Georg Lankmayr und Justus Hammer

Die drei Entwicklungsstufen im Mobile Business: Wo steht das Unternehmen heute?
Der Einsatz von mobilen Datenlösungen im Rahmen von organisatorischen Optimierungsprozessen bietet erhebliche Potenziale. Die Frage die sich hierbei stellt ist nicht mehr ob eine mobile Lösung eingesetzt werden soll, sondern für wen bzw. wo sie eingesetzt werden soll. Eine Organisation kann aus heutiger Sicht drei Entwicklungsstufen im Mobile Business erreichen (siehe Schaubild 1).
Aktuell konzentrieren sich die Marktaktivitäten primär auf Lösungen wie "Mobile Office" (Stufe 1) und Prozesslösungen wie "Sales Force Automation" oder "Service Automation" (Stufe 2). Um von den mobilen Wertpotenzialen voll zu profitieren sollten zuvor jedoch gewisse organisatorische Hausaufgaben erledigt worden sein. Dazu zählt neben dem Einsatz von integrierten Informationssystemen auch die Nutzung von E-Mail als Standardkommunikationsmedium. Weitere Soll-Voraussetzungen sind etwa flexible Bürokonzepte und flache Hierarchiestufen, wie das in vielen modernen Unternehmen häufig der Fall ist. INSET Analysen haben gezeigt, dass die Eintrittsbarrieren umso geringer sind, je stärker derartige Voraussetzungen von einem Unternehmen bereits erfüllt werden.
Stufe 1: Lösungen für mobiles Arbeiten generell
Langsam aber stetig entscheiden sich Firmen zum Einsatz von Lösungen, die mobiles Arbeiten ermöglichen. Sie sind der Einstieg "light" auf dem Weg zur Wireless Enterprise, eignen sich für eine breite Zielgruppe und schaffen mehr Flexibilität in der täglichen Arbeit.
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Stufe
1: Lösungen für mobiles Arbeiten generell |
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| Lösungen und Produkte | Mobile Office Solutions (Standardlösungen für mobiles E-Mail, Kontakt- und Terminmanagement, mobiles Breitband, mobile Nebenstelle) |
| Zielgruppen | Führungskräfte der 1. 2. und 3. Unternehmensebene (Mobile Executives) sowie Fachkräfte die außerhalb des Firmengeländes mobil unterwegs sind (Extensive Mobile Workers). |
| Marktpotenzial | Rund 1,5 Mio. Arbeitnehmer in Österreich. |
| Marktpenetration* | 5,3%. In einigen Branchensegmenten bei über 10%*. |
| Markttreiber | Produktivitätssteigerungen sowie mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum für Mitarbeiter, Neue Konvergenzprodukte die Mobilfunk und Festnetz integrieren („Mobile Nebenstelle“). |
| Marktbarrieren | Versicherungsrechtliche Aspekte, kulturelle Bedenken (Unkontrollierter Datenzugriff, weniger Kontrollmöglichkeiten), schwer kalkulierbare Wirtschaftlichkeit der Investitionen. |
Stufe 2: Lösungen für Process Automation
Stufe 2 sind jene Organisationen zuzurechnen, die mobile Applikationen einsetzen, um ausgewählte Geschäftsprozesse zu optimieren bzw. zu automatisieren. Schon länger ist der Trend zu beobachten, dass bei Unternehmen die eine klare Wirtschaftlichkeit voraussetzen, die Umsetzung spezieller Prozesslösungen als erster Schritt erfolgt.
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Stufe
2: Lösungen für Process Automation |
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| Lösungen und Produkte | Mobile Erweiterungen oder Ergänzungen von bestehenden ERP-, CRM- oder SCM-Systeme (z.B. Sales/Service Automation, Mobile Asset Management, etc.) sowie spezielle Telematiklösungen und industriespezifische Lösungen (mobiles Patienten-betreuungssystem, mobile Stromdatenerfassung, etc.). |
| Zielgruppen | siehe Schaubild 2 |
| Marktpotenzial | Rund 4800 Unternehmen (ab 50 Mitarbeiter) |
| Marktpenetration* | Derzeit setzt in Österreich in etwa jedes zwanzigste Unternehmen über 500 Mitarbeiter zumindest eine echte mobile Lösung ein. |
| Markttreiber | Kosten- und Konkurrenzdruck, Individualisierung von Kundenbeziehungen |
| Marktbarrieren | Implementierungskomplexität, fehlendes Know-how und fehlende Ressourcen, Sicherheitsbedenken, fehlende Anbieter- bzw. Produktübersicht |
Stufe 3: Das "entfesselte" Unternehmen
Stufe 3 hat ein Unternehmen dann erreicht, wenn eine klar definierte Mobilitätsstrategie verfolgt wird, die messbar ist und auf die verschiedenste Organisationsbereiche Einfluss nimmt. Erst in dieser Phase können maximale Verbesserungen erzielt werden, indem Geschäftsprozesse (unternehmensübergreifend) neu gestaltet werden und eine möglichst optimale Auslastung des intellektuellen bzw. physischen Kapitals erzielt wird. Eigens installierte "Mobility Manager" werden die rechtlichen, kulturellen und technologischen Anliegen in der "Wireless Enterprise" koordinieren und weiter vorantreiben. INSET geht heute davon aus, dass bis 2008 mindestens ein Drittel aller Großunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf diese Stufe angelangt sind.

Mobile Business 2005: Die interessantesten Branchen und Projektbeispiele
Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten durch mobile Lösungen erfordert der Markt ein überaus differenziertes Verständnis. Eine Hauptzielgruppe schlechthin gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, die Bedürfnisse von unterschiedlichen Anwenderzielgruppen und Branchen zu verstehen. Davon ausgehend kann entweder eine Evaluation verfügbarer Standardlösungen vorgenommen werden oder die Entwicklung einer individuellen Lösung angestrebt werden. Diese Entscheidung hängt von Wirtschaftlichkeitsfaktoren ebenso ab, wie von der Zielsetzung die mit der M-Business-Lösung erreicht werden soll. Beispielsweise setzte die Austrian Airlines in einer Partnerschaft mit dem Mobilfunkbetreiber ONE eine Lösung um, die nicht nur Festnetz und Mobitelefonie integriert, sondern darüber hinaus die Nutzung verschiedenster GPRS-Dienste für Mitarbeiter und Kunden ermöglicht.
Tobaccoland, das führende österreichische Unternehmen der Tabakwirtschaft, setzt schon seit zwei Jahren eine mobile Außendienstlösung ein. Durch die Lösung, entwickelt von der Software AG, konnten Beratungs- und Serviceprozesse für Trafikanten beispielsweise klar verbessert werden (Weitere Details finden sie im Heft).
Neben Führungskräften, klassischen Vertriebsaußendienst oder Servicetechnikern gibt es aber noch eine Reihe anderer Zielgruppen mit sehr großem "Mobility"-Potenzial. Solche Mitarbeiter und Geschäftsprozesse finden sich zum Beispiel in produzierenden Branchen im Bereich der lokalen Warenlogistik, Instandhaltung oder im Bereich von Forschung und Entwicklung.
Der amerikanische Autohersteller Ford setzt beispielsweise eine mobile Lösung von Marktführer iAnywhere (Sybase) ein, um Führungskräften weltweit den mobilen Zugang auf eine umfassende Wissensdatenbank zu ermöglichen. Die Mitarbeiter können auf aktuelle Lieferanteninformationen, Vertriebskennzahlen und verschiedene andere Kennzahlen zugreifen.
Ein hohes Zukunftspotenzial hat auch der Gesundheitssektor. So werden beispielsweise Ärzte und Pflegepersonal künftig mittels PDA den Gesundheitszustand von Patienten kontrollieren und Behandlungen überwachen. Nicht nur der problematische Medienbruch in Form des klassischen Patientenblattes wird damit ersetzt werden. Auch die Anlagen- und Bauindustrie bietet große Zukunftspotenziale. "Papierprozesse" und die Abstimmungskomplexität durch viele involvierte Parteien wird in diesen Branchen durch mobile Lösungen zukünftig erheblich vermindert und somit Doppelerfassungen oder Fehlerquoten (z.B. bei Bestellungen/Kontrollen) signifikant verringert werden.

In vier Schritten zur richtigen Mobility-Lösung - Warum und warum jetzt?
Lösungsanbieter versuchen mit unterschiedlichen Strategien das Mobile Enterprise Business zu erobern. Während etwa Netzbetreiber primär versuchen das "mobile Büro" über die eigene Vertriebsmannschaft und mit massiver Unterstützung der Werbung zu vertreiben, konzentrieren sich klassische Softwarehäuser darauf Unternehmensapplikation (ERP, SCM oder CRM) bei bestehenden Kunden "zu mobilisieren".
Aus Sicht der Entscheidungsträger ergeben sich jedoch eine Reihe von Fragestellungen, die zunächst vor allem Objektivität und Methodik erfordern:
1. Bei welchen Prozessen und Mitarbeitergruppen kann das Unternehmen durch M-Business messbare Verbesserungen erzielen?
- 2. Welche Anforderungen ergeben sich an die technische Lösung in Bezug auf Endgeräte, Softwarefunktionalität, Integration, Endgerätemanagement und Sicherheit?
- 3. Welche Anbieter verfügen über entsprechende Kompetenzen und welche Produkte am Markt erfüllen die Anforderungen des Unternehmens tatsächlich am besten?
- 4. Welche Projektvariante ist die wirtschaftlich effektivste?
Um Entscheidungsträger bei der Beantwortung dieser Fragestellungen kompakt und unabhängig zu unterstützen hat INSET ein praxisorientiertes Assessment-Werkzeug entwickelt, das eine gesamthafte Entscheidungsfindung im Mobile Business flexibel ermöglicht. Der modulare Aufbau ermöglicht eine schrittweise Vorgehensweise. Das Kernmodul stellt eine Anbieter- und Produktdatenbank dar, die eine rasche Übersicht über 80 führende Anbieterunternehmen sowie rund 500 Produkte aus den Kategorien Infrastruktur, Netzbetreiber, Endgeräte, Software und Dienste ermöglicht.
Nutzen Sie objektives Wissen und erprobtes Vorgehen
Bis 15. Mai stellt INSET Entscheidungsträgern in Anwenderunternehmen eine Basisvariante von Modul 1 (Process Assessment) sowie die vollständige Anbieter- und Produkt-Datenbank (Modul 3) als Online-Version kostenlos zu Verfügung (Nähere Infos finden Sie unter www.inset-advisory.com oder www.monitor.com). Damit möchte INSET einen objektiven Beitrag leisten, um Unternehmen eine systematische und effiziente Orientierung im Mobile Business, einem Thema mit enormen Effizienz- und Effektivitätspotenzial, szu ermöglichen.
Einen Auszug ausgewählter Standardlösungen für "Mobile Office" und "Mobile Sales/Mobile Service" finden Sie schon jetzt als Auszug aus der INSET Players and Solutions-Datenbank 2005 in der nebenstehenden Tabelle->. inset_players_and_solutions_2005.pdf
Teil zwei dieser Serie „Mobile Commerce“ erscheint im Monitor 4A.




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 