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Netzwerktechnik

Dätwyler

Multimedia in der Praxis: Fernsehen aus der Datendose

Moderne Multimediasysteme ermöglichen heute die Übertragung aller Sprach-, Daten- und CATV-Dienste über ein einheitliches symmetrisches Kupferkabel. Die Bedarfsträger entsprechender Lösungen reichen von Großunternehmen über Messegesellschaften bis zur privaten Wohnungswirtschaft.

Rolf D. Richter

In Unternehmen taucht bei internen Umstrukturierungen häufig das Problem auf, dem Management oder auch der Marketingabteilung jedes Mal neue Fernseh- und Hörfunkanschlüsse legen zu müssen. Die Normungslage hat zwar dafür gesorgt, dass heute fast jedes Bürogebäude über eine universelle Gebäudeverkabelung für die Datenkommunikation verfügt, dass zumeist aber keine flächendeckenden Fernseh- und Hörfunkanschlüsse vorgesehen sind.

Alle Büros mit einem Kabelanschluss zu versehen - und das womöglich nachträglich -, verbietet sich schon aus finanziellen Gründen. Denn anders als im privaten Umfeld werden TV-Anschlüsse im Office-Bereich in der Regel nur in den Chefetagen, in einzelnen, speziellen Arbeitsbereichen oder in Informations- und Präsentationsräumen genutzt. Um keine unflexiblen Insellösungen zu schaffen, die im Falle von Umstrukturierungen und internen Umzügen ständige Neuinstallationen nötig machen, sind die IT-Abteilungen der Unternehmen gefordert, wirtschaftliche Alternativen zu bedarfsgerechten (Nach-)Verkabelungen zu schaffen. Hier bietet sich die Installation einer Multimedia-Lösung an, mit der sich auch Fernsehen, Video und Radio über das bestehende Datennetz übertragen lassen.

Eine solche Multimedialösung eignet sich natürlich nicht nur für nachträgliche "Aufrüstungen" eines Unternehmensnetzwerks, sondern auch für Neuinstallationen, insbesondere für solche, bei denen der Bauherr von vornherein darauf verzichten möchte, parallele Koaxverkabelungen für jeden Nutzer verlegen zu lassen. Typische Anwendungen sind zum Beispiel Hotels und Feriensiedlungen, Messen und Flughäfen oder auch größere Projekte im privaten Wohnungsbau. Dazu im Folgenden einige konkrete Beispiele.

Konzernzentrale

Vor eineinhalb Jahren ist der drittgrößte Haushaltsgerätehersteller weltweit, die BSH Bosch und Siemens Haushaltsgeräte GmbH, in die neue Konzernzentrale in München gezogen und hat dort rund 1.500 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen unter einem Dach vereint. Die BHS-Zentrale dient als Schaltstelle für die Kommunikation zwischen in- und ausländischen Standorten. In einigen Bereichen des neuen Hauptsitzes war es notwendig, Kabelanschlüsse für die Nutzung von TV- und Radioprogrammen einzuplanen. Für den internen Informationsfluss an die Mitarbeiter wollte die BSH außerdem Videoinformationen an zentrale Stellen, zum Beispiel auf eine Monitorwand in der Cafeteria oder in große Besprechungsräume, übertragen.

"Jede Umstrukturierung im Unternehmen geht mit Umzügen von Mitarbeitern einher. Immer wieder neue Koaxialkabel zu verlegen, ist aber nicht nur mit Kosten, sondern auch mit Lärm und anderen Unannehmlichkeiten während der Bauausführung verbunden", erklärt Thomas Leipold, Leiter Standort Technisches Facility Management bei der BSH. Dieses Problem wollte die IT-Abteilung im Neubau von vornherein vermeiden.

Auf der Suche nach einer geeigneten Technologie stießen die IT-Verantwortlichen auf die Multimedia Office Solution von Dätwyler. Um die zusätzlichen Breitbanddienste über symmetrische Kupferkabel übertragen zu können, ist bei diesem System lediglich der Einsatz eines TV-Panels im Etagenverteiler und eines kleinen Baluns (Balancer/Unbalancer) zwischen der Datenanschlussdose im Büro und dem jeweiligen TV-Gerät notwendig. "Das Prinzip ist relativ einfach", so Leipold. "Die hochfrequenten Kabelfernsehsignale werden durch die Baluns von der koaxialen Technik in symmetrische Technik transformiert und am Ende der symmetrischen Übertragungsstrecke wieder zurück gewandelt."

Bei jedem TV-Panel wird das Eingangssignal vor der ersten Inbetriebnahme einmal manuell eingestellt. Ein Schalter am Balun sorgt für die Anpassung auf die verschieden langen Strecken. Auch hinsichtlich der Reichweiten kann das System überzeugen. Die Signalaufbereitung im Panel und die technischen Möglichkeiten des Baluns sorgen dafür, dass Übertragungen von bis zu 90 Metern möglich sind. Bei der BSH war das für alle Etagen ausreichend.

In jedem der drei Gebäudeteile der neuen BSH-Konzernzentrale befindet sich im Keller ein Hausübergabepunkt. Von diesen Schnittstellen zwischen dem Carrier und dem hauseigenen Verteilnetz aus bezieht die BSH heute 34 analoge und 12 digitale TV-Programme sowie 38 Hörfunkprogramme. Diese Signale werden verstärkt und via Koaxialkabel zu den jeweiligen Netzknoten auf den Etagen transportieren. Hier kommen insgesamt acht TV-Panels zum Einsatz. Die weitere Verteilung der Signale erfolgt über die breitbandigen Kupferkabel des bereits bestehenden lokale Datennetzwerks (LAN). Dabei steht die Hälfte der Kupferleiter in den Kabeln weiterhin für Telefon- und Datendienste zur Verfügung. Die Baluns konnten in den BSH-Büros bequem in den geräumigen Bodentanks "versteckt" werden. Die TV-Geräte sind über handelsübliche Koaxialkabel angeschlossen. Auf diese Weise werden in der neuen Konzernzentrale nunmehr 20 Fernsehgeräte und Monitorwände über Datenkabel gespeist.

Messegesellschaft

Auch die Aussteller der Neuen Messe in Wien können an ihrem Stand seit Kurzem Fernseh- und Radioprogramme aus einer normalen RJ45-Datendose beziehen. Hier hat die Messebaugesellschaft MBG ein entsprechendes System flächendeckend installieren lassen. Die aktiven Komponenten des Multimediasystems befinden sich im Keller unter den Hallen. Von einem zentralen Standpunkt in der Hallenmitte aus verteilen jeweils aktive TV-Panels die aufbereiteten Signale über Kategorie-7-Kupferkabel zu den einzelnen Dosen.

Die "Rückumwandlung" erfolgt wiederum per Baluns, die in den Versorgungskanälen installiert sind. "Als Aussteller der IT'n'T hatten wir kürzlich die Gelegenheit, unsere eigene Technik zu testen", erklärt Andreas Klodner, Geschäftsführer von Dätwyler in Wien. "Der Empfang war bestens. Das haben uns auch die anderen Aussteller, die wir vor Ort darauf angesprochen haben, bestätigt."

Seniorenpark

Gute Erfahrungen mit einem solchen System hat im letzten Jahr auch der Betreiber des Seniorenparks Bammental gemacht. Bei der Ausstattung eines Erweiterungsbaus wollte der Betreiber, die Paritätische Sozialdienste GmbH, den zukünftigen Bewohnern in kommunikationstechnischer Hinsicht allen Komfort bieten. Hier wurden die Telefon-, Fernseh-, Hörfunk- und Internetanschlüsse in allen 49 Zimmern von einem ortsansässigen Elektrotechniker realisiert, der wiederum ein Multimediasystem einsetzte. "Bei dieser Überlegung war der wichtigste Aspekt, dass wir so wenig Leitungen und Anschlüsse wie möglich verlegen wollten", erklärt Wolfgang Anderl, der zuständige Installateur. "Wir hätten normalerweise jedes der 49 Zimmer in dem weitläufigen Gebäude mit drei verschiedenen Kabeln anfahren müssen. Aber das ist wirtschaftlich einfach irrsinnig. Außerdem hat es mich gereizt, einmal etwas Neues auszuprobieren."

Das von Anderl eingesetzte Uninet-Kabel besteht - anders als die meisten symmetrischen Datenkabel - nicht aus vier Leiternpaaren, sondern aus sechs. Und in den Zimmern selbst kamen keine Datendosen, sondern spezielle, formschöne Multimedia-Anschlussdosen zum Einsatz. Den Anforderungen entsprechend wurde unter den bei Dätwyler verfügbaren Dosenvarianten das Modell mit zwei RJ45- und zwei Koaxialbuchsen installiert. Der Balun ist in diesen Dosen fest integriert. Dank ihrer modularen Bauform können sie zudem bedarfsgerecht für Vorwärtsrichtung und/oder optional für Rückkanaldienste eingesetzt werden.

Kosten-Nutzen-Aspekt

Nach einem Jahr praktischer Erfahrungen mit der Multimedia-Lösung ist man bei der BSH sehr zufrieden: "Das System ist einfach zu planen und zu projektieren, und es lässt sich schnell montieren und in Betrieb nehmen", erklärt Thomas Leipold. "Wir können damit flächendeckend alle Büros versorgen, die über eine ganz normale Datendose verfügen." Im Falle eines internen Umzugs ist es lediglich notwendig, den Balun an die neue Datendose anzuschließen und die Bildqualität mit dem Schiebeschalter einzustellen. Dadurch kann die IT-Abteilung heute flexibel und schnell auf Wünsche der Nutzer reagieren.

"Die Nutzung des Datenkabelnetzes für die Hörfunk- und TV-Übertragung rentiert sich bereits, wenn jedes Jahr auch nur zwei Umzüge stattfinden, bei denen wir normalerweise die Antennenanschlüsse neu verlegen lassen müssten", rechnet Leipold vor.

Auch Wolfgang Anderl zieht eine positive Bilanz: "Die Technik hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht bestätigt. Der große Vorteil für den Anwender ist, dass man je nach Bedarf durch einfaches Umpatchen zum Beispiel aus einer Telefon- eine Datenleitung machen kann oder umgekehrt. Die Komponenten waren natürlich teurer als das Material bei herkömmlichen Projekten. Aber der Installationsaufwand ist insgesamt doch deutlich geringer. Dadurch konnten wir den vorgegebenen Kostenrahmen gut einhalten. Insofern rechnet sich dieses Konzept auch für den Auftraggeber."

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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