Gerald Kofler
Mit DoRIS, dem River Information Service am Frachtweg Donau, wird nicht nur ein neues Kapitel in der europäischen Flußschiffahrt aufgeschlagen. In Zukunft, wird der lückenlose Einsatz eines verkehrsträgerübergreifenden Schifffahrtsinformationssystems von den Nord- und Ostseehäfen bis zum Schwarzen Meer die Effizienz, Transparenz und Sicherheit von Schiffstransporten erheblich steigern.
"Wesentliche Komponenten von DoRIS", Reinhard Pfliegl, Director Technology bei Via Donau, "sind Transponder, welche die aktuelle Position mittels satellitengestützter Ortung ermitteln. Diese Information wird über ein spezielles Datenfunkverfahren (AIS-Protokoll), das auch in der Hochseeschifffahrt Verwendung findet, verteilt." Alle Infomationen, wie Schiffsname, Typ, Abmessungen, Geschwindigkeit, etc. werden elektronisch erfasst und automatisch verarbeitet. Als umfassendes River Control System wird DoRIS 2006 in den österreichweiten Vollbetrieb gehen und neben der Schifffahrt auch Behörden, Logistik und Industrie mit Daten versorgen und Letzteren Planung und Disposition im Warenverkehr erleichtern.
Transport Quality Monitoring
Szenenwechsel: Modelleisenbahnfreunde wissen es schon seit langem: Auf der Schiene geht nichts mehr ohne Telematik. Schon in den mittleren achtziger Jahren sausten PC gesteuerte Triebfahrzeuge durchs Wohnzimmer und machten Halt, wenn der Güterzug entgegen kam. Auf http://artm-friends.at/rm/train/index.html kann man heute noch nachlesen, wie dies seinerzeit mit dem Apple Hyper Card Player und einem Power Book Duo auf der C-Spur funktionierte. Wer besonderes technisches Fingerspitzengefühl besaß, konnte den Spielzeugkran gleich mitsteuern.
"Die Wirklichkeit hinkte da lange hinterher", sagt Helmut-Klaus Schimany, Koordinator bei Rail Cargo Austria. Doch auch bei der großen Bahn hat die telematische Zukunft begonnen. Vor der Einfahrt ins Verladeterminal werden hinkünftig die Nummern der Ladeeinheiten, sowie der Waggons per Scanner erfasst und an den Computer weitergeleitet. Schutz gegen Kriminalität bietet die elektronische Plombe, die via Satellitentransponder auch die punktgenaue Ortung des Waggons zulässt. Das RailGate Austria wird hinkünftig als Schnittstelle hin zum Kunden fungieren, damit dieser Planung und Disposition optimieren kann.
Per Transport Quality Monitoring wird dem Kunden durch die Verbindung von Positionsbestimmung mittels GPS, Sensorik zur Aufnahme der aktuellen Transportzustände und einer GSM-Einheit für die mobile Kommunikation ein aktueller Informationsstand vermittelt, der die Bewertung von Transportrouten hinsichtlich der Qualität der Schieneninfrastruktur, der operativen Abläufe in bestimmten Abschnitten (z.B. Verschub) und die allgemeinen Konditionen für das Ladegut (Stöße, Temperatur, Feuchte, Neigung, Einbruch) ermöglicht. Und wenn der Brummifahrer drüber nachdenkt, ob es verkehrsbedingt nicht doch sinnvoller ist, auf die rollende Landstraße umzusteigen, erhalten er oder der Disponent daheim hinkünftig alle notwendigen Infos per SMS, wenn er in die Nähe des Verladeterminals kommt. Auch Hinweistafeln machen auf die aktuelle Situation aufmerksam.
Magna Steyr Fahrzeugtechnik
Jährlich 200.000 Fahrzeuge, die als Mercedes, Chrysler, Jeep, Saab oder BMW in den Handel kommen, stammen von Magna Steyr Fahrzeugtechnik in Thondorf bei Graz. Pro Tag werden bis zu 1.800 Lastkraftwagen be- und entladen. Ein neuartiges LKW-Leitsystem, das von Siemens entwickelt wurde, hilft, Zufahrtskontrolle und Werkstorautomatisierung auf Basis eines Transponder-Identifikations- und Ortungssystems in den Griff zu kriegen. Externe Zulieferer melden sich von einem Warteparkplatz außerhalb des Werksgeländes und erhalten einen Radiofrequenz-Datenträger.
Von diesem Zeitpunkt an ist der LKW im System mit sämtlichen Informationen registriert und kann vom Disponenten per Mausklick angefordert werden. Dann erscheint das Kennzeichen auf einem Großdisplay am Warteparkplatz, und der LKW wird für die Einfahrt in das Werk freigeschaltet. Am Tor wird er identifiziert, seine Berechtigung geprüft und die entsprechende Schranke automatisch geöffnet.
Beim Verlassen des Werkes sorgt das System dafür, dass der RFID-Tag wieder abgegeben wird. Papier wurde aus der Verwaltung der LKWs endgültig eleminiert. Jede Tortransaktion wird automatisch erfasst, dokumentiert und archiviert. Auch aktuelle Auswertungen sind möglich. Auf Basis dieser Daten können der Logistikprozess, der Verkehrsfluss und der Entladevorgang im Werk analysiert und optimiert werden. Die durchschnittliche LKW-Durchlaufzeit wird verkürzt, was sowohl die Verkehrssituation im Werk als auch den Transportunternehmer entlastet.
Lagerverwaltung und Kommisionierung
Papier hat auch Lekkerland Österreich gestrichen und setzt bei der Warenkommissionierung auf ein Sprachsystem der Firma TOPsystem. Lekkerland ist Europas führende Großhandels-, Distributions- und Service-Verbindung selbstständiger Unternehmen für den Convenience-Markt. Lekkerland Österreich beauftragte Salomon Automation mit der Implementierung des WAMAS Lagerverwaltungs- und Kommissioniersystems für den Hauptstandort Ternitz, wo etwa 3.800 Artikel auf einer Lagerfläche von 8.000 qm, bei einer Anzahl von 10.000 Europalettenplätzen gelagert und 1.500 bis 1.800 Kundenaufträge (25.000 - 30.000 Auftragszeilen) pro Tag abgewickelt werden. 20 bis 30 Lieferanten stellen 300 Paletten pro Tag volumenmäßig zu. Da aber in Lagen angeliefert wird, ergeben sich 600 TE am Tag.
Die Einführung erfolgte in zwei Stufen, wobei in Stufe 1 WAMAS mit der Lagerverwaltung, dem Stapler- und Kommissionierleitsystem über Listen implementiert wurde. In Stufe 2 wurde das Voice System aufgeschalten. Friedrich Pichler, Leiter Profit Center Lekkerland Österreich, sieht die Vorteile der Sprachkommissionierung in der automatischen und dadurch gerechten Kommissionsscheinzuteilung, sowie dass beide Hände frei zum Kommissionieren sind, dass die "Zettelwirtschaft" wegfällt, dass ein besseres Leistungscontrolling der Kommissionierer möglich ist. Dazu kommt eine höhere Kommissionierleistung und eine deutliche Reduzierung der Kommissionierfehler durch Wiedergabe der Prüfziffer. Noch beeinflussen Lagernebengeräusche die Spracherkennung, die Spracherkennung selbst ist noch nicht einwandfrei und nicht unerheblich ist der Betreuungsaufwand durch Sprachtrainings.
Die gesamte Bewirtschaftung des Lagers zeichnet sich durch beleglose Abläufe aus und wird bewegungsgeführt über Datenfunk (802.11b, 2,4 GHz) abgewickelt. Spezielle Funktionalitäten wie Klärplatzfunktionalitäten bei mehreren Sonderfällen am Wareneingang, Lieferantenbewertung am Funkterminal, durchgängiges Mischpaletten und Seriennummernhandling wurden dazu für Lekkerland entwickelt und in den WAMAS Standard integriert. Speziell im Mischpalettenbereich wurde das System erweitert um die hohen Anforderungen von Lekkerland abbilden zu können.
Mit Informationen arbeiten
Auch bei Industrie Logistik Linz hält sich der Papierverbrauch in Grenzen. Größere Mengen spuckt bestenfalls der Illomat aus. Kein Testgerät für Betriebsalkoholiker, sondern eine hausinterne Erfindung, die den Medienbruch bei den Frachtpapieren bis zur Einführung des elektronischen Frachtbriefes überbrücken hilft. Mit, anstatt für Informationen zu arbeiten gilt bei dem größten Industrielogistiker Europas als oberstes Gebot. Per Datenfunk werden diese dorthin geschleust, wo sie gerade benötigt werden. Auf 100.000 Quadratmetern Lagerfläche werden Stahlbleche für die Autoindustrie und andere Industriegüter umgeschlagen. Und zwar just in Time Jeder Mitarbeiter kann jederzeit auf die gerade benötigten Informationen vor Ort zugreifen. Größtmögliche Flexibilität und kundenorientierte Individuallösungen sind oberstes Gebot. Die Lagerhallen sind Hafen, Verladebahnhof und LKW-Terminal in einem.
Zur Warenabfertigung sind Barcodes im Einsatz. Dispo und Eintaktung finden in Real Time statt. Im Test sind derzeit wiederverwendbare RFID-Tags für innerbetriebliche Zwecke. Zur Bewältigung der Aufgaben bedient man sich sämtlicher Tools, die Informatik und Telekommunikation zu bieten haben. "60 Mitarbeiter waren vor 10 Jahren noch mit administrativen Aufgaben betreut, heute sind es null", berichtet Geschäftsführer Ralph Gallob. Dies setzt natürlich auch eine aus- und weiterbildungsbereite Belegschaft voraus, die den Innovationswillen mitträgt. Ein partnerschaftliches Betriebsklima, mit klarer Aufgabenverteilung und flachen Hierarchien sind bei ILL Linz die Basis dafür.
Aus- und Weiterbildungsadressen
zum Thema
www.joanneum.at
www.donauuni.at
www.fh-vie.ac.at




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 