Alexander Hackl
Wollte man den Prototyp des jungen, erfolgreichen New Economy Unternehmers auf dem Reißbrett entwerfen, er würde wahrscheinlich wie Oliver Krizek aussehen. Der 34-jährige HTL- und Wirtschaftsuni-Absolvent, der sich im eigenen Lebenslauf als "visionär", "weit blickend" und "stark belastbar" beschreibt, hat jedenfalls allen Grund, selbstbewusst zu sein. Seit ihrer Gründung hat die Naviconsult in mittlerweile 350 Projekten für 10.000 Arbeitsplätze Softwarelösungen implementiert, die von 70 Mitarbeitern an vier Standorten (Wien, Graz, Linz, Salzburg) auch laufend serviciert werden.
Unter den Kunden finden sich klingende Namen wie die Österreichischen Galerien, die Wiener Börse, Kapsch, AWD oder der Tiergarten Schönbrunn. Das Portfolio umfasst die gesamte MBS-Palette - "Navision" als ERP-Lösung für das klassische mittelständische Wirtschaftssegment, "Axapta" für den gehobenen Mittelstand und MS-CRM (Customer Relationship Management) zur Integration von Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern in das Business-System des Unternehmens.
Obschon es landläufig als Nachteil gilt, nur einen Lieferanten zu haben, so hält sich dieses Risiko doch in engen Grenzen, wenn der Lieferant Microsoft heißt. Krizek: "Wir haben mit unserer Arbeit nicht nur das Vertrauen unserer Kunden, sondern auch das von Microsoft gewonnen." 2004 ist man zum "Gold Certified" MBS-Partner avanciert. Der wesentliche Vorteil von MBS-Produkten, so Krizek, liege darin, dass sie keine Insellösungen seien, sondern leicht integrierbare, einfach zu bedienende und flexible Softwarelösungen darstellten, die branchenspezifisch - entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Kunden - implementiert werden könnten. "Je besser Prozesse wie Rechnungswesen, Logistik, Produktionsplanung und -steuerung, Projektmanagement, CRM und Analyse ineinander greifen, desto produktiver ist das Unternehmen", so Krizek.
Expansionspläne
Während der ERP-Markt für Großunternehmen von SAP "abgedichtet" sei, sieht Krizek im KMU-Bereich noch erstklassige Wachstumschancen. Mit Unternehmenszukäufen will man nicht nur die führende Marktstellung in Österreich ausbauen, sondern auch das Osteuropa-Geschäft forcieren.
"Unser Ziel ist es, in Osteuropa zentraler Ansprechpartner für Microsoft Business Solutions Projekte zu werden", erklärt Krizek. Naviconsult ist bereits in Ungarn, Tschechien, Bulgarien, Slowenien und Kroatien aktiv. "Teilweise arbeiten wir dort schon mit lokalen Partnern zusammen. Die übernehmen aber vorwiegend nur den gesetzlichen Part. Ein Großteil der Wertschöpfung bleibt in Österreich", betont Krizek. Naviconsult ist auch Teil von "Partner-Power", einer Vereinigung von 30 Navision-Partnern mit dem Ziel, internationale Projekte an Land zu ziehen. Naviconsult hat dabei die Exklusivrechte für Österreich und Ungarn.
Neues Gewinnwertpapier
Finanziert werden sollen die Expansionspläne unter anderem durch die Mittel aus einem neuen, von der BA-CA seit Jänner zur Zeichnung aufgelegten "Gewinnwertpapier-Basket", der aus vier wachstumsorientierten österreichischen Mittelbetrieben besteht. Der 4,2 Millionen Euro starke Basket bringt Unternehmer mit Anlegern zusammen und erlaubt die Beibehaltung der bisherigen Eigentümerstruktur.
Neben Naviconsult mit 23,8 Prozent sind im Basket die Kröll Lufttechnik (Hersteller von Anlagentechnik, Tirol) mit 28,6 Prozent, iku windows (Hersteller von Fenstersystemen, Wien) mit 23,8 Prozent und MLU - Monitoring für Leben und Umwelt (Hersteller von Umweltmesstechnik, NÖ) mit 23 Prozent vertreten. Für Privatanleger ist ein Investment in diese vier vorbörslichen Wachstumsfirmen bis 70.000 Euro durch das Austria Wirtschaftsservice zu 100 Prozent abgesichert. Auf Basis geprüfter Vorschaurechnungen wird eine jährliche Rendite von rund 10 % erwartet.
"Wir sehen das als Test für einen möglichen Börsegang. Das Papier entwickelt sich deutlich besser als geforecastet", freut sich Krizek. Naviconsult habe 2004 mit 10 Prozent Umsatzwachstum das erfolgreichste Jahr hinter sich. Für 2005 erwarte man sogar zwischen 10 und 20 Prozent Wachstum. Derzeit ist Naviconsult in rein österreichischem Besitz und zu 100 Prozent eigenkapitalfinanziert. Eigentümer ist das gesamte Management, wobei Krizek die Mehrheit hält.
Vortragstätigkeit
Neben seiner Manager-Tätigkeit ist Krizek mittlerweile auch gefragter Vortragender im universitären Bereich. So lehrt er dieses Jahr an der Fachhochschule Steyr und hält darüber hinaus noch zwei Mal jährlich Vorträge an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Schon während des Studiums gründete Krizek - mittlerweile auch zweifacher Familienvater - eine EDV-Firma. 1997 wurde die "Infovision" zertifizierter Navision-Partner und wuchs schnell zum größten Mitbewerber von Naviconsult heran. Seit der Fusion der beiden Unternehmen 2003 fungiert Krizek als Vorstand für Finanzen, Marketing und Kooperationen.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 