Rüdiger Maier
Als Eismann in die Wüste zu gehen ist wohl für viele ein Traumjob. Einem Österreicher gelang dies kürzlich, wenn auch nur aufgrund eines undeutlich ausgesprochenen Namens: "I like your name, Mr. Iceman!" So wurde nämlich DI Bernhard Isemann, Geschäftsführer der Syscom Holding, beim ersten Gespräch mit seinem Geschäftspartner in Dubai begrüßt. Der Name blieb ihm - man nennt ihn anerkennend im Restaurant im obersten Stock des berühmten Hotels Burj-al-Arab - und führte ihn zum Erfolg.
Kein Wunder, dass man sich in dem zu den Vereinigten Arabischen Emiraten zählenden heißen Wüstenstaat nach Abkühlung und Eis sehnt. "Im Sommer wird es hier so heiß und schwül, dass man sich am besten in die Wüste zurückzieht, wo viele Ausländer ihre Häuser haben", erzählt Isemann aus eigener Erfahrung. Er kam vor drei Jahren in das boomende Dubai und versuchte hier zunächst im Alleingang mit viel Einsatz, die Geschäfte für Syscom aufzubauen.
Fertigung für VOIP-Telefone
Gekrönt wurde das Engagement nun durch die Besiegelung eines 60:40 Joint-Ventures zwischen der Risikokapitalfirma Dubai Investments und der Raiffeisen Informatik Beteiligungs GmbH. Damit wurde die erste Produktionsstätte von Telefonsystem- und Netzwerkkomponenten in Dubai fertiggestellt. In der kleinen Fertigungshalle stehen die weltweit im Einsatz befindlichen Leiterplatten-Bestückungsautomaten von Siemens sowie die zugehörige Lötanlage. Die VOIP-Telephone aus der ebenfalls zur Raiffeisen-Gruppe gehörenden Aphona werden dann händisch - die Arbeitskräfte in Dubai stammen meist aus Indien, Pakistan oder von den Philippinen - zusammengestellt.
Die bis zu 100.000 hier jährlich produzierten Telefone sollen später auch in die Golfregion exportiert werden. "Die Golfregion ist derzeit ein Raum, der Geschäftsleute aus aller Welt anzieht", hat Mag. Hartmut Müller, Geschäftsführer Raiffeisen Informatik und Raiffeisen Informatik Beteiligungs GmbH beobachtet. "Wir erwarten uns gute Geschäft durch den Bauboom in Dubai und haben auch bereits einen Großauftrag für die IT- und Telefonverkabelung bei der Erweiterung des Flughafens in Dubai an Land gezogen", so Isemann stolz.
Gut vier Mrd. Dollar sollen in den kommenden Jahren in den Terminal 3 investiert werden. Doch damit nicht genug: "Die Planungen für den neuen Flughafen, der gleich nebenan errichtet werden wird, haben bereits begonnen. Er wird der größte Flughafen der Welt sein, sechs Start- und Landebahnen haben und ist für 120 Mio. Passagiere/Jahr ausgelegt", erzählt uns mit leuchtenden Augen Omar al Messar, CEO des Dubai Investment Park. Und auch der Westteil des Investment Park sei bereits voll ausgebucht, der östliche Teil ist in Entwicklung. "Hier sollen um 2010 im Endausbau auf 32 qkm 120.000 Menschen leben und arbeiten. Es werden 1,5 Mrd. Dollar investiert, um über 300 Firmen, 9 Schulen sowie Schulungs- und Wohnräume zu errichten." Damit wird dieser Industriepark - der nur für mittlere Produktionsmengen gedacht ist - der größte im Nahen Osten sein.
Das Öl geht zur Neige
"Eine der Haupttriebfedern für den Boom in Dubai ist die Tatsache, dass hier in vier bis fünf Jahren das Öl ausgehen wird", erläutert Dr. Nikolaus Seiwald, der österreichische Handelsdelegierte mit Sitz in Abu Dhabi. Und wirklich sieht man bei der Fahrt durch das weitläufige Stadtgebiet eine unüberschaubare Zahl an Bauprojekten, darunter die bereits berühmten künstlichen Inseln im Meer oder das mit 560 Metern höchste Gebäude der Welt, der Burj Dubai, der 2008 fertig sein soll. Gebaut wird hier nur von Fremdarbeitern, die sich mit 300-500 Euro Monatslohn das teure Leben in den Emiraten sicher nicht leisten können, sondern in billigen Unterkünften leben.
In den VAE sind 68 österreichische Firmen tätig (16 Niederlassungen), darunter etwa Swarovski, Hörbiger (Ventile), die Strabag oder die Firma Kleindienst. Etwa 45 Joint Ventures wurden gegründet, der Export aus Österreich beträgt 215 Mio. Euro. Auch der Tourismus, so Seiwald, soll sich von heute 5 Mio. Besuchern auf 15 Mio. bis 2010 ausweiten. Dabei ist Dubai als touristisches Ziel allerdings nicht vorne, da man hier interessante arabische Bauwerke oder Kunstschätze vergeblich sucht. Bei der Rundfahrt im Hafen stechen nur die modernen Hochhäuser, ein Ikea, ein angeblich sehr schöner Golfplatz und die österreichische Seilbahn ins Auge, die Besucher über eine Parkanlage gondeln lässt.
Wirtschaftlich sieht Seiwald aber gute Potentiale für heimische Firmen: Energie, Infrastruktur, Wasserentsalzung, Müll, Recycling oder Baustoff-Erzeugung seien jedenfalls Wachstumsmärkte. Im letzten Jahr haben in Dubai und Abu Dhabi neue Börsen eröffnet, die derzeit vorwiegend für Einheimische offen stehen und regelrecht boomen. Auch für Syscom bestehen angeblich Pläne, letztlich hier an die Börse zu gehen.
Alles aus einer Hand
Syscom Netzwerkinstallationen und Handel mit Systemkomponenten ist seit 1991 im Bereich der Netzwerktechnologie tätig und kann auf den Erfahrungsschatz von mehreren 1000 Kilometern installierten Kabel unterschiedlichster Typen von Kupfer bis Glasfaser, über 500.000 installierte Datenplätze und rund 5.000 USV-Anlagen zurückblicken.
Mit dem Unternehmenskonzept, sich ausschließlich auf die Verkabelung von EDV-Netzwerken zu konzentrieren, wurde ein erfolgreiches Marktsegment gefunden. Das Unternehmenskonzept "Alles aus einer Hand" zeigt sich neben den Standardleistungen (Beratung, Planung, Lieferung, Installation, Wartung) u.a. in der Generalunternehmertätigkeit bei der Ausstattung von Rechenzentren (Zwischenböden, Klimatisierung, Passivkomponenten, Schranksysteme und Überwachung aller Professionisten).




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 