Sie sind seit 1998 in der Internet Branche und haben die Jahre zuvor für ein schwedisches Möbelhaus in Bulgarien und Polen gearbeitet. Wie kam es zu dieser beruflichen "Kehrtwendung"?
Gut, ich war ziemlich lange in der Möbelbranche. Aber nach Jahren im Ausland wollte ich endlich wieder in Österreich leben und arbeiten, mein damaliger Arbeitgeber konnte mir diesen Wunsch nicht erfüllen, also habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut. Dazu muss ich sagen, dass es mich immer schon interessiert hat, etwas aufzubauen. Ich habe mich daher kurzerhand bei diversen Internet- und Mobilfunkbetreibern beworben. Das war damals die Zeit, wo gerade totale Aufbruchstimmung herrschte und ich fand es spannend, wieder Neuland zu betreten und beim Aufbau mit dabei zu sein. Bei Netway bekam ich dann tatsächlich eine Chance, sprich einen Job, und die völlig neue Aufgabe, den Bereich Online Werbung aufzubauen.
Haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?
Eigentlich nicht, Unterton oft. Vor allem immer dann, wenn die New Economy in die Knie gegangen ist, und das war ab 2000 leider an der Tagesordnung. Dann haben wir natürlich auch die Turbulenzen beim Netway-UTA-Verkauf mitgemacht.
(Jetziger Eigentümer von adworx sind die ORF Teletext Produktions GmbH sowie die Tele2/UTA (mit je 47,5 Prozent) und die Medicur-Holding von Raiffeisen mit 5 Prozent, Anm.d.Red.)
Zuerst Netway, dann adworx. Wann und wie kam es zur Ausgliederung?
Zadina: Das war die Idee von Helmut Jahnel, dem ehemaligen Vorstand bei Netway. Er favorisierte einen Online-Vermarkter, der sowohl mediales als auch Internet Know-how kombinierte - so kam es im Frühjahr 2001 zur Ausgliederung aus Netway und Gründung von adworx, gemeinsam mit ORF und der Medicur Holding. Helmut Jahnel fungierte als Geschäftsführer, ich bekam die Marketing-/Vertriebsleitung. Anfang 2002 wurde ich dann zweite Geschäftsführerin und seit drei Jahren bin ich alleinige Geschäftsführerin.
Wie fühlen Sie sich da so als Frau?
Sehr gut, aber trotzdem ziemlich allein auf weiter Flur, das bin ich aber mittlerweile gewohnt. In der Online Werbung arbeiten zwar inzwischen relativ viele Frauen, außer mir kenne ich allerdings keine Frau in der Geschäftsführer-Position. Das hat aber weniger mit der Branche zu tun, sondern ist eben allgemein so: Frauen fehlt da vielleicht oft ein wenig der Mut. Sie wollen, glaube ich, gar nicht in der ersten Reihe stehen. Vielen ist auch Familie und Freizeit einfach wichtiger. Ich habe eben bewusst auf Kinder verzichtet und meine Zeit, Energie und Liebe in den Job gesteckt. Es ist einfach so: Du kannst nicht 60 Stunden arbeiten und eine gute Mutter sein. Da musst Du einfach Deine Entscheidung Entweder - Oder treffen.
Was würden Sie jungen Frauen aus Ihrer heutigen Sicht empfehlen?
Wenn es um den Job geht - auf jeden Fall einmal ins Ausland gehen. Je mehr man von der Welt gesehen hat, desto besser. Es bringt unheimlich viel an Lebenserfahrung.
Zurück zu Ihrer Branche. Wie läuft es zur Zeit in der Online-Werbung?
2004 war sicher noch ein schwieriges Jahr, trotzdem hatten wir schon ein gutes zweites Halbjahr. Neu ist, dass viele Unternehmen beginnen, ihre Kampagnen langfristig zu planen. Ich habe auch zum ersten Mal seit dem Crash 2001 wieder positive Medienberichte gelesen. Und es kommen positive Trends aus den USA. Das wird jetzt sicher nicht der große schon immer prophezeite Hype, aber ich denke, eine langsame, stetige Aufwärtsbewegung.
Wie sehen Ihre Erwartungen für des restliche Jahr 2005 aus?
Zunächst positiv in punkto Mitarbeiter. Im Zuge des allgemeinen Niedergangs mussten wir von 14 auf 6 Mitarbeitern reduzieren. Das war hart. Jetzt sind wir vier Frauen und zwei Männer. Heuer ist erstmals wieder personelle Expansion angesagt.
Und wie sehen die aktuellen Entwicklungen und Trends in der Online Werbung aus?
Großflächige und ruhigere Werbeformen wie Skyscraper und Content Ads dominieren und setzen sich durch, verbunden mit verschiedenen Targetings (Zielgruppenansprache). Weiter wichtig bleiben Newsletter und Advertorials. Kontinuität wird immer wichtiger, so haben wir z.B. mit der Agentur 141, die den Kunden ING DiBa Direktbank betreut, einen Kunden gewinnen können, mit dem wir seit 2004 versuchen, via Internet zielgruppen- und abschlussorientiert zu werben. Es ist allerdings insgesamt eine Illusion zu glauben, dass die Online Werbung die klassische Werbung komplett ablösen wird.
Wo sehen Sie noch Schwierigkeiten?
Online Werbung wird von vielen Unternehmen, aber leider auch Agenturen, noch stiefmütterlich behandelt, da ist noch viel Aufklärung notwendig. Das wird sicher noch eine Zeit lang dauern, aber ich bin sicher, der eingeschlagene Weg stimmt. Ich bin einmal mehr sehr zuversichtlich.





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7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 