Andreas Roesler-Schmidt
Das EU-Parlament verabschiedete Ende Jänner ein neues Förderungsprogramm für Digitale Inhalte. Im vom österreichischen EU-Abgeordneten Paul Rübig (ÖVP) initiierten Programm "eContentPlus" werden bis 2008 insgesamt 149 Millionen Euro bereitgestellt. "Das Programm dient der Erfüllung der Lissabon-Kriterien", erklärt Rübig, "bis 2010 sollen zehn Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden - das muss vor allem in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie bzw. dem E-Business geschehen."
Gefördert werden Projekte von Unternehmen im EU-Raum, die sich mit der Bereitstellung von Digitalen Inhalten im Internet befassen. Voraussetzung ist dabei, dass mindestens zwei EU-Mitgliedsstaaten an dem jeweiligen Vorhaben beteiligt sind. Der Förderungsanteil liegt im Regelfall in einer Größenordnung bis 50 Prozent bei kommerziellen Anbietern. Bei öffentlichen Einrichtungen werden 100 Prozent der Zusatzkosten eines Projekts gefördert.
"Die Infrastruktur wurde bereits gut aufgebaut", stellt Rübig fest. "Jetzt geht es darum, das Netz attraktiver zu machen. Dazu muss man die Qualität der Inhalte verbessern." Dabei gehe es beispielsweise darum, Anbieter von sinnvollem Content wie Lernprogrammen für Schulen und Universitäten zu fördern. Die EU-Kommission fördert auch neue Geschäftsmodelle mit denen solches Wissen vermarktet werden kann oder neue Geschäftsmodelle die Technologien wie UMTS oder digitales Fernsehen sinnvoll nützen.
Bündelung für österreichische Unternehmen
"Ich sehe besonders gute Chancen für Projekte in einer substantiellen Größenordnung und schlage vor, kleinere Projekte zu bündeln", sieht Rübig die Chancen für kleinere österreichische Unternehmen im Verbund mit anderen. Denn die von der EU geförderten Projekte liegen in einer Größenordnung von über einer Million Euro. Der Fachverband Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Österreich (UBIT) arbeitet ein entsprechendes Mantelprogramm für seine Mitglieder aus. "Im Bereich Innovation und e-Content sind die österreichischen IT-Unternehmen - egal ob groß oder KMU - hervorragend positioniert und haben durch die verstärkte Exportorientierung viele internationale Kooperationsprojekte angestoßen", meint Fachverbandsobmann Friedrich Bock. "Wir werden alles daran setzen, durch geschickte Bündelung der Kräfte den Wirtschaftsstandort Österreich auch im Bereich e-Content zu stärken."
Wie die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg in einem geförderten Projekt aussehen kann, erläutert Rübig anhand eines Beispiels aus Irland: Ein kleines Unternehmen hat dort ein hochwertiges Klavierlernprogramm für 6-8jährige produziert. Um dieses auch Schulen in anderen Ländern zugänglich zu machen muss es in 20 Amtssprachen übertragen werden - gerade bei Lernprogrammen reicht nicht nur eine einfache Übersetzung, sondern die Inhalte müssen auch entsprechend aufbereitet werden. Für das kleine irische Unternehmen wäre das mit zu hohen Kosten verbunden. Im Verbund mit Partnern aus der EU konnte man ein Geschäftsmodell für ein gemeinsames Unternehmen einreichen und erhielt eine 50prozentige Förderung.
Evaluiert werden die Einreichungen von Experten aus 25 Ländern, die sowohl aus Unternehmen als aus dem Universitätsumfeld kommen. Der Fachverband UBIT ruft Unternehmen auf, sich per E-Mail an ubit@wko.at zu melden.



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 