Andreas Roesler-Schmidt
Budapests U-Bahnnetz gehört zu den ältesten Europas und stellt wahrhaft eine historische Attraktion dar. Auf der ersten Strecke der Budapester Verkehrsbetriebe (BKV), der "M1", rollten bereits 1896 die ersten U-Bahnzüge des europäischen Festlands. Hinzu kamen in den Siebziger Jahren zwei weitere Strecken (M2, M3).
Auch wenn der spröde und robuste Charme sowjetischer U-Bahn-Garnituren und Rolltreppen, die beide nicht wie in Wien langsam dahin kriechen, sondern Passagiere äußerst schnell befördern, anderes vermuten lassen, die Linie M2 muss einer Modernisierung unterzogen werden.
Der Startschuss für die vollständige Erneuerung der M2 fiel noch im EU-Beitrittsjahr 2004, nachdem die Europäische Investitionsbank (EIB) 125 Millionen Euro für das Umbau-Projekt zugesagt hatte. Bis 2007 werden nicht nur Schienen, Tunnel und sämtliche Stationenen runderneuert, sondern auch die Energieversorgung, das Bahnmonitoring und die Bahnkommunikationssysteme modernisiert. Den Auftrag für die Installation der Kommunikationssysteme erhielt Sagem Ungarn, als deren wichtigster Sublieferant Kapsch maßgeblich zu dem Projekt beiträgt. Die Bahnkommunikations- und Verkehrstelematik-Systeme werden von Sagem geliefert, von Kapsch kommen die Dispatcher-Telefonsysteme und das Meldungsspeicher-System. Kapsch installiert auch die neuen Lautsprecher- und Feuermeldesysteme und erneuert das Feuerwehr- und das Zugfunksystem. Das Ansage-Management speichert auch die Daten sämtlicher Durchsagen. Die BKV-Dispatcher bekommen drei separate Telefonsysteme. Der bestehende Zugfunk wird durch zusätzliche Basisstationen erweitert. Eine Ringstruktur mit optischen Kabeln wird entlang der gesamten Strecke bis ins Management Center aufgebaut und alle Systeme strukturiert verkabelt.
Da auf der Linie M2 während des Projekts der Zugverkehr wie gewohnt weiterläuft können diese Installationsarbeiten nur nachts durchgeführt werden. Dennoch konnte man die ersten beiden Stationen bereits im Dezember fertig stellen. Zwischen September und November 2005 folgen die nächsten drei Stationen.
"In diesem Projekt sind wir einer der wichtigsten System-Integratoren. Wir nutzen unsere Branchen-Erfahrung, um die besten Komponenten am Weltmarkt auszuwählen und zu einer maßgeschneiderten Lösung für unseren Kunden zusammen zu fügen. Für das U-Bahn Projekt erarbeiteten wir mit Sagem einen gemeinsamen Lösungsvorschlag, der den Kunden BVK rasch überzeugte", erklärt Kapsch CarrierCom-Vorstand Bernhard Kerres.
"Das Projekt stellt uns vor gewaltige Herausforderungen, sowohl technisch als auch logistisch. Die Aufgaben können nur durch intensive Zusammenarbeit mit Partnern gelöst werden. Hier haben wir Kapsch gewählt, da dieses Unternehmen auf dem Gebiet der Sprach- und Datenübermittlung über jahrzehntelange Erfahrungen und umfangreiche Referenzen verfügt", begründet Szilárd Kiss, Sagem-Vertriebsleiter in Ungarn, die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Unternehmen.




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8/2011
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 