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Netz & Telekom

Tele2 und UTA

Fusionen kosten vielerlei Opfer

Wenig Freude bereitet den UTA-Mitarbeitern die Übernahme durch Tele2. Über die Zukunft des Unternehmens wird hinter verschlossenen Türen ausschließlich von Tele2-Leuten und Consultern beraten und entschieden. Personell sind mittlerweile fast alle Schlüsselpositionen mit Tele2-Leuten besetzt, jetzt ist Personalreduktion angesagt: 130 Mitarbeiter wurden Ende März beim AMS zur Kündigung angemeldet, "Jobgarantie gibt es bei uns keine", sagt Tele2-Chef Norbert Wieser.

Christine Wahlmüller

Knapp vier Monate nach der kartellrechtlich genehmigten Übernahme (7.12.2004) hat sich bereits eine deutliche Veränderung beim größten alternativen Telekom-Anbieter vollzogen. Räumlich - alle unter einem Dach im Ares Tower in Wien 22 und schrittweise Umgestaltung in Großraumbüros - sowie personell: Die UTA-Vorstände Günther Ofner sowie Romed Karré haben bereits Ende vergangenen Jahres das Unternehmen verlassen. Ex-UTA-Personalchef Christian Stieglitz ist seit Jänner 2005 bei der mobilkom für Personalagenden zuständig. Als letzte der ersten Ebene hat UTA-Marketing-Vorstand Alexandra Reich, die auch bei der "neuen" Tele2 Österreich in den Vorstand eingezogen war, offiziell zum 31. März 2005 das Unternehmen verlassen. UTA-Vertriebsschef Rainer Schittenhelm ging in Pension, während das Tele2-Management UTA-Finanzchef Stephan Zeinler von einem Tag auf den anderen "dienstfrei" stellte. Auch Carrier-Bereichsleiter Thomas Kasa wird das Unternehmen verlassen. Die Strategie ist klar: Die Top-Positionen in dem unter Tele2 Österreich firmierenden Unternehmen sind künftig nur noch mit Managern aus den Reihen der alten Tele2 besetzt.

"Viele machen Dienst nach Vorschrift"

Den Ton gibt das neue Vorstands-Quartett an: Norbert Wieser, bereits Chef der alten Tele2, hat sich bloß mit Franz Rois, zuletzt bei T-Mobile International in London tätig, einen Newcomer als Marketingchef (statt Alexandra Reich) geholt. Die beiden anderen Vorstände sind bereits alte Tele2-Bekannte. Helmut Hofer fungiert als Finanzvorstand und hat auch den Personalbereich übernommen, Gerald Trattnig heißt der neue, alte Technikvorstand. Womit auch keine Frau mehr in der ersten Ebene agiert.

"Schlimm ist, dass derzeit von vielen nur Dienst nach Vorschrift gemacht wird", erzählt ein Mitarbeiter. Allgemein hat sich ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins und der Angst um den Job, aber auch der Ausschau nach Job-Alternativen ausgebreitet. Kein Wunder, denn es ist klar, dass ein Personalabbau unumgänglich ist. Finanz- und Personal-Vorstand Helmut Hofer hat bereits intern im Jänner von mindestens 100 Mitarbeitern gesprochen, hinter vorgehaltener Hand wurde von bis zu 200 gemunkelt. Dies hat sich Ende März in etwa bestätigt. 130 Mitarbeiter werden abgebaut, dazu kommen noch einmal rund 50 geleaste Arbeitskräfte. Damit wird die jetzige Mitarbeiterzahl vorläufig auf 371 gesenkt.

Bekannt ist die Strategie des schwedischen Konzerns: Möglichst viel outsourcen, mit wenig Personal zum Erfolg, möglichst keine eigenen Entwicklungen, lieber kopieren und den Massenkundenmarkt mit einfachen und billigen Produkten gut bedienen. So steht z.B. im Raum, ob die gesamte technische Betreuung bzw. der Betrieb der Internet Server nicht einfach nach Schweden in die Zentrale verlegt wird. Fraglich ist allerdings, wie sich diese Strategie mit den doch recht anspruchsvollen UTA-Businesskunden-Produkten und Kundenbedürfnissen verträgt. Eine weitere Frage ist die Markenpolitik. Laut Tele2-Chef Norbert Wieser sollen beide Marken bestehen bleiben. "Wir werden unter der Marke Tele2UTA auftreten", so Wiesers Credo. Auf den Websites ist davon allerdings noch nichts zu sehen. Die werden brav nebeneinander - scheinbar ohne Berührungspunkte - geführt. Marketingtechnisch hat die Tele2-Führung schon die UTA-Kunden für ihre Produkte "entdeckt". So wurden die UTA-Kunden im Zuge des März-Rechnungsversands mit einem Hochglanzfolder für Tele2-Wertkarten-Handies beglückt.

Entbündelung und Integration bewältigen

Unternehmensstrategisch ist Wieser gegenüber dem MONITOR ("kein Interview aus Zeitgründen") wenig gesprächig. Man wolle heuer "weiter profitabel wachsen" und "bald" ein positives EBIT haben. Zahlen werden keine genannt. Klares Ziel ist der Breitband-Ausbau bzw. die Entbündelung. Die Zahl der Entbündelungsstandorte soll bis Mai von 113 auf 147 erhöht werden. Damit könnten mehr als die Hälfte aller Privathaushalte und rund 175.000 Unternehmen theoretisch UTA-Breitband-Services in Anspruch nehmen. Aktuell hatte UTA Ende 2003 rund 520.000 Telefon- und 345.000 Internetkunden. Tele2 Österreich kam auf insgesamt 550.000 Kunden. Im Mobilfunkgeschäft, wo Tele2 laut eigenen Angaben etwa 100.000 Handykunden betreut, sei die Übernahme von ONE - wie zuletzt immer wieder kolportiert - nicht geplant, betonte Wieser noch im Februar in einem APA-Interview. Die Integration ist mit Sicherheit das derzeit größte Projekt. Und für die immer mehr leerstehenden Räumlichkeiten im neuen, alten UTA-Domizil Ares Tower in Wien 22 - hier wurden 10 Stockwerke von UTA langfristig teuer angemietet - beginnt die Suche nach Untermietern. Einer davon ist z.B. die ORF-UTA-Tochter adworx (Online Vermarkter), die im zweiten Stock des Ares Tower residiert.

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MONITOR-Autoren
Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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