Die Techniker quetschen den letzten Rest an Geschwindigkeiten aus den Mobilfrequenzen heraus, in Glasfasern und Lichtleitern flitzen die Daten höllisch schnell umher, und das Herunterladen von digitalen Movies ist nur mehr ein Klacks: Mobilität und Speed bestimmen den Internet-Alltag von heute.
Manager drehen an ihren Blackberrys herum, während sie auf den Anschlussflug warten, auch im Flugzeug kann man sich bei fast 1000 km/h hoch über den Wolken schon mit High-Speed ins World Wide Web einloggen, und der ICE braust mit fast 400 Sachen zwischen Frankfurt und der CeBIT in Hannover hin und her und bietet dennoch störungsfreien WLAN-Empfang. Auf der CeBIT wohnt man dann der Präsentation von Highspeed Downlink Packet Access (HSDPA) bei, der die UMTS-Geschwindigkeit angeblich verfünffacht und dessen Funktionsprinzip die von weither angereisten Qualcomm-Techniker in gebotener Kürze erklären.
Bei allem Wohlwollen gegenüber der Technik bleibt aber die Frage: Ist Speed wirklich schon das Nonplusultra des mobilen Arbeitens? Sicherlich, man kann Steh- und Wartezeiten besser nutzen und muss nicht mehr die Zeit unproduktiv totschlagen. Aber geht es nicht eher darum, Stehzeiten überhaupt zu vermeiden?
Es soll an dieser Stelle die gewagte Behauptung aufgestellt werden, dass möglicherweise ein geschätztes Drittel aller Geschäftsreisen und Dienstflüge gar nicht nötig sind. Moderne Meeting-Formen wie Telefon- oder Videokonferenzen werden zuwenig genützt, auch die Telearbeit vom Heimbüro kann noch viel mehr unnötige Wege vermeiden helfen.
Allein die Möglichkeit der schnellen, mobilen Datenkommunikation verführt zu einer Überbewertung der Mobilität, was Produktivität wahrscheinlich eher einschränkt als verbessert. Ziel eines guten IT-Managements muss es also sein, vorrangig die Produktivität zu verbessern; wenn die Mobilität dabei hilft, umso besser. Aber sie ist nicht das allein selig machende. Denn die Trends der modernen Business-Gesellschaft neigen zum Überhitzen, wie wir alle wissen.



1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 