Renate Maier-Gilly
Wenige Kilometer nordöstlich von Siena, im Chiantigebiet, liegt die Villa Dievole www.dievole.it in der zentralen Toskana. Hier wechseln sich Täler mit sanften und steileren Hügeln ab, die mit Weinstöcken und Olivenbäumen bewachsen sind. Pinien und Zypressen, die wie Rufzeichen die Blicke auf sich ziehen, alte Orte mit Burgen und Festungen und einsam gelegene Bauernhöfe und Landgüter, aus grauen Sandstein und Terrakotta-Ziegeln errichtet, prägen die toskanischen Landschaft. Im elften Jahrhundert wurde hier das Weingut Dievole gegründet. Mario di Dievole, mit bürgerlichem Namen Mario Felice Schwenn, folgt hier mit seinen Mitarbeitern einer unternehmerischen Vision, die nicht weniger will als "die Scholle mit den Wolken, Himmel und Erde zu einem einzigen Ganzen zu verbinden". Dievole fühlt sich dieser jahrhunderte alten Tradition verpflichtet. Auf den sechzehn Weinbergen wachsen neben dem Klassiker Chianti Classico, alte toskanische vom Aussterben bedrohte Weinraritäten, die von den maestri di vigna, den "Weinberg-Meistern", deren Gesichter sich auch auf den Flaschenetiketten ihres Il Rinascimento wiederfinden, kunstgerecht bearbeitet werden. So wurde auch in Zusammenarbeit mit der Universität Siena in einem agra-ökologischer Park in Certosa di Pontignano ein Weinberg angelegt, um alte Weinbaumethoden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Überhaupt vermittelt dieser Ort etwas, was auch beim Fremden ankommt. Zuallererst Erleichterung nicht in einer trendigen Wellnessfarm toskanischen Zuschnitts gelandet zu sein. Zwar wird hierher demnächst eine "Wellfit-Reise" mit Hatha-Yoga, Meridian-Gymnastik und Nordic-Walking angeboten, aber im Vertrauen auf den gelassenen und selbstbewussten Gestus des alten toskanischen Landes und seines Abkömmlings Mario di Dievole, wird sich die Einsicht zeigen, dass für Touristen nicht überall alles passend und "wellfit" gemacht werden kann.
Für Gäste stehen auf dem Weingut Dievole mehrere komfortable Zimmer oder Suiten, zur Verfügung: Die aus dem achtzehnten Jahrhundert stammende neu renovierte Villa Dievole, das private Gästehaus Casa Dievolino und die neu gebauten Gästehäuser Olivo und Colombaio. Klassische toskanische Gestaltungselemente wie Schmiedeeisen, Terrakotta und Deckenbalken aus hartem, dunklem Kastanienholz finden sich in den Räumen. Draußen säumen violette Lavendelbüsche und satt grüner Rosmarien die Wege und Häuser.
Als Frühstücksraum wird der ehemalige Pferdestall des Weingutes benutzt. Hier geben eindrucksvolle schwarz-weiß Fotos von LandarbeiterInnen an den Wänden einen Einblick in die mühsamen und arbeitsreichen Grundlagen dieses Ferienidylls.
Für die Gastronomie und das Service ist seit kurzer Zeit der aus Salzburg stammende Peter Schweighofer zuständig. Er hat sich aus guten Gründen einiges an Verbesserungen in diesen Bereichen vorgenommen.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 