Andreas Roesler-Schmidt
Nahezu zeitgleich brachten Sony mit dem Vaio A317S und Toshiba mit dem Qosmio G20 neue Multimedia-Laptops auf den Markt, die einiges gemeinsam haben und doch unterschiedliche Konzepte bieten.
Beide sind schwergewichtige 17-Zoll-Riesen, die man ohne triftigen Grund (wie eine Anwendung, die große Bildfläche oder die Multimedia-Fähigkeiten unterwegs erfordert) kaum mobil zum Arbeiten einsetzen wird. Man trägt die Geräte vielleicht von Zimmer zu Zimmer oder bestenfalls ins Wochenendhaus. Die großen rundlichen Standfüße des Qosmio, wie man sie von Hifi-Geräten kennt, zeigen deutlich, dass es weniger Mobilgeräte als vielmehr Desktops im Klappformat sind. Und sie geben ein Indiz für die Nähe zur Hifi-Landschaft.
Beide Laptops vereinen TV-, Audio- und DVD/Festplattenrekorder-Funktion in einem PC. Während der TV-Tuner bei Toshiba im Gerät eingebaut ist, steckt er bei Sony in der standardmäßig mitgelieferten Dockingstation. Vorteil des eingebauten Tuners - man hat ihn im Gerät immer dabei, sollte man es tatsächlich mobil einsetzen. Vorteil der Dockingstation: Sie enthält neben dem Tuner auch einen "richtigen" Hifi-Verstärker, der die serienmäßigen externen Boxen mit ausreichend Kraft versorgt. Die internen Lautsprecher des Qosmio schwächeln dagegen trotz Kraft suggerierendem Design. Nicht zu unterschätzender weiterer Vorteil der Dockingstation - sie nimmt dank zahlreichen Schnittstellen Kontakt zu allen Hifi/TV-Geräten auf und hält ihn auch aufrecht, wenn man den Notebook rausnimmt, um beispielsweise mal auf der Terrasse zu arbeiten. Mit einem Einrast-Klick ist der Sony dann wieder mit allen Geräten verbunden, während beim Qosmio die Aus- und Einstöpselei nervt.
TV und DVD auf Knopfdruck
Die
hier verlorene Zeit kann der Toshiba aber wieder wettmachen: TV oder DVD schauen
kann man auf Knopfdruck und ohne Windows-Hochfahren. Dafür sorgt im Hintergrund
eine eigene versteckte Linux-Partition. Erst wenn man Programme auch aufzeichnen
will, muss man Windows - in der Media Center Edition - starten. Ob einem die
Windows Media Center-Oberfläche gefällt, ist letztendlich Geschmacksache. Für
mein Gefühl ist die am Vaio eingesetze Sony-eigene Medien-Software "Vaio Zone"
insbesondere vom weiten - also im "Fernsehabend-Abstand" -deutlich besser zu
bedienen. Das liegt am viel klareren und besser lesbaren Screendesign. Dafür
ist der Elektronische Programmguide (Bestandteil von Windows Meda Center) am
Toshiba besser integriert. Die Programmdaten werden in beiden Fällen aus dem
Internet bezogen. Die Vaio-Software enthält außerdem alles notwendige, um weiteren
Vaio-Geräten als Multimedia-Server zu dienen.
Von außen betrachtet ist der Qosmio der offensichtlichere Multimedia-Spezialist. Ohne Dockingstation sieht der Vaio aus wie ein gewöhnlicher (aber extragroßer) Sony Arbeits-Laptop. Lediglich für die Lautstärke gibt es Extratasten am Gerät, sonst verrät nichts die Multimedia-Features. Der Toshiba versteckt sich ein wenig hinter seinem lieblosen Äußeren. Aufgeklappt zeigt die Innenseite aber elegantes Hochglanzschwarz, aus dem vor allem ein extragroßes (analoges) Alu-Drehrad für die Lautstärke hervorsticht - und die Hifi-Tauglichkeit optisch signalisiert. Auch für die übrigen wichtigen Multimedia-Funktionen befinden sich Extra-Tasten am Gerät. In der Praxis wird man die aber bei beiden Laptops mit der Fernbedienung aufrufen.
Luxuriöse Preise
Aufgrund der Größe und Unhandlichkeit taugen beide Laptops wahrscheinlich am meisten fürs Kinderzimmer, wo es aus Platzgründen gilt, möglichst alle Funktionen in einem Gerät abzudecken - was beide tadellos erfüllen. Der Qosmio ist mit 3200-3600 Euro sehr teuer und wohl auch nur dann sinnvoll, wenn wirklich die übrigen Geräte (TV, DVD, HDD-Rekorder) ersetzt werden sollen.
Der Vaio ist mit 2700 Euro etwas preiswerter. Wer an mehr als einem Standort fernsehen will, wird aber den integrierten Tuner vermissen. Das schönste am Vaio ist eigentlich die Multimedia-Dockingstation. So etwas würde ich mir für wesentlich kompaktere, auch zur mobilen Arbeit taugliche Geräte wünschen. Und die Idee, die Dockingstation zur Serienausstattung zu machen, sollte sich auch für Business-Notebooks durchsetzen.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 