Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien sind längst zum integralen Bestandteil des medizinischen Alltags geworden und spielen bei der Sicherung der medizinischen Dienstleistungsqualität und der Ökonomie der Krankenhäuser eine herausragende Rolle.
Die Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) begann im Jahre 1999 mit der Suche nach einem langfristigen Partner in den Bereichen DMS und Archivierung. "Gesucht wurde ein universell einsetzbares, flexibles und zuverlässiges Archivsystem, welches die komplexen Anforderungen eines Krankenhausverbundes abdecken kann. Nach Abwägung der Konzepte, der Markterfahrung und der Referenzen vieler namhafter DMS-Anbieter haben wir uns für die SER als Partner entschieden", so Erich Feichtenschlager, Leiter der Abteilung Hardware- und Systemtechnologie der gespag-GesundheitsInformatik.
Integrierte Lösung für das "nahezu" papierlose Krankenhaus
Im Mittelpunkt der SER-Systemlösung steht die Archivierung der Krankengeschichte nach der Entlassung des Patienten, die damit verbundene Ablöse des Mikrofilmarchivs und die nahtlose Integration der Archivlösung in die Krankenhaus-Software mpa (medical process assistent) von Systema. Das Schwerpunktkrankenhaus Vöcklabruck wurde als Pilotkrankenhaus ausgewählt. "Gleiche Systeme in den gespag-Häusern sollen die Zusammenarbeit, den Wechsel der handelnden Personen und die Wartung erleichtern. Für die berechtigten Stellen in Medizin und Pflege soll es möglich sein, jederzeit einfach und schnell Einblick in die Originaldokumente der elektronischen Krankengeschichte zu nehmen. Unser langfristiges Ziel ist das nahezu papierlose Krankenhaus", skizziert Erich Feichtenschlager.
Nach einjähriger Planungsphase wurde im LKH Vöcklabruck 2001 mit dem Scanbetrieb der Krankengeschichten aus dem Stations- und Ambulanzbetrieb begonnen. Nach dem Ende eines stationären Aufenthalts wird die Krankengeschichte (ca. 80 Seiten pro Patient) gescannt und archiviert.
Um dem vollständig elektronischen Krankenhaus und vor allem dem "Online Krankenhaus" immer näher zu kommen, ist man darauf bedacht, bereits elektronisch vorliegende Dokumente direkt in das Patientenarchiv zu übernehmen. Ein Beispiel: In der Intensivstation werden die Werte der lebenserhaltenden Überwachungssysteme von einer speziellen Applikation (Sanitas) gesammelt und dokumentiert. Über eine eigens geschaffene Schnittstelle wird der Druckstrom des Vortages der Sanitas-Software speziell aufbereitet und archiviert. Täglich werden mit diesem Verfahren pro Intensivbett und Tag zwischen 20 und 30 Seiten direkt an das SER-Archiv übergeben und somit in der integrierten mpa-Benutzeroberfläche verfügbar gemacht.
Zusätzlich werden Dokumente, die der Patient in die Ambulanz mitbringt, gescannt und archiviert. Besonders interessant ist dabei, dass mit dieser von SER implementierten Lösung auch Fotos direkt in das Archiv übertragen werden können und so die stationären Ärzte schon vor der Überstellung von der Ambulanz zur Station Zugriff auf z.B. die fotografierte Wunde haben.
Der Anteil der bereits digital verfügbaren Daten liegt derzeit bei rund 40 Prozent und soll sukzessive weiter erhöht werden.
Patientenakten rund um die Uhr verfügbar
Die Vielzahl dieser technologischen Meilensteine trägt entscheidend zur Fokussierung auf die menschlichen und medizinischen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten bei. "Im Zeitalter der Mikroverfilmung konnte man nur an einer Stelle auf die Daten zugreifen. Jetzt ist der Zugriff auf die archivierte Krankengeschichte für alle berechtigten medizinischen Stellen gleichzeitig und rund um die Uhr möglich", so Feichtenschlager.
Die größte Veränderung entsteht durch die Art der Bereitstellung der elektronischen Dokumente. Statt wie bisher im Archiv eine Krankengeschichte ausheben zu lassen, kann der befugte Arzt selbst von seinem PC-Arbeitsplatz aus "auf Knopfdruck" die Krankengeschichte seines Patienten einsehen. Für die Integration in mpa wurde eigens der SER Client DOXiSeView entwickelt, der in der so genannten "dynamischen Aktbildung" verschiedene Sichten auf die Patientendaten erlaubt. Unterschiedliche Informationsbedürfnisse des behandelnden Arztes werden so flexibel abgedeckt.
Perfektes Teamwork
Am Beispiel des Pilotprojektes im LKH Vöcklabruck wird das perfekte Zusammenspiel der integrierten und zuverlässigen Systemlösungen der SER mit den Branchenlösungen des LKH deutlich. Das Mikrofilmarchiv wurde erfolgreich abgelöst, der diagnostische Informationsfluss verbessert und der sekundenschnelle Zugriff auf die archivierte Krankengeschichte ermöglicht. Jährlich werden im gesamten gespag-Verbund 201.000 Krankengeschichten im stationären und 353.000 Krankengeschichten in der ambulanten Patientenbetreuung archiviert.
Insgesamt handelt es sich um eine Größenordnung von 5.000.000 Seiten pro Monat. Im Endausbau ist ein durchschnittliches Jahresvolumen von 1,1 Terabyte zu erwarten. "Ein Papierarchiv wäre für die gespag aus Platz- und Kostengründen längst nicht mehr zu bewältigen", bringt es Feichtenschlager auf den Punkt. Bis Ende 2005 werden alle 11 gespag-Häuser in die SER Archivlösung eingebunden. Anfang 2005 wurde SAP in allen Häusern für die Bereiche FI, CO, MM und AA eingeführt. In einem Nachfolgeprojekt wird der Einsatz der SER-Archivlösung geprüft.
Aktuelle Highlights
Die Ausfallsicherheit, Kapazität und Performance konnte mit dem Projekt "Storage+", das im Dezember 2004 abgeschlossen wurde, weiter erhöht werden. In das System integriert sind 2 TLX Tape Libraries von SER. Somit steht ein Gesamtvolumen von 500 TB zur Verfügung. Jedes Dokument steht auf folgenden Medien zur Verfügung:
- auf hochperformanten Festplatten (EVA 5000 von HP);
- auf WORMs, die sich in der SER Jukebox JB5 befinden;
- auf Tapes in der Tape Library.
Zur Verbesserung der Performance und Ausfallsicherheit werden die drei Speichergenerationen auf den zweiten Standort im KH Steyr automatisch gespiegelt.
Die gespag - regionale medizinische Versorgung in Oberösterreich
Die Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) betreibt elf Krankenhäuser an fünfzehn Standorten, davon acht Allgemeine Krankenhäuser und drei Sonderkrankenhäuser mit insgesamt rund 4.050 Betten. Mit einem Marktanteil von knapp 42% und rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die gespag der größte Krankenhausträger und zugleich größter Arbeitgeber in Oberösterreich. Die gespag bekennt sich zu einer regionalen, in das jeweilige sozio-kulturelle Bild der einzelnen Regionen eingebetteten, medizinischen Versorgung. Um den Patienten eine möglichst umfassende Behandlung und eine hohe Sicherheit zu gewährleisten, kooperieren mehrere Häuser in einer Region




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8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 