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Strategien

IT-Frauen

EU-Studie ergibt für Österreich schlechtes Bild

Unter dem etwas sperrigen Titel "Widening Women´s Work in Information and Communication Technology" (www-ict) hat die EU ein Forschungsprojekt in sieben europäischen Ländern gefördert. Neben Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien und Portugal war auch Österreich beteiligt. Der heimische Beitrag, 140 biographische Interviews und einige Firmen-Fallstudien, ergab leider nach wie vor ein eher tristes Resultat - dafür haben die österreichischen Autorinnen der TU Wien Patterns und Maßnahmevorschläge präsentiert, wie die Situation verbessert werden könnte.

Christine Wahlmüller

Ziel der groß angelegten Studie war es, zu eruieren, was man tun kann, um IT-Berufe für europäische Frauen attraktiver zu machen und ihren prozentuellen Anteil in der Branche zu erhöhen. Dafür wurden zunächst die Bedingungen von Frauen in der IT-Branche in den sieben beteiligten Ländern untersucht. "Es ist aber schon allein schwierig, tatsächlich den Frauenanteil in der Branche zu bestimmen", verwies DI Marianne Tolar, eine der heimischen Autorinnen, auf ein Anfangsproblem. Da gebe es hohe Schwankungsbreiten, die Zahlen seien daher immer mit Vorsicht zu genießen.

Als Faustregel gilt jedoch: Je technischer der Job, desto geringer der Frauenanteil. So hat Cisco z.B. erhoben, dass im Bereich Netzwerktechnik nur 4,3 % Frauen in Österreich tätig sind. Die IT-Branche biete den Frauen Vor- und Nachteile, ergab die Situationserhebung: Lange und vor allem unregelmäßig Arbeitszeiten, und damit verbunden, wenig Möglichkeiten, Familie bzw. Kinder und Beruf "unter einen Hut zu bekommen", Stress und Angst um den Job - das sind die größten Minuspunkte. Für die Branche sprechen positive Faktoren wie Autonomie, relativ gutes Einkommen, der Status, die Selbständigkeit und die Möglichkeit zur Selbstorganisation sowie insgesamt spannende, abwechslungsreiche Jobs.

Patterns für Frauen gefunden

"Die typische österreichische IT-Frau gibt es nicht", erklärte Mag. Andrea Birbaumer, ebenfalls Studienautorin, allerdings "haben wir bestimmte Patterns gefunden", konnte die Forscherin sich über spannende Detail-Ergebnisse freuen. Eine große Gruppe, zumeist Akademikerinnen mit "straight careers", hatte bereits sehr früh eine Leidenschaft für Naturwissenschaften und Technik. Andere Frauen kombinieren Kunst, Graphikdesign oder Journalismus mit Technik - und finden so ihren erfolgreichen Berufsweg. In Reaktion auf Einschränkungen teilen sich die Frauen in jene, die trotz schlechter Arbeitsbedingungen oder dem Problem Familie-Job unbeirrt weiter werken und nicht aufgeben, und eine recht kleine Gruppe, die dabei "unter die Räder kommt" und für den Job keine Motivation mehr besitzt.

Was die Strategien angeht, fanden Tolar/Birbaumer, vier "weibliche" Wege. IT als Chance, um dem eigenen (zumeist ländlichen) Milieu zu entfliehen, um selbst unternehmerisch zu denken und sich seine persönliche adäquate Jobwelt zu schaffen, um gut und erfolgreich im Job zu sein (aber im Hinterkopf der Gedanke: ich könnte auch durchaus etwas anderes tun) - und viertens, oft bei jungen Frauen zu finden, um offen für alles zu sein, und sich erst einmal in der Branche umzusehen. Neben den 140 bibliographischen Interviews fanden die Autorinnen auch in vier Fallstudien in heimischen Unternehmen (kleines und großes Software-Entwicklungshaus, E-Publishing, Online-Journalismus) einige Ergebnisse bestätigt.

Empfehlungen der Autorinnen

"An erster Stelle muss dringend umfassende, gut dargestellte Berufsinformation zur Verfügung gestellt werden", resümierte Birbaumer. Zweitens müssten die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen an die Situation von versorgungspflichtigen Personen (Frauen oder Männer) angepasst werden. Drittens fordern die Autorinnen eine deutliche Erweiterung des Angebots an Aus- und Weiterbildung. Außerdem sollten Frauen es nicht versäumen, sich Frauennetzwerke oder Mentoring zunutze zu machen. "Frauen müssen lernen, viel mehr miteinander zu agieren", so Studienautorin Birbaumer. Bezeichnend: Die befragten (erfolgreichen) IT-Frauen waren zumeist kinderlos, "das ist aber zum Beispiel in Italien ganz anders, da existiert ein gutes soziales, familiäres Netzwerk", erläuterte Andrea Birbaumer.

Als erste Maßnahme wurde noch innerhalb des Projekts für die motivierende Herausgabe von Broschüren für unterschiedliche Zielgruppen gesorgt. Unter dem Titel: "Was kann man tun, um IT-Berufe für die europäischen Frauen attraktiver zu machen?" gibt es da bespielsweise eine Publikation für Akteure in Unternehmen, eine für Frauenorganisationen, während sich eine dritte dem Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung widmet (auch ein Punkt, wo Frauen generell eher wenig, wenn überhaupt, zum Zuge kommen - vor allem im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen). Erfreulich ist, dass viele der befragten Frauen die IT-Branche sehr positiv beurteilen: Es existiert ein gutes Angebot an gehobenen Arbeitsplätzen, es gibt immer die Herausforderung, (neue) Probleme zu lösen, die Umsetzung der Kundenbedürfnisse in Software-Programme oder Websites ist interessant, die Tätigkeit ist äußerst vielseitig, Projektarbeit erlaubt flexiblere Arbeits- und Zeiteinteilung - so die Aussagen.

Gerade hier sieht die Praxis aber leider meist anders aus. IT-Frauen klagen oft über lange, unregelmäßige Arbeitszeiten, viele ärgern sich auch über die starke Ungleichbehandlung und ungleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit von Frauen und Männern im Job. "Hier sollte sich noch vieles in den Unternehmen ändern", fasst die österreichische Studienleiterin von www-ict, Univ. Prof. Dr. Ina Wagner, Vorstand am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien, zusammen. Wer mehr wissen möchte: Studienzusammenfassung sowie Broschüren können bei den Studienautorinnen bestellt werden.

Kontakt:
andrea.birbaumer@tuwien.ac.at
marianne.tolar@media.tuwien.ac.at

Detaillierte Forschungsergebnisse:
www.ftu-namur.org/www-ict

 

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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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