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Wirtschaft

Kommentar von Erich Bonnert

Vom Suchen und Finden

Google hier, Google dort, Google überall - gibt es eigentlich noch etwas, was Google nicht findet? Na, deinen Autoschlüssel beispielsweise, würde meine Frau jetzt sagen - ohne ihren Ordnungssinn bin ich in solchen Fällen meistens aufgeschmissen.

Erich Bonnert

Aber im Ernst: Bei den meisten Computeranwendern verschwinden viele Informationen und Dateien auf dem eigenen Rechner. Der Datenwust aus Ordnern, Dateien und E-Mails wird viel zu schnell unübersichtlich und für eine langfristig wirksame Organisation fehlt einfach immer die Zeit. Ein kleines Startup-Unternehmen namens Blinkx aus San Francisco hat die Desktop-Suche als unbestelltes Feld für sich entdeckt und will es beackern, bevor die Größen im Suchgeschäft wie Google, Yahoo und MSN dort zuviel Wasser abgraben. Denn seit Microsoft und Apple angekündigt haben, die Desktop-Suche in ihren Betriebssystemen zu verankern, sind auch die schlafenden Riesen tätig geworden.

Blinkx aber hat einen ganz neuartigen Suchansatz entwickelt, der nicht mehr - wie bei den klassischen Suchmaschinen - auf der Eingabe von Schlüsselwörtern und Bool'schen Operationen beruht. Das Programm wird nach kostenlosem Download lokal installiert und ist bei jedem Systemstart als Balken am Bildschirmrand sichtbar. Blinkx verlangt keine Eingabe von Suchbegriffen, sondern durchsucht automatisch im Hintergrund den gesamten Festplatteninhalt und legt alle drei Minuten einen aktualisierten Index an. Dokumente, mit denen der Benutzer gerade arbeitet, werden damit verglichen. Dann läuft eine Suchliste von potentiell verwandten Dateien permanent wie in einem Nachrichtenticker auf dem Monitor ab. Wen das bei der Arbeit stört, kann das Ergebnisfenster auch abschalten und nur bei Bedarf aktivieren. Das Komfortable daran ist indessen, dass ich mir nicht merken muss, wo ich eine Datei vorher gespeichert habe und wie sie heißt.

Blinkx analysiert Textdateien, Tabellen und Powerpoint-Präsentationen ebenso wie Bilder, Musik, Video und E-Mails. Über 200 Dokumentformate werden durchsucht und übersichtlich in sogenannte "schlaue Ordner" gruppiert. Dort kann der Anwender auch selbst Dateien ablegen. Oder er gibt einfach Schlüsselbegriffe vor - wie etwa den Namen und Datum eines Projekts oder eines Korrespondenten - und Blinkx füllt die Ablage von selbst mit Dokumenten jeglicher Herkunft, die dazu in Beziehung stehen. Man kann die Anzahl der Dokumentarten aber auch einschränken - damit nicht gleich wieder ein neues Datenchaos entsteht. Dabei schliesst Blinkx auch alle Fundstellen im Internet mit ein. Allerdings ist der Suchraum bei Blinkx mit rund 1,5 Milliarden Seiten deutlich kleiner als Googles Riesen-Index von acht Milliarden Seiten. Blinkx-Anwender können daher für die Web-Suche auch auf andere Suchdienste zurückgreifen.

Der Neuling will nicht direkt mit den Marktführern konkurrieren, erklärt der Gründer und Chefentwickler Suranga Chanratillake. Der Brite ist Informatik-Absolvent der Cambridge-Universität und hat ausgiebig Erfahrung mit Suchtechniken gesammelt bei Firmen wie Autonomy und Yahoo. Auch sein Mitgründer Mark Opzoomer kennt die Konkurrenz aus seiner Zeit bei Yahoo und bringt den Management-Hintergrund mit: Er hat die London Business School sowie die Eliteschule IMD in Lausanne absolviert und war zuvor Finanzexperte bei Price-Waterhouse.

Selbst das cleverste Startup muss natürlich schnell auf den Beinen sein, wenn es zwischen Elefanten wie Google, Yahoo und Microsoft tanzen will. Blinkx hat es bisher geschafft, den Riesen immer einen Schritt voraus zu sein. "Man muss sich auf etwas konzentrieren, was die anderen nicht tun", verrät Chandratillake. Niemand beherrscht Schlüsselwörter besser als Google - daher sucht Blinkx lieber im Kontext der Dokumente. Yahoo und Google durchforsten Videos nach Metadaten. Blinkx umgeht die Metadaten und transkribiert alle Videos erst per Spracherkennung in Text. So werden auch gleich die relevanten Stellen im Film gefunden, während man bei den anderen Suchergebnissen das Video erst bis zum gesuchten Stichwort anschauen muss.

Was Blinkx mit ihrer Technologie noch nicht gefunden hat, ist eine Einnahmequelle. Derzeit leben Chandratillake, Opzoomer und ihre rund 30 Mitarbeiter von den 10 Millionen Dollar Risikokapital, das mehrere Privatinvestoren zusammengelegt haben. Geplant sind Werbeanzeigen in den Ergebnisfenstern. Mit Videoproduzenten wie CNN ließen sich Provisionen aushandeln, etwa wenn ein Anwender gebührenpflichtige Beiträge herunterlädt, glaubt Chandratillake. Das Suchgeschäft ist schon jetzt riesig und bietet ein noch weitaus größeres Potenzial, konstatiert Medienanalyst Gary Stein von Jupiter Research: "Auch kleine Firmen können Gewinne machen, wenn sie die richtige Nische finden."

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Apple Computer hatte seit langem schon eine Desktop-Suchfunktion für seine neue Betriebssystemversion MacOS "Tiger" versprochen. Diese Funktion mit dem Namen "Spotlight" gilt als eines der Lieblingsprogramme von Apple-Gründer Steve Jobs. Lange Entwicklungs- und Erprobungsphasen mit zahlreichen Beta-Testern wurden angesetzt, um es möglichst perfekt zu machen: schnell, präzise und komfortabel.

Seit Ende April ist Spotlight nun auf dem Markt - da gewährt überraschend auch Microsoft erste Einblicke in die nächste Windows-Version "Longhorn", das ebenfalls eine Suche nach lokalen Dateien enthalten wird. Über die Medien und öffentliche Auftritte liefern sich die Kontrahenten nun immer wieder kleine "Suchgefechte". Einige Ähnlichkeiten zwischen Longhorn und Spotlight sind nämlich recht verblüffend und bei Apple stichelt man nun, dass der große Rivale möglicherweise abgekupfert hat.

In Redmond weist man solche Vorwürfe kategorisch zurück: Eine integrierte Suchmaschine war schon lange geplant und sei bereits im Frühstadium Ende 2003 gezeigt worden. Es sei eher denkbar, dass die Mac-Entwickler vielleicht etwas kopiert hätten, sagte Windows-Entwicklungschef Jim Alchin kürzlich in einem Interview. Da sind die Wellen bei der Apfel-Firma und ihren Anhängern natürlich erst recht hochgeschlagen. Der Sturm wird sich aber recht bald gelegt haben, denn Tiger bietet den Anwendern außer der Spotlight-Suche mehrere echte Innovationen und verspricht ein Verkaufsknüller zu werden. Die Frage, wo die Ideen zuerst entstanden sind, dürfte dann schnell zur Nebensache werden. Außer bei den Microsoft-Anwendern, denn die müssen noch über ein Jahr auf das nächste Update warten.

Über Nacht zum Bestseller

Der neue Chef bei Hewlett-Packard war bei seinem Antritt in Kalifornien von den Medien und Analysten zunächst etwas skeptisch aufgenommen worden. Trotz über 20jähriger Tätigkeit in der Branche galt er als unbeschriebenes Blatt. Wegen seines nüchternen, zurückhaltenden Auftretens könne man ihn auch schlecht einschätzen, wurde vielfach kommentiert. Inzwischen scheinen einige der kritischen Beobachter ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Hurd hat nicht nur das Traditionsunternehmen NCR saniert, sondern auch ein Buch über Informationsmanagement und Wettbewerbsvorteile geschrieben: "The Value Factor".

Vor seiner Rekrutierung durch HP rangierte der Titel auf den Bestsellerlisten unter ferner liefen, beispielsweise Platz 175.000 bei Amazon. Innerhalb von drei Tagen nach Hurds Vertragsunterzeichnung war sein Buch unter den 100 meistgefragten Titeln. Es dürften kaum allein die neugierigen Journalisten gewesen sein, die das Buch zum Business-Bestseller katapultiert haben. Aber ob breite Allgemeinheit jetzt plötzlich Bücher über Unternehmensführung liest? Wahrscheinlicher ist eher, dass viele der HP-Mitarbeiter - immerhin mehr als 150.000 - gerne genauer wissen wollten, was ihr neuer Chef so über das IT-Geschäft denkt.

Erich Bonnert ist freier Autor und lebt in Cupertino, Kalifornien

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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