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Strategien

Konferenzbericht SAP Sapphire

Kooperationen zum Erfolg

Nach drei Jahren Pause fand heuer in Kopenhagen wieder eine europäische Sapphire statt, die zentrale Kunden- und Partnermesse von SAP. SAP-Chef Henning Kagermann rief einmal mehr zur Innovationsoffensive in Europa auf - das ja 2010 der wettbewerbsstärkste Markt sein will - und kündigte interessante Kooperationen etwa mit Microsoft, HP und Intel an.

Rüdiger Maier

Am Weg zum Bella-Konferenzzentrum am Rande von Kopenhagen fährt man an neuen Bürogebäuden namhafter IT-Hersteller vorbei. Auch Dänemark - das sich dem Euro verweigert hat - setzt also auf die Hoffnungen Europas, mit IT zu neuer Wettbewerbsstärke zu gelangen. Dies ist jedenfalls das erklärte Ziel des SAP-Chefs, der bereits 2007 IT "embedded" in allen Geschäftsabläufen sehen will. Zentrales SAP-Produkt dafür ist die Middleware-Lösung NetWeaver, die als BPP (Business Process Platform) in die Rechenzentren einziehen soll, um so die ESA-Philosophie (Enterprise Services Architecture) zu verankern.

"Die Wirtschaft fragt bereits heute Enterprise Services nach, und unser ESA-Ansatz erlaubt es, flexibel und schnell auf neue Kundenwünsche zu reagieren", so Kagermann. Damit würden die Prozesse im Unternehmen endlich nach wirtschaftlichen Regeln in der IT abgebildet, es ließe sich eine gemeinsame Strategie entwickeln, die die geforderte Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen soll.

Eine gemeinsame Strategie verbindet SAP und Microsoft jedenfalls im Projekt "Mendocino": "Gemeinsam mit Microsoft werden wir die SAP-Prozesse bis zum Desktop bringen", kündigt Kagermann das Produkt für Pilotanwender für Ende des Jahres an. Die Lösung wird SAP-Prozesse etwa für Zeitverwaltung, Budgetkontrolle, Betriebsorganisation oder Reise- und Spesenabrechnung direkt mit Microsoft Office integrieren. Im Rahmen der erweiterten Partnerschaft wurde auch vereinbart, die komplette Lösung gemeinsam zu vermarkten. Das schließt ein, dass SAP zukünftig MS Office und Microsoft Lizenzen der BPP von SAP verkaufen wird, die vorgefertigte Geschäftsprozesse in Form von Enterprise Services bereitstellt.

Mobile Lösungen

"Unsere Mobilitätslösungen haben ursprünglich in der Lagerwirtschaft für Anwendungen in einem Unternehmen ihren Ausgang genommen", erläutert Thomas Lach, VP Mobile Business Solutions bei SAP in Walldorf im MONITOR-Gespräch. Heute sei man da natürlich schon viel weiter und unterstütze etwa viel Service- und Verkaufs-Prozesse.

"Ein Service-Mitarbeiter kann so mobil sofort feststellen, welche Bauteile in einem Gerät enthalten sind, das er reparieren soll", nennt Lach ein Beispiel aus der Praxis. Dabei wird meist "rollenbasiert" vorgegangen: "Wir übermitteln dem Nutzer mobil nur das, was er wirklich braucht. Damit bleibt die Datenmenge gering." Oft wird zur Fehlervermeidung auch über ein "Expertensystem" der Arbeitsfluss vorgegeben. Dazu war in einer Präsentation in Kopenhagen etwa das SAP-Tool "Mobile Asset Management" (MAM) bei der voestalpine zu sehen. Es nimmt dem Anlagenkontrollor den Papierkram bei den Kotrollgängen ab. Er findet auf seinem Handheld alle ihm persönlich zugeordneten Tätigkeiten und kann diese Schritt für Schritt abarbeiten und gleich elektronisch dokumentieren. Die Daten werden anschließend automatisch in das SAP-Modul PM überspielt, die aufwändigen händischen Eingabearbeiten entfallen. Umgesetzt wurde das Projekt von der voestalpine IT zusammen mit der Linzer Firma EINS.

Waren es früher oft "Nischenlösungen" mit hohem Pflegeaufwand, so bewegt sich auch in der mobilen Szene alles hin zum Standard: "Wir sind nun häufig dabei, Pilot-Projekte auf Standardlösungen umzustellen." NetWeaver ist die Basis für Applikationen, die auf verschiedenen Endgeräten laufen können. "Die Technik ist heute schon gut ausgereift. Daher verkaufen wir nicht mehr über Technologie, sondern sprechen mit den Kunden über ihre Prozesse", so Lach. SAP sieht sich im mobilen Bereich als Technologieanbieter, der den Partnern die Möglichkeit gibt, industriespezifische Lösungen aufzusetzen. "Der Mobil-Markt bietet ein interessantes Wachstum. In Zukunft werden Lösungen ganz individuell einfach durch Anklicken installier- und nutzbar sein. Dann kann sich jeder Nutzer sein persönliches Mobil-System zusammenstellen", blickt Lach voraus.

100 analytische Anwendungen

Shai Agassi, Vorstandsmitglied der SAP und Präsident der Product and Technology Group, führt in seiner Key Note durch die fünf Bausteine der ESA. Als wichtige Neuerung stellte er dabei über 100 analytische Anwendungen für mehr als 25 Branchen vor. Jede Anwendung adressiert spezifische Lösungsbereiche wie etwa Produktion, Lieferanten- oder Kundenbeziehungsmanagement oder Product Lifecycle Management. Beim sicher gut eingeübten Live-Test überzeugten die Anwendungen mit ihrer Performance und einer klar strukturierten Benutzoberfläche. "Die SAP Analytics-Anwendungen unterstreichen die wirtschaftlichen Vorteile unserer Enterprise Services Architecture, denn Firmen können neue, innovative Geschäftsprozesse analysieren und umsetzen, ohne die darunter liegende Informations- und Anwendungsbasis umbauen zu müssen", erklärt Agassi.

Die Analyse-Werkzeuge umfassen eine neue Art modell-orientierter, zusammengesetzter Applikationen - Composite Applications -, mit denen Anwender wichtige Geschäftsprozesse und Unternehmensentscheidungen auf Basis von Echtzeitinformationen vorantreiben können. So werden Daten aus SAP-Lösungen und Fremdsystemen mit Business Intelligence-Abfragen kombiniert und liefern eine durchgängige Sicht auf relevante Unternehmensdaten. Die analytischen Anwendungen werden voraussichtlich im vierten Quartal 2005 als Zusatzlösungen angeboten.


Flexibilität für Business Intelligence

Als Ergebnis eines gemeinsamen Entwicklungsprojekts mit HP und Intel präsentiert SAP eine kostengünstige Verfahrenstechnik, mit der SAP NetWeaver Business Intelligence höhere Verarbeitungsleistung und Flexibilität erreicht. Die Funktionalität kombiniert Technologien der drei Entwicklungspartner und beschleunigt den Systemdurchsatz der neuen analytischen Anwendungen. Gemeinsam mit Intel entwickelt, ist die Technologie mit dem Zusatz "Enterprise Services Ready" integraler Bestandteil der SAP NetWeaver-Plattform und wird auf den HP ProLiant Servern sowie den Storage Area Network(SAN)-Lösungen HP StorageWorks vorinstalliert angeboten. Neben seinem Engagement bei der Entwicklung ist HP auch der erste Vertriebspartner der SAP für das neue Angebot, das mit der nächsten Version von SAP NetWeaver noch im Laufe des Jahres verfügbar sein wird.


Mehr Effizienz im Gesundheitswesen

SAP und Siemens verbindet seit kurzem eine globale strategische Allianz im Gesundheitswesen. Gegenstand der Kooperation ist eine integrierte IT-Lösung, welche die Patientenversorgung verbessern, Effizienz und Transparenz erhöhen sowie die Gesamtbetriebskosten senken soll. Die Siemens Soarian- und SAP-Healthcare-Lösung basiert auf der Integrationsplattform SAP NetWeaver und wird zunächst in USA, Deutschland und Japan angeboten.

Mit dieser Lösung lassen sich diagnostische und therapeutische Prozesse besser koordinieren, Bettenauslastung und Behandlungspläne optimaler gestalten und steuern. Die Lösung wird umfassende Werkzeuge für das Patientenmanagement bereitstellen und den administrativen Aufwand deutlich reduzieren. Gesundheitsdienstleister können bereichsübergreifende Geschäftsplanungen, detaillierte Finanzanalysen sowie Aufgaben des Personalwesens durchführen. Interne und externe Beschaffung und Logistik, Gerätewartung und andere Geschäftsprozesse werden besser unterstützt.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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