Andreas Roesler-Schmidt
Nie zuvor war ein Apple so günstig (ab 500 Euro) zu haben. Bewusst weggelassen wurden Bildschirm, Tastatur und Maus, denn die haben Windows-Anwender ja meist schon. Der Preis relativiert sich schnell. Das getestete Modell (mit 1,42 GHz und 80 GB) kostet bereits 600 Euro. Praktisch notwendig ist die Erweiterung auf 512 MB Hauptspeicher, sinnvoll Bluetooth und WLAN. Wegen der guten Multimediafähigkeiten drängt sich der DVD-Brenner (statt CD-Brenner) auf. So hochgerüstet endet der "günstige" Mac bei 880 Euro - weniger als andere Apple-Rechner, aber in einer Kategorie, in der man auch brauchbare PCs bekommt.
Ich gehöre nicht zu jenen, die automatisch alles von Apple für unübertroffenes Design halten. (Den ersten iMac halte ich noch immer für das hässlichste Plastik-Ei, das je in die IT-Welt geschlüpft ist.) Der Mac Mini aber ist der schönste Desktop-Computer, den ich bisher gesehen habe. Die Höhe des im eleganten Aluminium-Band eingefangenen Macs entspricht exakt einem Stapel von 5 CD-Hüllen, und der Umfang ist kaum größer. Für die Ohren angenehm: Der Lüfter ist außer unter Volllast sehr dezent. Hersteller von Wohnzimmer-PCs sollten sich den Mac Mini genau ansehen: Er ist der erste Computer, den ich tatsächlich als schön genug für mein Wohnzimmer empfinde. Leider hat er aber außer einem optionalen Adapter für den Anschluss am Fernseher keine Wohnzimmer-Funktionen wie TV-Tuner oder Festplatten-Aufnahme.
Schaltet
man den Mac Mini zum ersten Mal ein, grüßt er bald darauf mit einer aufgeräumten
Desktop-Oberfläche (Mac OS X ist vorinstalliert). Am unteren Bildschirmrand
laden detailverliebt gestaltete Symbole der wichtigsten Programme im "Dock"
(dem Pendant zur Windows Task-Leiste) zu ersten Erkundungen ein. Programme,
deren Fenster man minimiert, erscheinen ebenfalls hier. Anders als bei Windows
sind diese Symbole aber keineswegs statisch: Hat man etwa Fenster des Webbrowsers
im Dock abgelegt, werden die geladenen Webseiten in Miniaturform angezeigt,
so dass man gleich erkennt, was sich hinter den Symbolen verbirgt. Programme
machen durch hüpfende Symbole auf sich aufmerksam, wenn sie dem Anwender etwas
mitteilen wollen. Das ist alles ein wenig verspielt und mag im Arbeitsalltag
sogar nerven, ist aber im Vergleich zu Windows durchaus intuitiv.
Nicht überall erfüllt der Mac das Klischee der unübertroffenen Usability: Programme, deren Fenster man schließt, laufen weiter, zeigen nur kein Fenster mehr. Man muss Programme also explizit per Menü oder Tastenkürzel schließen. Hat man das gelernt, wird man von einigen Ausnahmen überrascht, die doch gleich schließen. Nach einiger Zeit erkennt man - Programme, die nie mehr als ein Fenster haben können, beenden auch wenn man das Fenster schließt. Hier erscheint mir Windows logischer. Wer dem Mac diese Eigenheiten zugesteht, wird aber belohnt: Einfache Netzwerksituationen erkennt der Mac Mini und richtet sie ein - ohne dass der User dazu auch nur ein OK klicken müsste. Die Internetverbindung ist einfach da. Dasselbe gilt für Drucker: Per USB angesteckt, bestätigt der Mac nicht mal seine Existenz. Wenn man druckt, steht der Drucker einfach bereit - sogar als Minifoto des jeweiligen Druckermodells.
iPhoto (Teil der inkludierten Multimedia Tool-Sammlung iLife) verwaltet sämtliche Bilder und ermöglicht einfache Aufbesserungen. So einfach wie am Mac werden Fotos von der Digitalkamera nirgends importiert. Frische Bilder lassen sich spielend in Alben organisieren oder in Diashows mit effektvollen Übergängen einfügen.
Filme können mit iDVD auf DVD gebannt werden. Um animierte DVD-Menüs Menüs à la Hollywood zu erhalten, werden die gewünschten Videos oder Fotos aus dem persönlichen iLife-Bestand in "Dropzones" in Vorlagen gezogen. Auch Anfänger können damit erstaunliche Resultate erzielen. Rendert man die DVD dann, zeigt einem die Wartezeit überdeutlich, dass man es mit dem kleinsten aller Macs zu tun hat.
Ein Rechner mit Charakter
Der Mac Mini ist durch die Kombination von Design und verspieltem OS trotz Schwächen einfach ein sympathischer Computer. Als privates (Zweit)Gerät, um Digitalfotos und -filme organisieren, kann ich ihn uneingeschränkt empfehlen. Aber ich selbst werde ihn nicht kaufen: Zum Arbeiten ist er zu schwach und zu viele Windows Programme jenseits des Office- und Grafik-Mainstreams gingen unersetzbar verloren. (Auf die ewige Lüge von Apple-Fanatikern, es gäbe alles, lohnt es sich nicht einzugehen. Es gibt eben nur vieles.)
Als privaten Zweitcomputer hätte ich ihn lieber im Wohnzimmer. Doch dafür fehlen die Features. Dabei sollte es doch für Apple ein Kinderspiel sein, Microsofts Windows Media Center Software durch etwas Hübscheres zu überbieten. Spätestens dann könnte Apple bei mir den Fuß in die Tür bekommen. Vielleicht weil ich gerade im Wohnzimmer keinen PC sehen möchte. Oder weil ich doch ein bisschen auf den Apfel-Geschmack gekommen bin.
Apple im Blindflug
Auf
Apple-Pressekonferenzen lernt man, dass Innovation in Kalifornien mitunter eigener
Logik folgt. Bei der Präsentation des jüngsten iPod-Zuwachs zeigte man zuerst,
was man an bisherigen MP3-Playern mit Flash-Speicher schlecht findet. Ein Punkt,
den man an Konkurrenten besonders kritisierte: Zu kleine oder schlecht lesbare
Displays. Eine Powerpoint-(pardon Apple Keynote-)Folie später: Tara - der iPod
Shuffle, Apples erster MP3-Player mit Flash-Speicher. Er hat gar kein
Display. Wahrlich, innovativer als jeder andere MP3-Player: Ohne verwirrendes
Display einfach blind durch 1GB Musik quälen. Nicht alles, was in weißem Plastik
kommt, taugt zu mehr als zum Mode-Accessoire.
Einen anderen Blindflug hat Apple nun ausgemerzt: Der iPod photo konnte ursprünglich zwar unterwegs Fotos von der Digicam auf der Festplatte aufnehmen, sie aber erst anzeigen, wenn man sie an einem Computer auf das Minibildformat konvertiert hat. Apple hat wohl erkannt, dass ein Gerät mit dem Namen "photo" selbige auch anzeigen sollte und rasch einen Nachfolger gebracht, der das schafft. Glückwunsch den Käufern der ersten Version.




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8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 