Oracle übernimmt Peoplesoft, Peoplesoft hat zuvor J.D. Edwards übernommen, SAP will mit IBM enger zusammenarbeiten, um Oracle zu schwächen, und Computer Associates steht daneben und ist mit seinen krummen Bilanzen voll und ganz beschäftigt. So sieht's derzeit am Markt der Business Software-Riesen aus.
Die Firmen schenken sich untereinander nichts. Gut zu beobachten ist das anhand der beiden Streithanseln Larry Ellison (Oracle-Chef) und Henning Kagermann (SAP-Boss). Schon Kagermanns Vorgänger, SAP-Gründer Hasso Plattner, war so etwas wie ein Intimfeind von Ellison. Legendär die Geschichte, als die beiden passionierten Segler bei einer testosterongeladenen Regatta aneinander vorbeifuhren und Plattners Team dem verblüfften Ellison die nackten Hintern zeigte. Im Gegenzug hat Ellison das Plattner-Boot bei einer der nächsten Törns trotz Mastbruchs links liegen lassen. Diese kindischen Spiele setzten sich teilweise auf Unternehmensebene fort, als Ellison etwa den Firmennamen SAP in den USA vor versammelten Publikum verunglimpfte. "Sap" bedeutet im englischen Slang vieles, unter anderem auch "Dummkopf".
Kagermann schätzt zwar wesensbedingt nicht derartige Aktionen, weiß aber doch, dass mit Ellison nicht gut Kirschen essen ist. Der achtzehnmonatige Übernahmekampf von Oracle um Peoplesoft war nicht immer nur von rein wirtschaftlichen Interessen Ellisons begleitet, deutet Kagermann seinen Konkurrenten ganz richtig. Aber derzeit herrscht gespannter Friede, vor allem, weil es um die Kür geht: Um eine mögliche Fusion der beiden Konzerne SAP und Oracle. Das ist ungefähr so, als wenn Israel und Palästina einen gemeinsamen, gleichwertigen Staat gründen müssten.
Kagermann meint jedenfalls, falls ihn Ellison anruft, würde er nicht sofort auflegen und ein Zusammengehen immerhin thematisieren. Er wolle sich "nicht mit Kreuz und Knoblauch" gegen Gespräche wehren. Schön gesagt. Aber genau diese Diktion verrät, für wen Kagermann seinen Kontrahenten Ellison offenbar hält: Für den Leibhaftigen der Softwarebranche.



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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 