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Mobile Business

Mobile Business 2005 - Teil 3

Wie "intelligente Dinge" Wirtschaft und Gesellschaft verändern

Ubiquitous Computing musste sich 1991, als der Begriff von Mark Weiser begründet wurde, nicht nur den Vorwurf der Unaussprechlichkeit, sondern auch einer technologischen Utopie gefallen lassen. Aber "Connected Smart Things" haben das Potenzial, nicht nur verschiedenste Geschäftsprozesse, sondern die ganze Gesellschaft nachhaltig zu verändern.

Mark Weiser hat Ubiquitous Computing wie folgt definiert: "Ubiquitous Computing is the method of enhancing computer use by making many computers available throughout the physical environment, but making them effectively invisible to the user". Mit UbiComp besteht die Möglichkeit, mit überschaubaren Aufwand Informationen zu gewinnen, die im jeweiligen Umfeld enorme Nutzenpotenziale generieren können. Heute sind die Entwicklungen an einem Punkt angelangt, an dem diese Technologie bereits bei vielen Unternehmen mit kostspieligen Prozessen zur Problemlösung beitragen.

Die heutigen Merkmale eines Computers sind eine Tastatur, eine Maus, eine Rechnereinheit mit CPU und ein Monitor. Die Entwicklung der letzten Jahre könnte dieses Bild allerdings schon sehr bald ändern. Der Vergleich des MARK1, der mit ca. 15m Länge 2,5m Höhe und über 35 Tonnen Gewicht erste Computer von IBM, mit einer Rechenleistung, die nicht mal die eines heutigen PDAs erreicht, zeigt bereits die enorme Entwicklung und die Fortschritte, die seit den 40er Jahren in der Miniaturisierung geleistet wurden. Die Miniaturisierung beschränkt sich dabei allerdings nicht nur auf den Computerbereich.

Eine Reihe von einflussreichen Industrien haben das Potenzial von UbiComp beziehungsweise "intelligenten Dingen" erkannt und ein hohes wirtschaftliches Interesse an der erfolgreichen Etablierung neuer Technologien entwickelt. Die Bereiche, in denen UbiComp in nächster Zeit in das Wirtschafts- und Alltagsleben eingreifen wird, sind fast unüberschaubar. Produktion, Logistik, Verkehr, Wohnen, Gesundheitswesen und Freizeitgestaltung könnten durch UbiComp tiefgreifend umgestaltet werden. In vielen wirtschaftlichen Geschäftsprozessen lassen sich Szenarien finden, in denen sich Vorteile aus der neuen Technologie ziehen lassen.

Das Erschließen neuer Anwendungen benötigt jedoch Modelle, mit denen ein klarer Mehrwert für den Nutzer generiert wird. Dieser entsteht in der Regel durch Verbesserungen in den Dimensionen Zeit, Kosten oder Qualität. Als konkretes Beispiel kann die Reduktion von Medienbrüchen in organisatorischen Prozessabläufen gefunden werden, in denen smarte Dinge die Datenerfassung und Weiterleitung automatisieren können (siehe Schaubild 1). Damit können Prozesse effizienter gestaltet, die Kosten gesenkt und Fehlerquellen, die beispielsweise durch mangelnde Kontrolle oder manuelle Tätigkeiten entstehen, beseitigt werden.

Vielfältige Optimierung betrieblicher Abläufe

Der Einsatz von intelligenten Dingen ermöglicht vielfältige Optimierungen innerhalb betrieblicher Abläufe. Vor allem solche Industrien, die durch eine hohe Produkt- oder Prozesskomplexität beziehungsweise den intensiven Informationsbeziehungen zwischen Personen, Maschinen, Systemen oder sonstigen Objekten geprägt sind, verfügen über ein hohes Einsatzpotenzial. Eine der Vorreiterindustrien im Ubiquitous Computing ist die Automobilindustrie. Die Vernetzung des Automobils hat bereits begonnen. Navigationssysteme, die immer mit der Verkehrszentrale verbunden sind und den Fahrer "intelligent" um mögliche Verkehrshindernisse lotsen oder Spurassistenten und elektronische Einparkhilfen sind schon länger Serienreif.

Ein anderes Beispiel sind Fahrzeugflotten, die beispielsweise über GPS-Technologie oder direkt über Mobiltelefone lokalisiert werden können. Um noch rascher bei seinen Kunden zu sein, verwendet der ARBÖ seit Sommer 2004 eine derartige Flottenmanagementlösung des Netzbetreibers ONE zur Betreuung von 460.000 ARBÖ Mitgliedern. Mit der Flottenmanagementlösung werden die ARBÖ-Pannenfahrer nun über ihre Handys lokalisiert und können per SMS oder WAP zu weiteren Panneneinsätzen gelotst werden. Dadurch können klare Vorteile in Bezug auf Zeit und Kosten erzielt werden. (Details siehe Seite XXX).

Eine weitere Branche, in der große Potenziale gesehen werden, ist das Gesundheitswesen. Eine Branche, in der gerade die Zeit eine große Rolle über Erfolg oder Misserfolg spielt, nämlich über Leben und Tod, sind die Möglichkeiten für UbiComp faszinierend. So könnten Krankheitsdaten von Notfallpatienten beispielsweise direkt an ein Smartphone des behandelnden Notarztes übertragen werden, um eine schnelle Reaktion bei Gesundheitsverschlechterungen zu gewährleisten. Die durchgängige Überwachung chronisch Kranker könnte durch kleinere handlichere Geräte, die z.B. aktuelle EKG-Daten in "real-time" an eine Zentrale übermitteln, deutlich verbessert werden. Die Erfassung und Speicherung beziehungsweise Übermittlung von Echtzeitdaten kann zu lückenlosen Datenreihen und damit zu verbesserten Diagnosemöglichkeiten auch bei lokalen Versorgungen in Krankenhäusern führen.

Beispielsweise setzt das Sozialreferat des Landes Kärnten zukünftig im Bereich des mobilen Pflegedienstes auf das System ils/mobile, das vom steirischen Softwareanbieter ilogs in Kooperation mit Telekom Austria entwickelt und sogar ausgezeichnet wurde. Dabei werden rund 900 Mitarbeiter mit PDAs ausgestattet, die ihre Einsatzzeiten und Leistungen bereits vor Ort beim Kunden erfassen können. Besonders innovativ ist bei diesem Projektbeispiel auch, dass die Anmeldung der Nutzer am System mittels berührungsloser RFID-Technologie realisiert wurde (Details siehe Seite XXX).

Auch hier werden durch Ubiquitous Computing in Zukunft noch weitere Ausbaustufen möglich sein, denn die beschriebenen Möglichkeiten mit einem offensichtlichen Mehrwert zeigen erst den Anfang der Entwicklung auf. "Mobile Anwendungen sind nicht einfach die Fortsetzung einer Applikation, die tragbar gemacht wurde, sondern die logische Weiterentwicklung bestehender und zukünftiger Prozesse", meint dazu Ing. Günther Lang von der Software AG. So sind auch durch die Weiterentwicklung der Endgeräte bereits viele Unternehmen in der Lage, ihre mobilen Mitarbeiter mit Lösungen wie Routenplanung, Zeiterfassung, Bestellwesen etc. auszustatten. Dies gilt nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für KMUs, die auf diesen Zug noch nicht wirklich aufgesprungen sind. UbiComp hat also das Potential, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Eine generelle Debatte darüber ist allerdings bis heute noch nicht richtig in Gang gekommen. Dabei gibt es bei der Einführung neuer Technologien immer Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt.

Pro und Contra Ubiquitous Computing

Smarte Technologien verändern in einer Art und Weise das alltägliche Leben, dass sich die Frage stellt in wie weit eine solche Durchdringung und damit natürlich auch eine mögliche Überwachung der heutigen Gesellschaft gewünscht beziehungsweise akzeptiert wird. Einer der Grundgedanken des UbiComp ist es, den Menschen von lästigen Routineaufgaben zu befreien, damit er sich auf wesentliche Kerntätigkeiten des Alltags- oder Berufsleben konzentrieren kann. Wer hätte nicht gerne einen Kühlschrank, der automatisch einen Engpass bei den Lebensmitteln feststellt, diese online über einen Händler nachbestellt und dieser dann die frischen Produkte in einem gekühlten Kasten direkt beim Kunden nachfüllt. Durch solche Systeme würden sich viele zeitraubende Einkaufsfahrten vermeiden lassen, es zeigt aber auch, dass bereits für einen solchen Service private Daten über den Kunden erforderlich sind damit es effektiv funktioniert. In dem Beispiel mit den Nahrungsmitteln mag das noch nicht so dramatisch aussehen, was ist aber mit Anwendungen, wie RFID oder anderen Identifikationssystemen, die nicht nur zu wirtschaftlichen Zwecken verwendet werden können, sondern genauso gut zur Überwachung von Personen? Die derzeit geführte Diskussion über Datenmissbrauch in Deutschland, ausgelöst durch RFID-bestückte Eintrittskarten für die Fußballweltmeisterschaft 2006 sind ein Beweis dafür, dass hier noch eine längere Diskussion zu erwarten ist.

Abgesehen von der Frage, ob die Gesellschaft nicht schon heute eine kritische Schwelle der "Hyperkommunikabilität" als Effekt der technischen Möglichkeiten in den letzten Jahren erreicht hat, muss man erkennen, dass sich UbiComp auf einem schmalen Grad zwischen Nutzen für die Gesellschaft und Wirtschaft und Übertretung der Privatsphäre befindet. Der Einsatz von "smart things" in sensiblen Bereichen bringt nicht notgedrungen eine Erhöhung der Sicherheit, sondern birgt auch Risiken. Dennoch ist UbiComp zweifelsohne eines der großen Technologiethemen der nächsten Jahre. Das Potential möglicher Lösungen ist so unbegrenzt und die Wirtschaft hat ein so hohes Interesse an der Entwicklung solcher Lösungen, dass sich mögliche Problemfelder entweder durch adäquate Entwicklungen in den entsprechenden Bereichen lösen, oder sich solche Problemfelder umgehen lassen.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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