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Netz & Telekom

Bluetooth-Gadgets

Was nicht nützt, unterhält

Kurzstreckenfunk Bluetooth kann weit mehr als schnöde Freisprechverbindungen herstellen. Einige Blauzahn-getriebene Gadgets bieten interessante Zusatzfunktionen oder zumindest netten Zeitvertreib für Technik-Verspielte.

Andreas Roesler-Schmidt

Die meisten verwenden Bluetooth wohl, um ein Headset mit ihrem Handy zum Freisprechen zu verbinden, oder um den PDA übers Handy ins Internet zu lassen. Doch der Kurzstreckenfunk taugt zu mehr - über 20 verschiedene Bluetooth-Verbindungsprofile lassen das erahnen. Und an machen Anwendungen hätte sogar James Bonds legendärer Technologie-Schneider Q seine Freude gehabt.

Roboter als Spion

So ist Sony Ericssons ROB-1 wohl "Der Spion, der um die Ecke rollt". Der kugelrunde Mini-Roboter lässt sich mit Symbian-Handys via Bluetooth steuern - bei einer Reichweite von bis zu 50 Meter. Die Hightechkugel kann sich um 360 Grad drehen und die eingebaute VGA-Kamera auch in der Höhe schwenken. Über Bluetooth liefert er dabei einen permanenten Videostream auf das Display des Handys, so dass man das Geschehen im Nebenraum bequem verfolgen kann. Beweisfotos von interessanten Ereignissen lassen sich am Mobiltelefon abspeichern und weitersenden. Nicht einmal in dunklen Ecken bleiben Geheimnisse verborgen: Mit kräftigen LEDs leuchtet ROB-1 sie aus. Die 11 cm große Hightech-Kugel soll im dritten Quartal für rund 200 Euro kommen.

Bluetooth nicht nur für übliche Verbindungen zwischen Handys und Headsets oder zum kabellosen Datenübertragen zwischen PDAs zu nutzen, sondern auch für unsinnigen aber spaßigen Zeitvertreib, hat gerade bei Sony Ericsson bereits Tradition. Erstes Bluetooth-Spielzeug war der CAR-100. Hinter dem schnöden Produktkürzel verbirgt sich nicht etwa eine Autofreisprecheinrichtung, sondern ein Miniauto, dass über Bluetooth-Telefone ferngesteuert wird. Sinnvolle Anwendungen sind bis dato nicht bekannt. Gerüchteweise soll das Auto aber schon so manchen langweiligen Bürotag gerettet haben.

Für Jogger

"Runster" von Siemens befindet sich noch im Prototyp-Stadium. Mit bequem vom Sofa aus fernsteuern ist es hier aber vorbei: Hier schwitzt der Handybesitzer selbst. Der Runster zählt, an den Gürtel geschnallt, Schrittfrequenzen von Joggern und übermittelt seine Messwerte via Bluetooth ans Handy.

Das berechnet daraus die Geschwindigkeit des Läufers und passt die Abspielgeschwindigkeit der MP3-Musik dem persönlichen Laufstil an - angeblich auf eine Weise, die die Musikqualität nicht beeinträchtigt. Selbst Hifi-Laien werden das anders sehen, aber die Musik steht dabei wohl nicht im Vordergrund. Auch umgekehrt lassen sich auch Trainingssequenzen mit ruhigeren und schnelleren Phasen vorgeben - entsprechend getaktete Musik bringt den Läufer dann auf den richtigen Trab. Darüber hinaus kann das Handy den Läufer bei nachlassender Leistung anfeuern - ganz wie ein persönlicher Trainer. Ob es allerdings wirklich motiviert, wenn das eigene Handy einem harsch zuruft "schneller!" sei dahin gestellt.

Media-Center

Handyhersteller wollen ja einfach nicht aufhören, die Welt mit Kamerahandys zu belästigen und bauen rund um die propagierte Lifestyle-Idee "Foto+Handy" auch einiges an Bluetooth-Zubehör: Die Gadgets sollen das gemeinsame Bilderschauen im Freundeskreis zum Erlebnis machen.

Sony Ericssons Bluetooth Media Center MMV-200 (3. Quartal für rund 100 Euro) zum Beispiel wird an Fernseher und Stereoanlage angeschlossen. Dann lassen sich Fotos aus dem Handy via Bluetooth auf dem TV betrachten oder die im Handy gespeicherte Musik über die heimische HiFi-Anlage abspielen. Das Gerät kann zu mehreren Bluetooth-Handys gleichzeitig Verbindung aufnehmen, so dass jeder seine Fotos zeigen oder die Lieblingstracks vorspielen kann. Die Handys dienen dabei auch zugleich als Fernbedienung.

Nach demselben Prinzip arbeitet auch Nokias Image Viewer SU2 mit ausgewählten Nokia-Telefonen (3650, 7650). Einen Schritt weiter geht das Image Album PD1 des finnischen Herstellers. Es archiviert aus dem Handy empfangene Bilder, Videoclips und Messages auf einer 20 GB-Festplatte, so dass man sie später auch ohne Handy am Fernseher betrachten kann. Wer die Bilder trotzdem auch auf dem PC haben will, kann sie über die USB-Schnittstelle übertragen oder mit einem externen Brenner auf CD-ROM brennen. Fragt sich nur, ob die Fotos aus Handys wirklich archivierenswert sind.

Wireless-Keyboards

Für SMS-Vielschreiber, die trotz T9 mit der Handytastatur nicht auskommen, bieten Nokia und einige Zubehör-Hersteller Wireless Keyboards an. Wer lieber persönliche Grafiken per MMS verschickt, kann den Digital Pen SU-1B verwenden. An einen PC überträgt er handschriftliche Notizen nur über die Dockingstation, an Mobiltelefone jedoch können handgekritzelte Bildchen kabellos übermittelt werden.

Vielseitig ist das "Stoaway Bluetooth Keyboard" von ThinkOutside. Die faltbare "Wegsteck-Tastatur" nimmt nicht nur zu Handys und Smartphones Kontakt auf, sondern auch zu Palm oder Pocket PCs. Theoretisch kann man damit auch an Bluetooth-ausgerüsteten PCs arbeiten. Dafür sind aber Bluetooth PC-Desktops von Microsoft oder Logitech bequemer. Dank mitgelieferter Bluetooth-Basisstation rüsten sie nebenbei den PC für den Kurzstreckenfunk auf. Logitechs diNoveo Media Desktop hat ein separates MediaPad - das zeigt auf einem Display auch abseits vom Schreibtisch Wiedergabeinformationen (z.B. Songtitel) aus dem PC an.

Autofreisprecheinrichtungen

Autofreisprecheinrichtungen auf Bluetooth-Basis sind beliebt, da sie sich meist auch nach einem Handywechsel weiternutzen lassen. Neuere Modelle (Nokia, Siemens, Parrot) sind sogar eigenständige Telefone, die über SIM Access nur mehr auf die Daten aus dem Handy zugreifen. Damit erübrigt sich auch das Verkabeln trotz Bluetooth, da man keinen Antennenanschluss mehr fürs Handy benötigt.

Diese Lösungen sind aber leider noch deutlich teurer. LG hat einen Bluetooth-Autorückspiegel vorgestellt, der als Freisprecheinrichtung dient und Nummer oder Name des Anrufers im Spiegel anzeigt. Zuhause beendet eine andere "Freisprecheinrichtung" die Suche nach dem läutenden Handy. Siemens Gigaset SX353isdn leitet die Anrufe via Bluetooth ans Festnetztelefon.

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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