Alexander Hackl
Das Prinzip ist denkbar einfach: Man stößt am Anfang und am Ende der gewünschten Kabelstrecke zu den alten Kupferkabelsträngen vor (bis zu 400m). Dann wird unter Druck ein eigens entwickeltes, biologisch abbaubares Gleit-Fluid in den Kabelstrang hineingepresst, sodass es von einem Ende zum anderen den Raum zwischen Kabelmantel und der Kabelseele ausfüllt. Schließlich wird die alte Kupferkabelseele mechanisch herausgezogen und aufgerollt. Im selben Arbeitsschritt werden vom anderen Ende aus die Leerverrohrungen für das neue Glasfaserkabel eingezogen. Die Glasfaser selbst wird dann unter Verwendung der "Jet-Net-Technologie" in die Leerverrohrungen "eingeblasen".
Minimierter Bauaufwand
Die Vorteile des Kabel-X-Verfahrens liegen auf der Hand: Das Aufreißen ganzer Straßenzüge und die damit verbundenen hohen Baukosten und starken Verkehrsbehinderungen entfallen. "Außerdem kommt man auf eine Tagesleistung von 1400 Meter gegenüber 100 Meter bei einer Neuverlegung", verspricht Kabel-X-Erfinder Alois Pichler. Auch teure Ausschreibungs-, Planungs- und Genehmigungsverfahren könne man sich ersparen, so der Unternehmer aus Niederösterreich. Die Tatsache, dass das Kabel-X-Verfahren rechtlich nicht als Neuerrichtung gilt, bringt noch einen wichtigen Vorteil für die Provider: "Bei Neuverlegungen ist man zum "Net Sharing" mit den Mitbewerbern verpflichtet. Bei Kabel-X muss ich die anderen nicht mit hereinlassen", so Pichler.
Flächendeckendes "echtes Breitband"
Da Kabel-X auch bei kleinen Kabelquerschnitten funktioniert, können damit sogar die Zuleitungen zu den Endusern problemlos mit Glasfaser aufgerüstet werden. Pichler: "Was helfen moderne Glasfaser-Datenhighways, wenn der Hausanschluss dann erst recht wieder ein Kupfer-Nadelöhr ist. Kupferleitungen sind wie kommunizierende Gefäße. Was ich einem User gebe, muss ich einem anderen wegnehmen. Außerdem nimmt die Übertragungsrate mit wachsender Entfernung von der letzten Vermittlungsstelle ab. Glasfaserleitungen hingegen haben - unabhängig von solchen Faktoren - eine bis zu 80.000mal höhere Übertragungsleistung." Vor allem in den Ballungsräumen schlummern noch Millionen Kilometer veraltete Kupfer-Technologie in der Erde.
Heutige "sogenannte" Breitbandanschlüsse sind für Pichler in der Regel Mogelpackungen: "Theoretisch mögliche Übertragungsraten bei Kupferverbindungen von rund 1.500 Kbit werden in der Regel nicht einmal annähernd erreicht. Selbst Usern mit Glasfaser-Anschluss wird vom Provider keine höhere Bandbreite freigeschaltet, um die Leute mit Kupfer-Breitband nicht zu benachteiligen. Schließlich zahlen die ja das Gleiche für ihren Anschluss."
Kabel-X-Erfinder: "Marktumsetzung ist das Wichtigste"
Alois
Pichler hat mit seinen 37 Jahren schon eine ganze Reihe von Erfindungen zum Patent
angemeldet. Der Niederösterreicher ist jüngster Träger der "Kaplan-Medaille" und
wurde mit dem "Niederösterreichischen Innovationspreis" ausgezeichnet.
Für Kabel-X, sein innovatives Verfahren zur Umrüstung alter Telekom-Netze auf moderne Glasfaser-Technologie, sieht er ein gewaltiges Marktpotential.
"Wenn ich vor einem technischen Problem stehe, dann fängt das in mir zu arbeiten an bis ich eine Lösung gefunden habe. Auszeichnungen und Preise freuen mich natürlich, aber wirklich wichtig ist mir eher die Umsetzung meiner Erfindungen am Markt", so Pichler im Gespräch mit dem MONITOR. Und der Markt für Kabel-X ist groß. Vor allem in den Ballungsräumen sind viele Millionen Kilometer alte Kupfer-Technologie vergraben. In der EU wird der flächendeckende Ausbau von Breitband im Rahmen der Lissabon-Strategie gefördert.
Das Ziel: 3 Millionen km in zwölf Jahren
"Allein in den alten EU-Zwölf geht es um rund neun Millionen Kilometer. Unser Ziel ist, in den nächsten zwölf Jahren 30 Prozent davon auf Glasfaser umzurüsten", so Pichler. Auch in Übersee verzeichnet der Vertrieb von Kabel-X-Lizenzen schon Erfolge. Insgesamt gibt es bereits in 13 Ländern Lizenznehmer. Kabel-X fungiert dabei als Komplettanbieter (Maschinen, Spezialfluid, Glasfaser, Service). In 110 Ländern ist das Verfahren zum Patent angemeldet.
Die alte Weisheit, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, scheint sich für Österreich einmal mehr ganz besonders zu bewahrheiten. Während etwa für die Deutsche Telekom schon ein halbes Dutzend Aufträge umgesetzt wurden, gibt sich die Telekom Austria desinteressiert. "Die bremsen sehr. Überhaupt werden mir in Österreich bei der Umsetzung meiner Erfindungen immer viele Steine in den Weg gelegt", moniert Pichler.
Frühe "Faszination fürs Bohren"
In Waidhofen an der Ybbs geboren, arbeitete Pichler zunächst im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb, bevor er mit 18 in der Kabelverlegungsfirma des Vaters seine "Faszination fürs Bohren" entdeckte. Schon seit damals suchte er immer wieder nach Lösungen für einen grabenlosen Leitungsbau. Für die Erfindung von "Geoline", einer lasergesteuerten Vortriebsmaschine, erhielt er 1997 den Innovationspreis des Landes Niederösterreich. Für "System One", einem Spezialbohrkopf für Horizontalbohrungen, wurde er 2000 mit der Kaplan-Medaille des Österreichischen Erfinderverbandes ausgezeichnet.
Der dreifache Familienvater bewies auch in anderen Bereichen seinen Innovationsgeist. Unter anderem hält er ein Löschpatent für brennende Ölquellen (1991 wurde seine Lösung unter 4.600 technischen Löschvorschlägen auf Platz eins gereiht) und ist Erfinder eines flexiblen Lagersystems für radioaktive und chemisch-biologische Abfälle.




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 