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Netz & Telekom

Powerline-Technologie

Rosige Zeiten für Internet per Stromkabel

Internet aus der Steckdose - keine ganz neue Idee. Strom-Internet-Projekte wurden gestartet und wieder eingestellt. Aber: Die Technologie wurde verbessert. Heute ist Internet via Stromleitung eine echte Alternative, wenn es um Breitband-Internet geht. Allerdings nur dann, wenn man sich im Einzugsgebiete eines Anbieters befindet. Auch die EU ist jetzt auf die Alternative zur DSL-Technologie aufmerksam geworden: Die Nutzung von Stromleitungen für die Bereitstellung günstiger Breitband-Internetzugänge soll einfacher werden, verheißt eine Empfehlung der Europäischen Kommission vom April.

Christine Wahlmüller

"Linz AG, guten Tag, was kann ich für Sie tun?" - "Hallo, ich interessiere mich für Speed-Web" - "Da gibt es mehrere Pakete, das Minimaleinsteigerpaket kostet 24 Euro inkl. ein GB pro Monat", so die Auskunft. Und alles ohne Telekom-Austria-Festnetzanschluss. Voraussetzung ist nur der Bezug von Strom bei der Linz AG und ausreichend Steckdosen in jedem Raum. Dann steht dem Bezug von Speed-Web fast nichts mehr im Wege. Doch: Man muss natürlich Kunde bei der Linz AG sein, das schränkt naturgemäß regional ein. Probieren ist risikolos: Die ersten zwei Monate sind Gratis-Testzeit mit Ausstiegsmöglichkeit, erklärt die nette, junge Dame an der Kundenhotline, erst dann gilt der Vertrag für ein Jahr. Korrekterweise erwähnt sie auch die Installationsgebühr: 70 Euro bei Selbstinstallation, 140 Euro sind es, wenn ein Servicemann installieren kommt.

Speed-Web wird von der Linz AG seit Mai 2002 angeboten (technisches Prinzip siehe Kasten). Ende 2004 gab es etwa 4.000 Kunden. Das technische Know-how stammt von der deutschen Power Plus Communications (PPC), einem Joint Venture von ABB, MVV Innovationsportfolio und Main.net Communications. Die PPC selbt betreibt die "Powerline-Technologie" (= breitbandiges Internet via Stromkabel) bereits über Partner/lokale Stromanbieter in den Städten Linz, Hameln, Dresden, Hassfurt, Lichtenstein und Mannheim. Insgesamt sind damit bereits über 200.000 Haushalte mit Internet aus der Steckdose versorgt. "Damit wird zudem auch in DSL-freien Gebieten ein schneller und preiswerter Internetzugang ermöglicht", betont Diane Arras, Sprecherin von PPC.

Technologie-Schub, EU-Aktivitäten

Erst im März hat Powerline eine neue Modemgeneration auf den Markt gebracht, auf der hohe Erwartungen ruhen. Versprochen wird den Energieversorgern mehr Anwendungsmöglichkeiten und eine verbesserte technische Datendurchsatzrate von bis zu 10 Mbit pro Sekunde. Außerdem sollen die neuen Geräte triple-fähig sein (Sprache, Daten, Video). Neu ist auch die Möglichkeit des integrierten Management des Powerline-Netzes (Mittelspannung und Niederspannung). Ebenfalls neu ist eine Software-Plattform, die Prozessdaten und Zählerdaten über Powerline ausliest und in einem einheitlichen System bereitstellt. Insgesamt wird mit starker Expansion gerechnet.

Eine Hoffnung, die auch von der EU unterstützt wird. Seit Anfang 2004 läuft bereits das Projekt OPERA (Open Powerline European Research Alliance), bei dem eine Reihe von Energieversorgern, Technologielieferanten, Consultants und Universitäten gemeinsam an der Weiterentwicklung und Verbreitung der Powerline Technologie arbeiten. OPERA hat eine Laufzeit von vier Jahren und ist für die ersten beiden Jahre mit 20 Mio. Euro dotiert. "Ich möchte dafür sorgen, dass die Betreiber alle technischen Möglichkeiten ausnutzen können und dass wir in Europa unsere Kräfte vereinen, um den Breitbandausbau voranzutreiben", meinte kürzlich Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft und Medien verantwortliche EU-Kommissarin.

Vizepräsident Verheugen forderte im April die EU-Staaten nachdrücklich auf, ausgewogene rechtliche Rahmenbedingungen zur Gewinnung neuer Unternehmen und neuer Investitionen für den Markt der Breitbandkommunikation via Stromkabel zu schaffen. Immerhin gibt es EU-weit mehr als 200 Mio. Stromleitungen - das Potenzial ist da. In den USA ist Internet "einfach zum Anstecken" übrigens im Moment der absolute Renner. Ob und inwieweit sich dieser Trend aus dem goldenen Westen auch bei uns fortsetzt, bleibt abzuwarten.

Wie kommen die Daten zur Steckdose?

Ein Stadtgebiet wird von mehreren Transformatorstationen mit elektrischer Energie versorgt. Dabei werden diese Trafostationen von einem zentralen Punkt mit einer Spannung von 10.000 bis 30.000 Volt angefahren. Jeder Transformator wandelt die Spannung von Mittelspannung auf Niederspannung um, die dann an jeder Steckdose zur Verfügung steht. Von der Trafostation führen Kabel zu Straßenverteilern, die schließlich die einzelnen Haushalte versorgen.

Das Internet aus der Steckdose nutzt diese vorhandene Infrastruktur. Jede der Trafostationen wird mit einer 2 Mbit/s-Standleitung an das WWW angebunden. Die dort installierte Zentraleinheit verarbeitet die Daten und sendet sie durch die elektrischen Leitungen zu den Straßenverteilern. In jedem Straßenverteiler befindet sich ein Repeater, der die Daten empfängt, aufbereitet und wieder durch die elektrischen Leitungen schickt. Ein zusätzlicher Repeater am Hausanschlusskasten oder in Stockwerksverteilern trägt zur Verbesserung des Signals bei. Schließlich ist in der Steckdose beim PC das Speed-Web-Modem eingesteckt. Dieses Gerät empfängt die Daten, verarbeitet sie und schickt sie an die Netzwerkkarte des PCs.

Webtipps:

www.linzag.at
www.speedwebconsulting.at
www.ppc-ag.de
www.mainnet-plc.com

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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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