Cartwright, PCNZ, DBE, Generalgouverneurin von Neuseeland
  • Sprache: Englisch und Maori
  • Währung/Wechselkurs: New Zealand Dollar NZ$
  • 1 NZ$ = 0,5685 € = 0,7322 US$ (Stand: 29.04.2005)

Drei Viertel der Bevölkerung lebt auf der kleineren Nordinsel. Sowohl die Hauptstadt Wellington als auch die größte Stadt Auckland liegen auf der Nordinsel. Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung gliedert sich in 76 % mit europäischer Herkunft, 14 % Maori, 6 % Polynesier und Menschen, die überwiegend aus China, Indien und anderen asiatischen Ländern stammen.


Marta Mager, Handelskommissaren Neuseeland, Hamburg

Der neuseeländische CeBIT-Gemeinschaftsstand, organisiert von New Zealand Trade & Enterprise, war ein voller Erfolg. Die meisten der teilnehmenden Unternehmen haben versprochen, zur CeBIT 2006 wieder nach Deutschland zu kommen. Der große Erfolg der Neuseeländer auf der CeBIT hat zwei wichtige Punkte deutlich gemacht. Zum einen ist klar geworden, dass die neuseeländische Technologie auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig, für den Rest der Welt aber oft nicht sichtbar genug ist. Zum anderen hat die Teilnahme unterstrichen, wie wichtig der Standort Europa für das IT-Geschäft ist. Die Europäer machen 30 Prozent des weltweiten IT-Marktes aus. Kein neuseeländisches Unternehmen, das auf dem Weltmarkt mitspielen will, kann das ignorieren.

Unser positives Image in Europa sowie die vielen kulturellen Gemeinsamkeiten stellen für neuseeländische Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil dar. Um diesen zu nutzen, müssen die Unternehmen jetzt ihre Präsenz in Europa verstärken. Es ist an der Zeit, Beziehungen zu knüpfen, um sichtbar zu sein, sei es direkt oder indirekt durch kompetente Vertriebspartner.


Tim Howell, Business Development Manager, AfterMail

Der von AfterMail entwickelte E-Mail-Management-Ansatz ist einzigartig. Wir wollen Unternehmen in die Lage versetzen, die wertvollen Informationen in den Unternehmens-E-Mails optimal zu nutzen. Wir nennen das "Enterprise E-Mail Intelligence".

Jeder hat irgendwo ein E-Mail-Problem - das ist in Europa nicht anders. Das große Interesse, das uns auf der CeBIT entgegengebracht wurde, hat uns in unserem Ansatz bestärkt. Wir haben auf der Messe auch dazugelernt. Zum einen, wie E-Mail in Europa generell eingesetzt wird, aber auch, welche rechtlichen Aspekte es zu beachten gibt: Wer darf Zugriff auf welche E-Mails haben und wie können sie weiterverwertet werden? Darüber hinaus haben wir natürlich viel über sprach- und kulturbezogene Aspekte erfahren, die beim Vermarkten eines Software-Produktes auf der anderen Seite der Welt wichtig sind. Unser Ziel ist es nun, AfterMail so flexibel zu machen, dass es von jedem überall eingesetzt werden kann, und zwar unabhängig von Ort und Sprache.


Weitere Aussteller auf der Cebit waren:

Animation Research Limited (ARL) ist eines der führenden Unternehmen für Computergrafik-Produktion in Australien und Asien (www.arl.co.nz)

The Human Interface Technology Laboratory New Zealand (HIT Lab NZ) entwickelt Technologien wie 3D-Panoramadisplays oder virtuelle und erweiterte Realität für den Einsatz in Bildung, Medizin, Wissenschaft, Telekommunikation und Unterhaltung (www.hitlabnz.org)

Terralink International Limited bietet GIS- und Mapping-Systeme, digitales Mapping, Fernabtastung, fotogrammetrische und Lufbild-Anwendungen und Dienste sowie Multi-Layer-, interaktive, 3D- und Datenintegrationslösungen. Auf der Suche nach Resellern und Distributoren, die Terralink-Produkte können lizensiert werden (www.terralink.co.nz).

NextWindow ist spezialisiert auf hochwertige Touchscreen- und Imaging-Technologien. Sucht Distributionskanäle in ganz Europa (www.pac.co.nz)

SLAB ist Entwickler von Flat-Panel-Lautsprechertechnologien für Multimedia, Heimkino und kommerzielle Anwendungen (www.slabsound.com )

Talkingtech ist tätig im Bereich der Computer-Telefonie und interaktiven Sprachausgabe (IVR) und bietet komplett gehostete, automatisierte Dienste für Outbound-Kundenkontakte mit interaktiven Funktionalitäten für Routineaufgaben oder automatische Mitteilungen (www.talkingtech.com)

Telecom NZ and Weta Digital haben sich als Joint Venture zusammengetan, um das New Zealand Supercomputing Centre (NZSC) zu gründen. Es bietet seinen Kunden Rechenleistung und Speicherkapazität pur für extrem rechenintensive Applikationen.

EMS-Cortex liefert führende Carrier-Class-Lösungen zum Identitätsmanagement und Policy-Enforcement (www.ems-global.com)

Synergy International hilft seinen Kunden, Legacy-Applikationen in Java- und .NET-Technologien zu überführen (www.synergy.co.nz)

Endace ist Anbieter von Netzwerk-Interface-Technologien, mit denen Telekommunikationsunternehmen, Regierungsbehörden und ISPs 100 Prozent des Datenverkehrs in kritischen Netzwerken beobachten und analysieren können. Möchte ein Netzwerk von Distributoren aufbauen (www.endace.com)

Mettle Edge hat einen neuen Business Intelligence-Ansatz für den Finanzbereich entwickelt (www.mettleedge.com)

i-lign bietet Business-Alignment-Software, die das gesamte Projekt-, Portfolio-, Arbeits-, Entscheidungs- und Risikomanagement nahtlos mit FMIS, Dokumentenmanagement und Reporting verbindet (www.ilign.com)

Outsource2NewZealand ist die zentrale Anlaufstelle für Organisationen, die Software-Entwicklungsprojekte nach Neuseeland auslagern wollen (www.outsource2newzealand.com)

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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